Entlassungswellen und sinkende Profitabilität belasten die Branche trotz Umsatzwachstum. Studios setzen auf bewährte Konzepte und kämpfen mit Kritik an Mikrotransaktionen.
Analyse: Gaming-Industrie vor schwierigem Jahr

Laut einer aktuellen Analyse steht die weltweite Gaming-Industrie nach dem Boom in der Corona-Pandemie vor einem herausfordernden Jahr. Es gibt seit Monaten Berichte über Entlassungswellen in der Branche – dies könnte laut einer Studie von EY-Parthenon die ersten Anzeichen für eine Marktbereinigung sein. Die Finanzkennzahlen der weltweit 32 größten Spieleunternehmen wurden von der Strategieberatung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) untersucht.
EY hat im Jahr 2023 bei diesen Unternehmen – nach Jahren ständigen Wachstums – mindestens 2500 Entlassungen verzeichnet. Es wird jedoch angenommen, dass die tatsächliche Anzahl der gestrichenen Stellen höher liegt. Nicht alle Entlassungen wurden öffentlich bekannt gegeben. Vor allem Unternehmen aus den USA haben Stellen gestrichen. Fast die Hälfte der Entlassungen geht auf sie zurück. Die Studie gibt keine genaue Anzahl der Mitarbeiter an, die insgesamt in den untersuchten Unternehmen beschäftigt sind.
Marge sinkt
Gemessen am Umsatz wuchs die Gaming-Branche unterdessen weiter – aber nicht so stark wie in den Jahren zuvor. 2023 erlösten die analysierten Spieleunternehmen 138 Milliarden Euro und damit 6,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Wachstum lag demnach leicht höher als 2022, aber unter den Bestwerten während der Pandemie.
Im Jahr 2021 stieg der Umsatz der Branche um 12,9 Prozent, im Jahr 2020 um 27,1 Prozent. Trotzdem musste die Industrie bei der Profitabilität Einbußen hinnehmen. Die Marge, die das operative Ergebnis im Verhältnis zum Umsatz darstellt, sank im vergangenen Jahr von 17,1 auf 11,6 Prozent. Dies entspricht dem Trend der letzten drei Jahre.
EY-Branchenexperte Jens Weber teilte mit: «Die Geschäftszahlen der Gaminggrößen sehen auf den ersten Blick gut aus, die gleichzeitigen Entlassungswellen zeugen aber vom Druck, dem große Spieleschmieden und kleine Studios gleichermaßen ausgesetzt sind.» Letztere müssten sich gegen viele Konkurrenten durchsetzen. «Mit dem richtigen Konzept konnten in der jüngeren Vergangenheit einige kleine Studios allerdings beachtliche Erfolge erzielen und den großen Publishern deutlich die Stirn bieten.»
Innovative Spiele treiben Entwicklungskosten in die Höhe
Die großen Spieleunternehmen stünden wiederum vor der Herausforderung, eine inzwischen grafik- und technikverwöhnte Zielgruppe mit immer neuen und möglichst innovativen Titeln zu versorgen: «Diese Spiele, deren Entwicklungskosten in den vergangenen Jahren geradezu explodiert sind, werden immer häufiger kritisch beäugt.» Die Studios setzten daher lieber auf bewährte Konzepte sowie Fortsetzungen oder Neuauflagen erfolgreicher Spiele.
Weber zufolge gibt es daher Unruhe in der Community. Derzeit sorgen jedoch auch sogenannte Mikrotransaktionen für Ärger. Dabei können Spieler in Spielen mit echtem Geld virtuelle Güter kaufen – zum Beispiel für einen schnelleren Fortschritt. Dies bringt zwar den Unternehmen zusätzliche Einnahmen, stößt aber auf Kritik, so Weber.
Die Kunden wollten nicht 60 bis 70 Euro für ein Spiel bezahlen, dann aber noch mehr bezahlen, um gegen andere Spieler im Netzwerk bestehen zu können. Einige würden trotzdem in den sauren Apfel beißen: «Die Spielehersteller bewegen sich hier, was die Gunst der Kundschaft angeht, auf einem sehr schmalen Grat», sagte Weber.








