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Hohe Mieten in Großstädten erschweren Fachkräftegewinnung

Die teuren Mieten führen dazu, dass ein Drittel über Jobwechsel nachdenkt – Unternehmen müssen flexibler werden.

Die Mieten in Großstädten wie Frankfurt sind stark gestiegen und belasten Verbraucher. (Archivbild)
Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Laut einer Studie sind die hohen Mieten in deutschen Großstädten eine Herausforderung für Unternehmen, die um Fachkräfte konkurrieren. Eine Umfrage von PwC zeigt, dass viele Menschen das teure Wohnen als Hauptnachteil des Lebens in Metropolen betrachten. Ein Drittel denkt sogar darüber nach, den Job wegen hoher Mieten zu wechseln, obwohl nur eine Minderheit tatsächlich umzieht.

«In deutschen Großstädten herrscht massiver Frust über die Lage auf dem Wohnungs- und Immobilienmarkt», sagt Bernd Roese, Leiter des PwC-Standorts in Frankfurt. Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt drohe den Fachkräftemangel in Ballungsräumen noch zu verschärfen.

Resignation bei der Wohnungssuche

Im November und Dezember wurden 4.000 Berufstätige in Deutschland zwischen 18 und 65 Jahren aus zwölf Großstädten online befragt, darunter Berlin, Hamburg, München, Essen, Leipzig und Hannover.

Ergebnis der repräsentativen Umfrage: Die große Mehrheit der Menschen bewertet das Leben in der Großstadt als angenehm – etwa die Einkaufsmöglichkeiten, Kultur- und Bildungsangebote, Jobchancen und kurze Arbeitswege. Rund neun von zehn Berufstätigen fühlen sich demnach an ihrem Wohnort wohl.

Doch zugleich sind je zwei Drittel mit den Mieten, den Kosten für Wohneigentum und der Zahl freier Mietwohnungen unzufrieden. Fast 90 Prozent meinen, dass es in Großstädten «reine Glückssache» ist, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Damit setzte sich im Kern der Trend einer Umfrage aus dem Vorjahr fort.

Umzugsbereitschaft vor allem bei Jungen 

Manche Beschäftigte ziehen die Konsequenzen. Jeder Zehnte hat laut Umfrage schon einmal den Job wegen zu hoher Mieten in der Region gewechselt (Vorjahr: 11 Prozent). In der Altersgruppe von 18 bis 34 Jahren sind nach eigener Aussage bereits 18 Prozent wegen teurer Wohnkosten umgezogen. «Selbst Unternehmen, die derzeit alle Stellen besetzt haben, können sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen», sagt Thomas Veith, Immobilienchef bei PwC Deutschland.

Bereits 35 Prozent haben darüber nachgedacht, aufgrund hoher Mieten den Job zu wechseln. In der Altersgruppe der 18- bis 34-Jährigen sind es sogar 43 Prozent.

Wenn Erwerbstätige einen berufsbedingten Umzug in Erwägung ziehen, sind für 58 Prozent bezahlbare Mieten ausschlaggebend – noch vor der Länge des Arbeitsweges (44 Prozent). Drei Viertel (76 Prozent) würden zudem einen Job ablehnen, wenn die Mieten am künftigen Arbeitsort «viel höher» sind als am aktuellen.

Hohe Forderungen an Politik und Arbeitgeber

Die Befragten sind der Meinung, dass sowohl Arbeitgeber als auch die öffentliche Hand im Kampf um bezahlbaren Wohnraum in der Verantwortung stehen. 90 Prozent sind der Ansicht, dass die Politik Wohnungsbauprogramme verstärkt auf Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen ausrichten sollte.

Die Erwartungen an Arbeitgeber sind ebenfalls hoch: 81 Prozent unterstützen die Übernahme von Fahrtkosten durch Unternehmen, 85 Prozent möchten Mietzuschüsse in besonders teuren Regionen. Ebenso viele befürworten die Bereitstellung von Betriebswohnungen durch Firmen und die Finanzierung der Ausstattung für das Homeoffice.

Viele Befragte betrachten Homeoffice bereits als Teil der Lösung: 70 Prozent gaben an, dass die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, es ihnen ermöglicht, in einer kostengünstigeren Gegend zu leben. Um diese Mitarbeiter nicht zu verlieren, sollten Unternehmen laut dem PwC-Experten Roese viel Flexibilität bieten und die Homeoffice-Angebote nicht reduzieren.

dpa