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Homeoffice auf dem Rückzug? Firmen mit strengeren Vorgaben

Für viele Menschen ist die Arbeit im Homeoffice nicht mehr wegzudenken. Doch einige Firmen fordern nun wieder mehr Präsenz ein. Steht ein Umdenken bei den deutschen Unternehmen bevor?

Einige Unternehmen haben auf den großen Homeoffice-Anteil ihrer Beschäftigten mit einer Verkleinerung von Büroflächen reagiert.
Foto: Fabian Strauch/dpa

Es war bemerkenswert, als im letzten Sommer gerade der US-amerikanische Videotelefonie-Anbieter Zoom seine Mitarbeiter häufiger ins Büro zurückbeorderte. Kaum ein anderes Unternehmen wird so stark mit dem Trend zum Homeoffice in Verbindung gebracht. Auch verschiedene deutsche Großunternehmen haben mittlerweile ihre Homeoffice-Richtlinien verschärft. Steht eine Rückkehr zu mehr Präsenz bevor?

Der Softwarekonzern SAP aus Walldorf fordert ab diesem Monat, dass Mitarbeiter mindestens drei Tage pro Woche im Büro oder bei Kunden arbeiten. Eine Übergangsfrist bis Mai wurde vom Sprecher bestätigt. Bei der Telekom sollen alle Büroangestellten laut Vorstand wieder drei Tage pro Woche im Unternehmen sein, während Führungskräfte an vier Tagen Präsenz zeigen sollen. Ähnlich strenge Regeln für Homeoffice gelten auch bei Volkswagen und der Deutschen Bank. Manager beider Unternehmen müssen mindestens an vier Tagen pro Woche im Büro sein, alle anderen Mitarbeiter der Deutschen Bank sollen an mindestens drei Tagen im Unternehmen sein. Diese Regelung gilt bei VW bereits seit November, bei der Deutschen Bank tritt sie im Juni in Kraft.

Forscher: Kein deutlicher Trend

Der Arbeitsmarkt-Experte Philipp Grunau vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sieht trotz solcher Beispiele keinen klaren Trend zu weniger Homeoffice. Seit dem Höhepunkt des Homeoffice zu Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020 beobachtet der Forscher jedoch, dass der Anteil von Homeoffice langsam zurückgeht und dieser Trend sich fortsetzt. Trotzdem verbringen Beschäftigte laut Grunau immer noch deutlich mehr Zeit im Homeoffice als vor der Pandemie.

Auch Simon Krause vom Münchner Ifo-Institut beobachtet seit eineinhalb Jahren eine stabile Entwicklung mit Blick auf den Homeoffice-Anteil der Beschäftigten in Deutschland. Er liege im Schnitt bei 25 Prozent. Bei einer Umfrage des Münchner Instituts im Herbst 2023 gaben zudem 84 Prozent von rund 9000 befragten Unternehmen an, dass sie ihre Homeoffice-Regelungen beibehalten wollen. «Vieles spricht dafür, dass dieser Wert künftig stabil bleiben oder nur gering abnehmen wird», sagt Ifo-Experte Krause.

Eine aktuelle Umfrage der dpa bei mehr als einem Dutzend großer Firmen legt nahe, dass Unternehmen wie Mercedes Benz, die Versicherungskonzerne Allianz und Hannover Re, der Versandhändler Otto, Vodafone, Continental, das Reiseunternehmen Tui, Bayer, Siemens und der Konsumgüterkonzern Henkel derzeit keine strengeren Homeoffice-Vorgaben planen.

Verkleinerung von Büroflächen

Die Unternehmen begründen dies unter anderem mit der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie, einer größeren Flexibilität und dass sie durch die Homeoffice-Möglichkeit als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen würden. IAB-Forscher Grunau sieht bei den Unternehmen zugleich wenig Spielraum für Forderungen nach mehr Präsenz. Vor allem mit Blick auf den Fachkräftemangel könnten Firmen den Homeoffice-Anteil nicht beliebig reduzieren. Fachkräfte hätten heute eine viel stärkere Verhandlungsposition gegenüber Firmen als früher. «Wenn die Homeoffice-Möglichkeiten nicht ihren Vorstellungen entsprechen, werden sie ein Unternehmen möglicherweise verlassen», sagt Grunau. Das könne im Gegenzug eine Chance für andere auch kleinere Firmen sein, Fachkräfte für sich zu gewinnen.

Einige Unternehmen haben auf den großen Homeoffice-Anteil ihrer Beschäftigten mit einer Verkleinerung von Büroflächen reagiert. Laut Ifo-Experte Krause macht sich das auf dem Immobilienmarkt bemerkbar und zeigt sich auch an einer Zunahme der Zahl an Untervermietungen. Für IAB-Forscher Grunau ist es dabei wichtig, niemanden ins Homeoffice zu zwingen. Angesichts verkleinerter Büroflächen könne das nicht immer eingehalten werden. «Davon würde ich aber abraten.»

Laut Grunau sollten jedoch auch die negativen Seiten der Arbeit im Homeoffice nicht vernachlässigt werden. Im Homeoffice arbeiten Mitarbeiter tendenziell mehr und leisten eher Überstunden, außerdem verschwimmt dort eher die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit.

Wie beide Seiten profitieren

Homeoffice sei auch nicht per se produktiver. Ob das der Fall sei, hänge stark von der konkreten Tätigkeit ab, sagt Grunau. «Wo es viel auf persönliche Absprachen und Kommunikation ankommt, ist das Büro als Arbeitsplatz tendenziell besser geeignet. Auch ein hybrides Modell kann hier eine Lösung ein.» Darunter versteht man die Kombination von Präsenz- und Homeoffice-Arbeit. Bei Programmierern hingegen, die meist allein und sehr konzentriert an einer Sache arbeiteten, scheine das Homeoffice seine Vorteile auszuspielen.

«Wenn die Beschäftigten freiwillig im Homeoffice sind und Unternehmen wie Beschäftigte den richtigen Umfang damit finden, profitieren beide Seiten davon», sagt Grunau. Dann seien die Beschäftigten zufriedener, ihrem Unternehmen stärker verbunden und blieben länger. «Und das wirkt sich langfristig in der Regel auch positiv auf die Produktivität aus.»

dpa