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Handel: Weihnachtsgeschäft deutlich schlechter als 2022

Die miese Konsumlaune verdirbt vielen Einzelhändlern das so wichtige Weihnachtsgeschäft. Jeder Sechste beklagt sogar schlechtere Umsätze als im Vorjahr. Mit Blick auf 2024 gibt es dennoch Zuversicht.

Zwei Drittel der Händler beklagen schlechtere Umsätze als im Vorjahr.
Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Schlechte Konsumstimmung, magere Umsätze: Der Einzelhandel zieht zum Abschluss des Weihnachtsgeschäftes eine negative Bilanz. «Das Geschäft war leider deutlich schlechter als 2022 und verlief ohne große Impulse», sagte Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverband Deutschland (HDE), der Deutschen Presse-Agentur.

Gemäß der Umfrage des Verbandes sind zwei Drittel der Händler unzufrieden und berichten von schlechteren Umsätzen im Vergleich zum Vorjahr, während sich nur jeder Sechste zufrieden äußert. Mehr als 350 Unternehmen wurden bundesweit befragt. Obwohl das Weihnachtsgeschäft bereits 2022 nicht gut gewesen sei, erwartet Genth einen preisbereinigten Rückgang von fünf bis sechs Prozent. Der HDE prognostiziert für November und Dezember 2023 Umsätze in Höhe von rund 120 Milliarden Euro.

Den Hauptgrund für den enttäuschenden Jahresabschluss sieht Genth in der massiven Konsumzurückhaltung. Rezession, die hohe Inflation und Kriege hätten «bei den Verbrauchern große Unsicherheit ausgelöst und das Konsumverhalten sehr negativ geprägt». Auch der Einzelhandel hätte aufgrund von steigenden Energiekosten und höheren Einkaufspreisen mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt.

Genth sieht jedoch auch Lichtblicke. Die verkaufsoffenen Sonntage seien in Großstädten gut angenommen worden. Besonders gut gelaufen sei das Geschäft im Sporthandel. «Die Menschen sind geneigt, etwas für sich zu tun. Dieser Trend aus der Corona-Zeit hat sich jetzt erneut bestätigt», sagt Genth. Weniger zufrieden waren Händler im Bereich Bekleidung. Die Branche habe nicht die gewohnten Umsätze erzielen können und die Verunsicherung der Bevölkerung besonders gespürt.

Auch der Online-Handel war enttäuschend. Laut dem Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) konnte der Online-Handel kaum vom Weihnachtsgeschäft profitieren. Trotzdem ist der Handelsverband mit der Entwicklung zufrieden: Genth sieht eine Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau. Die Umsätze sind um 40 Prozent höher als im Jahr 2019. Auch viele kleinere und mittlere Geschäfte haben das Online-Geschäft mittlerweile für sich entdeckt.

Trotz des enttäuschenden Jahresabschlusses blickt der Einzelhandel mit gedämpft optimistischen Erwartungen auf 2024. Der Arbeitsmarkt wirke stabilisierend, die Inflation gehe deutlich zurück. «Das sind gute Voraussetzungen dafür, dass die Menschen wieder sicherer und optimistischer werden und sich die Konsumstimmung verbessert», sagt Genth. Dadurch könne auch die Neigung zu höherpreisigen Anschaffungen wieder zunehmen.

Trotzdem wird der Handel im kommenden Jahr erneut vor Herausforderungen stehen. Genth betont die negativen Folgen der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten. Außerdem haben viele Händler mit Lieferproblemen und einem Mangel an Arbeitskräften zu kämpfen. Im Einzelhandel gibt es demnach über 100.000 offene Stellen.

dpa