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Gasexperte: Preisanstieg kommt wohl nicht bei Haushalten an

Seit auch in der russischen Region Kursk gekämpft wird, steigt der Gas-Börsenpreis. Experten glauben jedoch nicht, dass die höheren Preise auch bei den Verbrauchern ankommen – unter einer Bedingung.

Die zuletzt gestiegenen Gas-Großhandelspreise werden sich nach Ansicht des IW-Energieexperten Malte Küper voraussichtlich nicht auf die Gas-Verbraucherpreise auswirken.
Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Die nach dem ukrainischen Gegenangriff auf Russland gestiegenen Gas-Großhandelspreise werden sich nach Ansicht des Energieexperten Malte Küper voraussichtlich nicht auf die Gas-Verbraucherpreise auswirken. «Wenn wir jetzt Preisschwankungen haben, die nur einige Wochen anhalten werden, dann wird das keine Auswirkungen auf die Preise haben, die Haushalte für Erdgas bezahlen», sagte Küper der Deutschen Presse-Agentur dpa. Grund sei die meist längerfristig angelegte Einkaufsstrategie der Energieversorgungsunternehmen. Küper ist Referent für Energie und Klimapolitik am arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.

Montag kostete Erdgas zeitweise fast 43 Euro

In dem von ukrainischen Truppen besetzten russischen Gebiet in der Region Kursk befindet sich die wichtige Gas-Übergabestation Sudscha. Sie ist seit dem Gegenangriff mutmaßlich in der Hand der Ukrainer. Über sie wird russisches Erdgas quer durch die Ukraine in die Slowakei und Österreich und weitere europäische Länder geleitet. Seit Bekanntwerden des Angriffs stieg der Preis für die Megawattstunde Erdgas am niederländischen Handelsplatz TTF an. Am Montag erreichte der Preis für im September zu lieferndes Erdgas mit zeitweise fast 43 Euro je Megawattstunde eine Höhe wie zuletzt Anfang Dezember 2023.

Küper erklärt, dass der Hauptgrund für die gestiegenen Großhandelspreise die Sorge der Märkte vor einer unbeabsichtigten Zerstörung der Station in Zuge von Kampfhandlungen ist, beispielsweise durch einen Raketeneinschlag. «Ein ukrainisches Interesse, da jetzt irgendwas einzustellen, kann ich nicht erkennen», sagte der Experte. Wenn es dennoch zu einer unbeabsichtigten Beschädigung kommen sollte, könnte Österreich beispielsweise über Deutschland und Italien mit Erdgas versorgt werden.

Industrie eher betroffen von Preisanstieg als Haushalte

Wenn der aktuelle Preisanstieg länger anhält, würde die Industrie laut Küper eher betroffen sein als Haushaltskunden. Der Grund dafür ist, dass Industrieunternehmen aufgrund einer anderen Beschaffungsstrategie Preisschwankungen an der Börse oft unmittelbarer oder früher zu spüren bekommen als Haushalte. Außerdem haben kleinere Preisunterschiede in energieintensiven Industriebetrieben größere Auswirkungen als bei Haushalten.

Gasspeicher in Deutschland zu 91,5 Prozent gefüllt

Die Erdgasspeicher in Deutschland waren am Montagmorgen zu 91,5 Prozent gefüllt, die Speicher Österreichs zu 88,4 Prozent. EU-weit lag der Füllstand bei 87,6 Prozent, wie am Dienstag aus Daten des europäischen Gasspeicherverbands GIE hervorging. Der Gasspeicherverband Ines (Initiative Energien Speichern) hatte sich schon Anfang Juli zuversichtlich gezeigt, dass die deutschen Gasspeicher vor dem kommenden Winter 2024/2025 erneut vollständig befüllt werden können.

Die Bundesnetzagentur beurteilt die Gasversorgung in Deutschland weiterhin als stabil. «Die Versorgungssicherheit ist gewährleistet», heißt es im jüngsten Lagebericht. Man schätze die Gefahr einer angespannten Gasversorgung im Augenblick als gering ein. «Ein sparsamer Gasverbrauch bleibt dennoch wichtig», betont die Behörde. Im ersten Halbjahr 2024 lag der Erdgasverbrauch in Deutschland laut Energiewirtschaftsverband BDEW 0,7 Prozent über dem Verbrauch des entsprechenden Vorjahreszeitraums.

Erdgasimport vor allem aus Norwegen

Deutschland bezieht nach wie vor täglich Erdgas aus anderen Ländern, hauptsächlich über Pipelines. Laut Bundesnetzagentur wurde am vergangenen Sonntag Erdgas mit einem Gesamtenergiegehalt von 2076 Gigawattstunden (GWh) nach Deutschland geliefert, und zwar 1086 GWh aus Norwegen, 440 GWh aus den Niederlanden, 454 GWh aus Belgien und 96 GWh über die deutschen LNG-Terminals.

Am selben Tag wurden 467 Gigawattstunden Erdgas aus Deutschland exportiert. Das Gas wurde in die Niederlande, nach Tschechien, Österreich, die Schweiz und Polen geliefert.

dpa