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GDL zählt Urabstimmung über unbefristete Streiks aus

Die nächste Eskalation im Tarifkonflikt bei der Bahn steht bevor: Um länger streiken zu können, hat die Bahngewerkschaft GDL eine Urabstimmung durchgeführt. Am Dienstag wird das Ergebnis erwartet.

Die GDL hatte Ende November die Tarifgespräche mit der Deutschen Bahn für gescheitert erklärt.
Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Die GDL wird am Dienstag (17.00 Uhr) das Ergebnis der Urabstimmung über unbefristete Streiks bei der Deutschen Bahn bekanntgeben. Wenn mindestens 75 Prozent der Mitglieder zustimmen, sind umfangreichere Arbeitskämpfe im Tarifkonflikt möglich. Es wird als so gut wie sicher angesehen, dass das Quorum erreicht wird. Was erwartet die Fahrgäste?

Wird sofort wieder gestreikt?

Nein. GDL-Chef Claus Weselsky hat weitere Arbeitskämpfe im Tarifstreit mit der Deutschen Bahn und auch beim Wettbewerber Transdev bis einschließlich 7. Januar ausgeschlossen. Die Menschen können also ohne Sorge über Weihnachten zu ihren Familien fahren und kommen wieder zurück. Doch im neuen Jahr könnte es schnell zur Sache gehen. «Ab dem 8. Januar sollte man mit längeren Arbeitskämpfen rechnen», sagte Weselsky vor einigen Tagen der «Augsburger Allgemeinen». «Wir werden die Blockadehaltung der Bahn aufbrechen.»

Wie lange kann die GDL dann streiken?

Prinzipiell unterliegen Streiks nach einer Urabstimmung keiner zeitlichen Beschränkung. «Wir sind so verantwortungsbewusst, dass wir nicht auf ewige Zeiten streiken werden», sagte Weselsky, betonte aber: «Es bleibt nicht bei weiteren 24-Stunden-Streiks.» Bei vorigen Tarifrunden waren mehrtägige Streiks keine Seltenheit. 2021 streikte die GDL etwa für fünf Tage, 2015 einmal für sechs Tage. Gut möglich also, dass es in dieser Größenordnung im Januar weiter geht. Bisher hat die GDL im laufenden Tarifkonflikt zu Warnstreiks von maximal 24 Stunden im Personenverkehr aufgerufen.

Warum braucht es für längere Streiks eine Urabstimmung?

Jeder Streiktag bedeutet für die Arbeitnehmer Einnahmeverluste. Die Gewerkschaften gleichen zwar den Lohn- und Gehaltsausfall aus der Streikkasse aus, jedoch in der Regel nicht vollständig. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter signalisieren daher durch eine Urabstimmung, dass sie bereit sind, dieses finanzielle Opfer zu bringen. Damit ein Gewerkschaftsvorstand grünes Licht gibt, müssen sich mindestens 75 Prozent der teilnehmenden Beschäftigten für unbefristete Streiks aussprechen.

Wie oft wurde der DB-Konzern in diesem Jahr bestreikt?

Die Lage ist für die Fahrgäste auch deshalb schwierig, weil die Angst vor Streiks während der Tarifrunde mit der EVG im Frühling und Sommer für Unruhe sorgte. Die EVG rief dreimal zu Warnstreiks auf, von denen zweimal stattfanden. Der jüngste Arbeitskampf der GDL war also der dritte Streiktag auf der Schiene in diesem Jahr. Solche Tage bedeuten für die Bahn hohe Kosten und Ärger bei den Kunden. Die ohnehin schlechte Pünktlichkeitsquote wird durch die Streiks jedoch nicht weiter verschlechtert, da Zugausfälle in der Statistik nicht erfasst werden.

Wann wird wieder verhandelt?

Es ist unklar, wann beide Seiten die Verhandlungen wieder aufnehmen werden. Ende November erklärte die GDL die Tarifgespräche mit der Deutschen Bahn für gescheitert und später auch die Verhandlungen mit Transdev. Weselsky schloss damals eine Schlichtung mit Hilfe eines externen Vermittlers aus. Es gibt keinen erkennbaren Ausweg.

Worum geht es in dem Tarifkonflikt?

Die Gewerkschaft hat unter anderem gefordert, dass der Monatslohn um 555 Euro erhöht wird und eine steuer- und abgabenfreie Inflationsausgleichsprämie für ein Jahr gewährt wird. Die Bahn hat ein Angebot von elf Prozent für eine Laufzeit von 32 Monaten gemacht. Das Geld spielt jedoch eine untergeordnete Rolle. Für die GDL ist es wichtiger, die Wochenarbeitszeit für Schichtarbeiter von 38 auf 35 Stunden bei vollem Lohn zu senken. Die Bahn lehnt dies ab. Aus ihrer Sicht ist der dafür erforderliche Personalaufbau zu groß.

Vor kurzem hat die GDL in Verhandlungen mit einem anderen Bahn-Unternehmen, der Tochtergesellschaft der italienischen Staatsbahn Netinera, eine ähnliche Vereinbarung getroffen. Dort wird die 35-Stunden-Woche für Schichtarbeiter ab dem 1. Januar 2025 schrittweise eingeführt. Netinera ist viel kleiner als die Deutsche Bahn und hat in Deutschland wesentlich weniger Mitarbeiter.

Was verdienen Lokführer bisher?

Laut der Deutschen Bahn verdient ein Lokführer oder eine Lokführerin je nach Berufserfahrung und Einsätzen im internationalen Verkehr oder als Ausbilder zwischen 45.000 Euro und 56.000 Euro pro Jahr inklusive Zulagen. Sowohl sie als auch die Zugbegleiter gehören zu den am häufigsten vertretenen Berufsgruppen in der GDL.

dpa