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Hohe Mieten in deutschen Großstädten als Hürde für Unternehmen im Kampf um Fachkräfte

Viele sehen teures Wohnen als zentrales Manko, was Jobwechsel wegen hoher Mieten zur Folge hat – Fachkräftemangel droht.

Ein Drittel der Teilnehmer einer PwC Umfrage ziehen einen Jobwechsel bei zu hohen Mieten in Betracht.
Foto: Marijan Murat/dpa

Hohe Mieten in deutschen Großstädten sind einer Studie zufolge eine Hürde für Unternehmen im Ringen um Fachkräfte. Viele Menschen sehen das teure Wohnen laut einer neuen Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC als zentrales Manko für das Leben in der Großstadt. Das geht so weit, dass ein Drittel über einen Jobwechsel wegen hoher Mieten nachdenkt – eine kleine Minderheit zieht tatsächlich deswegen um. «Für Arbeitgeber wird es in Ballungsräumen damit immer schwieriger, Fachkräfte zu finden und zu halten», schlussfolgern die Autoren. Zudem seien die Erwartungen von Beschäftigten an Arbeitgeber hoch, wegen der hohen Wohnkosten finanziell zu helfen. 

Im Herbst wurden 4200 Berufstätige in Deutschland im Auftrag von PwC online befragt. Die Befragten waren zwischen 18 und 65 Jahren alt und stammten aus zwölf Großstädten, darunter Berlin, Hamburg, München, Essen, Leipzig und Hannover. Laut Angaben war die Studie repräsentativ.

Ergebnis: Die große Mehrheit der Menschen bewertet das Leben in der Großstadt als angenehm – etwa die Jobchancen, kurze Arbeitswege, Einkaufsmöglichkeiten sowie Bildungs- und Kulturangebote.  Rund neun von zehn Berufstätigen fühlen sich demnach an ihrem Wohnort wohl.  Doch zugleich sind fast zwei Drittel mit den Mieten, den Kosten für Wohneigentum und der Zahl freier Mietwohnungen unzufrieden. Fast 90 Prozent haben das Gefühl, dass es in Großstädten «reine Glückssache» ist, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Als besonders schwierig wird der Wohnungsmarkt in Stuttgart und München empfunden. 

Wechselgedanken vor allem bei Jungen und in Berlin verbreitet

Einige Arbeitnehmer ziehen Konsequenzen. Laut einer Umfrage hat bereits jeder oder jede Neunte (11 Prozent) aufgrund hoher Mieten in der Region den Job gewechselt – in der Altersgruppe von 18 bis 34 Jahren sind es 17 Prozent. Ein Drittel hat bereits darüber nachgedacht (18 bis 34: 41 Prozent). Besonders hoch ist die Wechselbereitschaft in Berlin: Dort haben 19 Prozent wegen hoher Mieten den Arbeitsplatz gewechselt. 36 Prozent haben in der Hauptstadt darüber nachgedacht, nur in Stuttgart war der Anteil noch höher (38 Prozent).

Wenn Erwerbstätige einen berufsbedingten Umzug in Erwägung ziehen sind für 60 Prozent bezahlbare Mieten ausschlaggebend. Davon könnten mittelständische Firmen profitieren, die oft nicht in Metropolen angesiedelt sind, meint PwC. «Im Wettbewerb um passende Nachwuchskräfte können sie mit erschwinglichen Mieten punkten», sagt Bernd Roese, Leiter des PwC-Standorts Frankfurt. Das gelte aber nicht für alle Großstädte. «In München oder Berlin ist der sogenannte Speckgürtel fast ähnlich teuer wie die Metropolen selbst.»

Klare Forderungen an Politik und Arbeitgeber

Die Befragten sehen sowohl die Arbeitgeber als auch die öffentliche Hand im Kampf um bezahlbaren Wohnraum in der Verantwortung. 88 Prozent fordern von der Politik, dass Wohnungsbauprogramme stärker auf Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen ausgerichtet werden. Auch die Erwartungen an die Arbeitgeber sind hoch: 82 Prozent unterstützen die Übernahme der Fahrtkosten durch Unternehmen, ähnlich viele möchten Mietzuschüsse erhalten. 79 Prozent befürworten, dass Unternehmen Betriebswohnungen bereitstellen und die Ausstattung für das Homeoffice finanzieren.

dpa