Es war schon länger damit gerechnet worden. Nun liegt ein Insolvenzantrag der Eigentümerin des Hamburger Elbtower-Grundstücks vor. Und das hat Folgen.
Hamburg: Eigentümerin des Elbtower-Grundstücks insolvent

Laut der Stadt Hamburg hat die Elbtower Immobilien GmbH & Co. KG, Eigentümerin des Elbtower-Grundstücks, einen Insolvenzantrag gestellt. Die Stadtentwicklungsbehörde teilte am Freitag mit, dass die Stadt nun ihr Wiederkaufsrecht sowie die Übernahme aller Planungs- und Bauverträge geltend machen könne. Eine weitere Quelle bestätigte den Insolvenzantrag gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.
Nach Angaben der Stadtentwicklungsbehörde war die Elbtower Immobilien GmbH & Co. KG verpflichtet, der Stadt den Insolvenzantrag mitzuteilen. Mit Einreichen des Antrags sei ein Fall der «Wirtschaftlichen Verschlechterung» nach Paragraf 10.7 des Grundstückskaufvertrags eingetreten.
«Damit kann die Stadt Hamburg nun ihr kaufvertraglich gesichertes Wiederkaufsrecht sowie die Übernahme aller Planungs- und Bauverträge geltend machen», sagte Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein (SPD). Die Stadt werde ihre Rechte auch im Insolvenzverfahren sichern und nach Bestellung des vorläufigen Insolvenzverwalters umgehend mit diesem in Kontakt treten.
Die Elbtower Immobilien GmbH & Co. KG ist eine mittelbare Tochtergesellschaft der ebenfalls insolventen Signa Prime Selection AG des österreichischen Immobilienunternehmers René Benko. Benko hatte in der Zeit niedriger Zinsen günstige Kredite aufgenommen und starke Investoren gewonnen, um seine Signa-Gruppe stark zu erweitern. Jedoch haben die zuletzt gestiegenen Zinsen, Baukosten und Energiepreise sein komplexes Firmengeflecht in Schwierigkeiten gebracht.
Bautätigkeit ruht seit Oktober
Gemäß eigenen Angaben geht die Stadtentwicklungsbehörde davon aus, dass im Zuge des Insolvenzverfahrens eine privatwirtschaftliche Lösung gefunden wird, um die seit Oktober ruhende Bautätigkeit zeitnah wieder aufzunehmen. Allerdings könnten wesentliche Änderungen am Gesamtprojekt nur mit Zustimmung der Stadt vorgenommen werden.
Das Wiederkaufsrecht der Stadt ermögliche, dass die Stadt die Kontrolle über das Projekt übernehmen könne, wenn keine tragfähige Lösung gefunden werde, teilte die Stadt mit. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hatte zuletzt gesagt. «Bei einem Rückkauf würden wir den ursprünglichen Kaufpreis in Höhe von 122 Millionen Euro ohne Zinsen und abzüglich von fünf Millionen Euro erstatten und im Gegenzug das Grundstück zurückerhalten.»
Elbtower als Gegenstück zur Elbphilharmonie
Der Elbtower soll der krönende Abschluss der Hamburger Hafencity werden. Ganz im Osten bei den Elbbrücken soll er entstehen, quasi als Gegenstück zur Elbphilharmonie ganz im Westen: «64 Stockwerke, 245 Meter über dem Meer. Ein neuer Blick auf die Stadt», heißt es auf der Homepage des Elbtowers. Bislang geplante Fertigstellung und Gesamtkosten: 2025 für rund 950 Millionen Euro.
Seit Ende Oktober gibt es jedoch Stillstand auf der Baustelle. Das beauftragte Bauunternehmen hat die Arbeiten bei einer Höhe von 100 Metern eingestellt, da Rechnungen nicht beglichen wurden. Das dritthöchste Gebäude Deutschlands, das vom Londoner Stararchitekten David Chipperfield entworfen wurde, soll in Zukunft Büros, Geschäfte, Galerien, Restaurants und eine Aussichtsplattform in der 55. Etage beherbergen.








