Die nationale Kerosinsteuer ist vom Tisch, doch auch die stattdessen geplante höhere Luftverkehrssteuer findet in der Branche keine Zustimmung. Weil am Ende immer die Passagiere zahlen, könnte die Nachfrage schwächeln.
Höhere Luftverkehrssteuer macht Airlines nicht glücklich

Die Luftverkehrsbranche hat Pläne der Bundesregierung für eine höhere Ticketsteuer bei Passagierflügen kritisiert. «Schon heute ist im europäischen Vergleich die Belastung des Luftverkehrs mit Steuern und Abgaben in Deutschland mit Abstand am höchsten», sagte eine Sprecherin des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) der Deutschen Presse-Agentur.
Auch der Airline-Verband Barig äußerte seine Ablehnung gegenüber der geplanten Steuererhöhung. Obwohl sie im Vergleich zur verworfenen nationalen Kerosinsteuer das kleinere Übel sei, belaste sie Passagiere und die Branche mit zusätzlichen Kostensteigerungen, erklärte Barig-Geschäftsführer Michael Hoppe. «Immer höhere Preise führen zu einer geringeren Nachfrage.» Barig vertritt alle in Deutschland tätigen Fluggesellschaften aus dem In- und Ausland.
Auch andere Gebühren stark gestiegen
Schon heute leide der Luftverkehrsstandort Deutschland unter extrem hohen Gebühren an den Flughäfen und im Luftraum, meinte Hoppe. Es sei kein Zufall, dass sich der Luftverkehr in Deutschland deutlich langsamer erhole als im übrigen Europa. «In anderen Ländern wird der Luftverkehr eher als Job- und Wirtschaftsmotor gesehen. Dieses Gefühl verlässt uns manchmal in Deutschland.»
Der deutsche Branchenverband BDL warnte vor weiteren wirtschaftlichen Folgen: «Erneute Erhöhungen werden Produktion in Deutschland kosten, Ertragssteuern und Wertschöpfung schmälern, Verlagerungen zu anderen Drehkreuzen bewirken und die Luftverkehrsanbindung wichtiger Wirtschaftsregionen in Deutschland erheblich verschlechtern.» Der Chef der Lufthansa-Airline, Jens Ritter, äußerte sich auf der Plattform Linkedin: «Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht selbst abhängen. Deutschland muss ein starker Luftverkehrsstandort bleiben.»
Easyjet: Viele Tickets für 2024 bereits verkauft
Auch Easyjet, der Konkurrent von Ryanair, erwartet steigende Ticketpreise. Laut Deutschland-Chef Stephan Erler ist die deutsche Bevölkerung die Leidtragende der Regierungspolitik, da sie bereits die höchsten Flugpreise in Europa zahlt. Easyjet hätte lieber eine höhere Mehrwertsteuer auf Inlandsflüge gesehen. Die Fluggesellschaft kritisiert auch das kurzfristige Handeln der Bundesregierung. Wenige Tage vor Beginn des neuen Jahres sind Steuern, Abgaben und Gebühren für Abflüge von deutschen Flughäfen immer noch nicht verbindlich geregelt. Dabei sind bereits die meisten Tickets für das kommende Halbjahr verkauft.
Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die 2011 eingeführte Ticketsteuer knapp 1,2 Milliarden Euro für den Staat. Die Kosten pro Ticket variieren je nach Reiseziel zwischen 12,73 Euro und 58,06 Euro, welche in der Regel von den Anbietern an die Passagiere weitergegeben werden. Die Bundesregierung strebt nun an, durch diese Steuer zusätzliche Einnahmen zu generieren, die den Verzicht auf die nationale Kerosinsteuer ausgleichen sollen. Ein Regierungssprecher erwähnte am Dienstag mögliche jährliche Einnahmen von bis zu 580 Millionen Euro. Dies würde eine Steigerung der bisherigen Einnahmen um etwa 50 Prozent bedeuten.
Laut dem Barig-Vertreter Hoppe hätte die zuvor von der Ampel-Koalition in Erwägung gezogene und nun abgesagte Kerosinsteuer auf Inlandsflüge zu erheblichen Wettbewerbsnachteilen für deutsche Gesellschaften geführt. Der Verband setzt sich weiterhin für faire Wettbewerbsbedingungen ein.








