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Binz kämpft gegen Rügener LNG-Terminal

Gemeinde stellt Antrag auf Betriebsstopp wegen Sicherheitsrisiken und plant weitere Maßnahmen gegen das umstrittene Projekt.

Ein LNG Tanker liegt mit einer Ladung LNG im Energie-Terminal. Auf der Insel Rügen kann Flüssigerdgas angelandet und nach der Umwandlung in Gas über eine Erdgas-Anbindungsleitung nach Lubmin in das deutsche Verteilnetz eingespeist werden.
Foto: Stefan Sauer/dpa

Die Gemeinde Binz hat laut eigenen Angaben beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig einen Antrag gegen den Betrieb des benachbarten Rügener LNG-Terminals eingereicht. Der Anwalt der Gemeinde, Reiner Geulen, erklärte in einer Mitteilung an die Deutsche Presse-Agentur, dass das Terminal deutschen und internationalen Sicherheitsstandards widerspreche und erhebliche Sicherheitsrisiken in der Nähe von Wohn- und Kurgebieten darstelle.

Er hatte daher am Donnerstagnachmittag auch eine Zwischenverfügung beantragt, die die geplante Inbetriebnahme bis spätestens Mitte Mai vorläufig untersagen soll, bis eine endgültige Entscheidung des Gerichts getroffen wird.

Geulen basiert seinen Antrag hauptsächlich auf vier Gutachten, darunter eines von Bärbel Koppe, Professorin für Wasserbau und Hydromechanik an der Hochschule Wismar. Des Weiteren hat die Gesellschaft für Sicherheitstechnik/Schiffssicherheit Ostsee (GSSO) in Rostock das Risiko schwerer Unfälle sowie die Optionen zu ihrer Bekämpfung im Hafen Mukran untersucht. Letztendlich sind die Störfallrisiken nicht zu akzeptieren.

Sorge vor Kollision

Es wird über ein erhöhtes Kollisionsrisiko aufgrund der Stationierung der beiden großen Spezialschiffe gesprochen, die das verflüssigte Gas aufnehmen, wieder in gasförmigen Zustand bringen und einspeisen sollen. Diese könnten mit den Tankern, die das LNG liefern sollen, kollidieren. Die Brandbekämpfung durch die Schiffsbesatzungen, wie vom Betreiber geplant, wäre nicht möglich, wenn sie evakuiert werden müssten. Zudem wird auf die Explosionsgefahr durch mögliche Beschädigungen von Gastanks hingewiesen.

Geulen kündigte an, dass in der nächsten Woche vier weitere Anträge gestellt werden, um einen sofortigen Betriebsstopp zu erreichen. Dies betrifft unter anderem den Landesverband des Deutschen Jugendherbergswerks, der in der Nähe des Hafens eine Einrichtung betreibt. Der Verband bestätigte dies.

Andere Klage bereits abgewiesen

Vor lediglich sieben Tagen erlitten die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) eine Niederlage vor dem Bundesverwaltungsgericht im Kampf gegen das Terminal. Die Klage gegen die Anbindungspipeline wurde abgewiesen.

In Anbetracht des russischen Angriffs auf die Ukraine hat der Bund den Ausbau einer eigenen Importinfrastruktur für Flüssigerdgas (LNG) vorangetrieben, um unabhängiger von russischem Gas zu werden. Er verteidigt das Rügener Terminal mit Verweis auf die Versorgungssicherheit. Kritiker äußern Bedenken hinsichtlich der Umweltschäden, negativer Auswirkungen auf den Tourismus und überflüssiger Überkapazitäten. Das Terminal hat vor ungefähr zwei Monaten den Probebetrieb aufgenommen und besitzt mittlerweile auch eine Genehmigung für den Regelbetrieb.

dpa