Osnabrücks Polizeipräsident Friedo de Vries warnt vor wachsender Aggressivität gegenüber Einsatzkräften und kritisiert die verzerrte Darstellung von Polizeivideos im Netz. Er fordert mehr Respekt und sachliche Diskussionen in der Gesellschaft.
Friedo de Vries kritisiert Stimmungsmache mit Polizeivideos im Netz: Zerrbild unserer täglichen Arbeit / Osnabrücker Polizeipräsident warnt vor schwindendem Respekt gegenüber Einsatzkräften

Osnabrück. Der Polizeipräsident von Osnabrück, Friedo de Vries, äußert sich besorgt über die zunehmende Aggressivität gegenüber Einsatzkräften und die damit verbundenen Übergriffe. In einem Interview betont er, dass die „Zündschnur kürzer geworden ist“ und es nicht akzeptabel sei, dass Polizeibeamte im Dienst ständig beleidigt, bedroht, angespuckt oder angegriffen werden. Diese Entwicklung verurteilt er „aufs Schärfste“.
De Vries weist darauf hin, dass nicht nur die Polizei, sondern auch Feuerwehrleute, medizinisches Personal, Journalisten und Politiker zunehmend Anfeindungen ausgesetzt sind. Er stellt fest, dass der Respekt gegenüber staatlichen Institutionen insgesamt spürbar abgenommen hat. „Vielleicht haben Teile unserer Gesellschaft auch verlernt oder kein Interesse, sachlich und lösungsorientiert zu streiten, Kompromisse zu finden, ohne physische oder psychische Gewalt auszuüben“, erklärt der Polizeipräsident.
Ursachen für die wachsende Wut in der Gesellschaft
Als Gründe für die steigende Wut und Empörung nennt de Vries unter anderem den Hass im Internet sowie die gezielte Verbreitung von verkürzten Videos von Polizeieinsätzen. Diese Videos erzeugen ein „Zerrbild“ der täglichen Arbeit der Polizei. Durch die Zusammenstellung von Szenen aus Einsatzsituationen, in denen die Polizei gezwungen ist oder provoziert wird, Gewalt anzuwenden, wird häufig ein falsches Bild polizeilicher Eingriffe vermittelt.
Werbung für den Polizeiberuf trotz Risiken
Trotz der Gefahren, die mit dem Einsatz- und Streifendienst verbunden sind, wirbt de Vries weiterhin für den Polizeiberuf. Er beschreibt diesen als „sinnstiftend“ und hebt die große Vielfalt der Aufgaben hervor. Junge Anwärter werden heute unter anderem durch modernes Training mit VR-Brillen auf die Risiken vorbereitet.
Über Friedo de Vries und die Polizeidirektion Osnabrück
Der 61-jährige Friedo de Vries trat 1981 in den Polizeidienst ein und leitet seit Juni 2025 die Polizeidirektion Osnabrück. Diese ist mit rund 3000 Beschäftigten in vier Polizeiinspektionen – vom Teutoburger Wald bis zu den Ostfriesischen Inseln – für die Sicherheit von mehr als 1,4 Millionen Einwohnern im „Dreiländereck“ Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden verantwortlich.
Die Äußerungen von de Vries werfen ein Licht auf die Herausforderungen, mit denen die Polizei konfrontiert ist, und unterstreichen die Notwendigkeit, den Respekt gegenüber den Einsatzkräften zu fördern.
Bildquelle: Bildquelle: (Augustin-Foto) Jonas Augustin auf Unsplash








