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Forscher wollen Retouren im Onlinehandel reduzieren

Die Jeans ist zu kurz, das Shirt sitzt nicht richtig: Retouren im Onlinehandel sind lästig für die Verbraucher, schlecht für die Umwelt und aufwendig für die Unternehmen. Ein neues Tool könnte helfen.

Trotz großer Bemühungen, die Anzahl der Retouren zu reduzieren, hat der Onlinehandel mit hohen Unkosten durch Rücksendungen zu kämpfen.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Retouren im Onlinehandel sind für die Verbraucher lästig und belasten Umwelt und Wirtschaft – ein neues Tool der Hochschule Hof könnte die Anzahl der Rücksendungen reduzieren. Ein Online-Demonstrator soll dabei unterstützen, dass im Internet-Shop direkt die individuell passende Kleidung ausgewählt wird – und somit die Retourenflut eindämmen.

Der Ansatz: Produkte können am Computer virtuell anprobiert werden, wie Projektleiter Christian Groth vom Institut für Informationssysteme der oberfränkischen Hochschule sagte. Das Ziel: Die Kundschaft soll eine möglichst präzise Vorauswahl hinsichtlich Passform, Größe und Geschmack treffen können – fast wie in der Umkleidekabine im Laden. «Lediglich das Tasterlebnis des Stoffes oder das Tragegefühl ist hier noch nicht darstellbar.»

«Man sieht, ob die Ärmel zu lang sind»

Der Demonstrator verwendet das aktuelle Kamerabild der Kundin oder des Kunden sowie Bilder der Artikel in unterschiedlichen Posen. «So ist es möglich, eine fotorealistische und größenkorrekte Darstellung des gewählten Kleidungsstückes virtuell an den Kunden anzupassen», sagte Groth. Bei derzeit gängigen Computermodellen, die zu bestellende Kleidung an Menschen darstellten, würden die Textilien immer perfekt passen – und die Enttäuschung sei groß, wenn das Paket dann ankomme. Beim Demonstrator aus Hof hingegen gehe es präziser zu: «Man sieht, ob beispielsweise die Ärmel zu lang sind.» Einzig die Gesamtkörpergröße müsse die Kundschaft zusätzlich zum Foto noch angeben, «der Rest wird errechnet», sagte Groth weiter. Die Hochschule will ihr Tool als Open-Source-Software veröffentlichen und hofft damit, vor allem kleinere und mittlere Unternehmen zu unterstützen. 

Im E-Commerce wird intensiv daran gearbeitet, die Anzahl der Retouren zu verringern, da die Rücksendungen hohe Kosten verursachen. Gemäß einer im Dezember veröffentlichten Studie des Handelsforschungsinstituts EHI müssen Händler durchschnittlich zwischen fünf und zehn Euro für jeden zurückgesendeten Artikel aufwenden.

Fast die Hälfte der bestellten Kleidung geht zurück

Gemäß EHI betragen die Rücksendequoten im Durchschnitt zwischen sechs und zehn Prozent, bei Modeartikeln sogar zwischen 26 und 50 Prozent. Für Verbraucher ist es jedoch nicht nur auf den ersten Blick bequem, Kleidung nach Hause geliefert zu bekommen. Wenn sie nicht passt oder nicht gefällt, müssen Jeans und Co. erneut verpackt, ein Retourenschein ausgestellt und das Paket erneut zum Paketdienstleister gebracht werden. Darüber hinaus verlangen einige Händler mittlerweile Geld für Rücksendungen.

Retouren im Textilbereich sind unter anderem deshalb so häufig, weil Kunden oft die gewünschte Ware in zwei Größen bestellen, damit eine dann auch wirklich passt, sagte Marco Atzberger, Mitglied der EHI-Geschäftsleitung. Um dies zu verhindern, gibt es derzeit zwei Möglichkeiten: Die Händler sind daran interessiert, die Ware möglichst genau zu beschreiben, zum Beispiel auch mit Hinweisen, ob das Kleidungsstück groß oder klein ausfällt. Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Kunden praktisch zu vermessen. Doch hier sieht Atzberger eine Hürde – nämlich die Akzeptanz der Verbraucher, diese Daten zur Verfügung zu stellen.

dpa