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IFA Berlin: Warum die Technikmesse für die Hauptstadt wirtschaftlich so wichtig ist

Hunderttausende Besucher, internationale Unternehmen, volle Hotels und weltweite Aufmerksamkeit: Die IFA ist weit mehr als eine Technikmesse. Für Berlin ist sie Wirtschaftsmotor, Tourismusmagnet und internationales Schaufenster zugleich. Gerade in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten zeigt sich, welchen Wert eine globale Leitveranstaltung dieser Größenordnung für die Hauptstadt besitzt.

Foto: ifa-berlin.com

Wenn Anfang September auf dem Berliner Messegelände unter dem Funkturm Fernseher, Smartphones, Haushaltsgeräte, künstliche Intelligenz, Robotik und andere Zukunftstechnologien präsentiert werden, geht es längst nicht nur um die neuesten technischen Produkte. Für einige Tage wird Berlin zu einem internationalen Treffpunkt für Unternehmen, Händler, Medien, Investoren, Start-ups, Content Creator und Technikfans.

Die IFA Berlin gehört damit zu den Veranstaltungen, deren Bedeutung weit über die eigentlichen Messehallen hinausgeht.

2025 kamen rund 220.000 Besucher aus 140 Ländern zur IFA. Mehr als 1.900 Aussteller aus 49 Ländern präsentierten ihre Produkte und Innovationen auf dem Berliner Messegelände. Die Ausstellungsfläche umfasste mehr als 190.000 Quadratmeter.

Solche Dimensionen machen verständlich, warum die IFA für Berlin nicht nur ein traditionsreiches Großereignis, sondern ein erheblicher Wirtschaftsfaktor ist.

220.000 Besucher bedeuten zusätzliche Kaufkraft für Berlin

Wer wegen der IFA nach Berlin reist, gibt sein Geld nicht ausschließlich auf dem Messegelände aus.

Internationale Fachbesucher benötigen Hotelzimmer. Besucher gehen abends essen, nutzen Taxis, öffentliche Verkehrsmittel oder Carsharing-Angebote. Geschäftsreisende treffen sich in Restaurants und Bars. Unternehmen veranstalten Empfänge und Side Events. Hinzu kommen Einkäufe, Freizeitaktivitäten und touristische Angebote.

Dadurch verteilt sich die wirtschaftliche Wirkung einer großen Messe auf zahlreiche Branchen.

Besonders profitieren Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel, Transport- und Mobilitätsanbieter sowie die Veranstaltungswirtschaft.

visitBerlin weist ausdrücklich darauf hin, dass Großveranstaltungen wie die IFA in zwei Richtungen wirken: wirtschaftlich und hinsichtlich des internationalen Images der Stadt. 2024 verzeichnete Berlin insgesamt 12,7 Millionen Gäste, 30,6 Millionen Übernachtungen und einen Tourismusumsatz von rund 17 Milliarden Euro. Leitmessen und Großveranstaltungen tragen zu dieser Entwicklung bei.

Ein Euro Messeumsatz erzeugt ein Vielfaches an Kaufkraft

Wie groß die Bedeutung des Messegeschäfts für Berlin grundsätzlich ist, zeigen Berechnungen zur sogenannten Umwegrentabilität.

Nach Angaben des Berliner Senats beziehungsweise der Investitionsbank Berlin erzeugt ein Euro Messe- und Veranstaltungsumsatz rund sechs Euro zusätzliche Kaufkraft in Berlin. Besonders profitieren davon Hotels, Restaurants und Transportunternehmen.

Das verdeutlicht einen entscheidenden Punkt: Der wirtschaftliche Wert einer Veranstaltung wie der IFA lässt sich nicht allein am Umsatz des Veranstalters oder an verkauften Eintrittskarten messen.

Ein großer Teil der wirtschaftlichen Wirkung entsteht außerhalb des Messegeländes.

Wenn ein internationaler Besucher beispielsweise mehrere Tage in Berlin bleibt, bezahlt er Hotel, Frühstück und Abendessen, fährt durch die Stadt und besucht möglicherweise Geschäfte, Sehenswürdigkeiten oder Veranstaltungen.

Auch Aussteller bringen zusätzliche Nachfrage mit. Internationale Unternehmen schicken teilweise größere Teams nach Berlin, bauen Messestände auf, benötigen technische Dienstleister, Catering, Logistik, Sicherheit und Personal.

So entsteht eine komplette wirtschaftliche Kette rund um eine Messe.

Hotels gehören zu den großen Gewinnern der IFA

Besonders sichtbar wird dieser Effekt in der Berliner Hotellerie.

Eine internationale Messe mit rund 220.000 Besuchern erzeugt einen erheblichen zusätzlichen Übernachtungsbedarf. Zwar stammen längst nicht sämtliche Besucher von außerhalb Berlins und nicht jeder internationale Gast bleibt mehrere Nächte, dennoch sorgt die hohe Zahl an Fach- und Privatbesuchern für zusätzliche Nachfrage.

Gerade internationale Fachbesucher reisen häufig nicht nur für einen Messetag an.

Presseveranstaltungen und Produktvorstellungen beginnen teilweise bereits vor der offiziellen Öffnung. Unternehmen organisieren zudem Meetings, Abendveranstaltungen und Geschäftstermine rund um die eigentliche Messe.

Dadurch profitieren Hotels nicht nur unmittelbar während der offiziellen IFA-Tage.

Wie wichtig Veranstaltungen für den Berliner Tourismus sind, zeigt auch die aktuelle Entwicklung: Im ersten Halbjahr 2026 registrierte Berlin 5,9 Millionen Gäste und 13,6 Millionen Übernachtungen. visitBerlin nennt die IFA und die InnoTrans ausdrücklich als Veranstaltungen, von denen im zweiten Halbjahr starke Reiseimpulse erwartet werden.

Auch Restaurants, Bars und Einzelhandel verdienen mit

Wer nach einem langen Messetag die Hallen verlässt, verschwindet wirtschaftlich betrachtet nicht aus Berlin.

Ganz im Gegenteil.

Geschäftsessen finden in Restaurants statt, internationale Gäste besuchen Bars und Cafés, andere verbinden ihren Messeaufenthalt mit Shopping oder Sightseeing.

Deshalb ist eine Großveranstaltung wie die IFA auch für Betriebe wichtig, die auf den ersten Blick überhaupt nichts mit Unterhaltungselektronik zu tun haben.

Vom Restaurant in Charlottenburg über ein Hotel am Alexanderplatz bis zum Taxiunternehmen oder Einzelhändler kann zusätzliche Nachfrage entstehen.

Genau dieser Multiplikatoreffekt macht große Messen für eine Stadt wirtschaftlich interessant.

Die Messewirtschaft sichert Arbeitsplätze

Hinzu kommt der Beschäftigungseffekt.

Eine Messe dieser Größenordnung benötigt enorme personelle und logistische Ressourcen. Messestände müssen konzipiert, transportiert und aufgebaut werden. Technik muss installiert werden. Sicherheitskräfte, Reinigungskräfte, Servicepersonal, Caterer, Hostessen und Hosts sowie Veranstaltungstechniker werden benötigt.

Dazu kommen Beschäftigte in Hotels, Gastronomie, Transport, Einzelhandel und weiteren Dienstleistungsbereichen.

Eine ältere IBB-Berechnung zur gesamten Berliner Messe- und Kongresswirtschaft bezifferte den dadurch ausgelösten zusätzlichen Beitrag zum Berliner Bruttoinlandsprodukt auf rund 1,6 Milliarden Euro und sprach von rund 6.300 geschaffenen beziehungsweise gesicherten Arbeitsplätzen. Diese Zahlen beziehen sich ausdrücklich nicht allein auf die IFA, zeigen aber die volkswirtschaftliche Größenordnung des Berliner Messegeschäfts.

Auch der aktuelle Wirtschafts- und Innovationsbericht des Landes Berlin verweist weiterhin auf eine Kaufkraftwirkung der Messe- und Kongressbranche in einer Größenordnung von rund 1,6 Milliarden Euro jährlich auf Basis der entsprechenden Referenzberechnungen.

Die IFA bringt internationale Unternehmen nach Berlin

Mindestens genauso wichtig wie der unmittelbare Konsum ist der geschäftliche Effekt.

2025 kamen mehr als 1.900 Aussteller aus 49 Ländern nach Berlin.

Hinter dieser Zahl stehen Unternehmen, Führungskräfte, Vertriebsteams, Entwickler, Händler und Geschäftspartner.

Während der IFA werden neue Produkte vorgestellt, Verträge vorbereitet, Vertriebspartnerschaften besprochen und internationale Kontakte geknüpft.

Berlin wird damit für mehrere Tage zum Zentrum eines globalen Wirtschaftszweiges.

Das ist ein Wert, der sich nur schwer vollständig in Euro ausdrücken lässt.

Denn aus einem Gespräch auf einem Messestand kann später eine Geschäftsbeziehung entstehen. Start-ups treffen potenzielle Investoren oder Partner. Händler sehen Produkte, bevor diese auf den Markt kommen. Hersteller erhalten direkten Kontakt zu Medien und Kunden.

Die Messe erzeugt damit nicht nur Konsum, sondern auch Business-to-Business-Geschäft und Netzwerke.

Berlin wird weltweit zur Bühne für Technologie

Hinzu kommt ein weiterer Faktor: internationale Sichtbarkeit.

Während der IFA berichten Medien aus zahlreichen Ländern über Produktvorstellungen und Trends aus Berlin.

2025 verzeichnete die Messe nach eigenen Angaben Besucher aus 140 Ländern. Gleichzeitig wurden mehr als 1.200 Influencer und Content Creator gezählt – über 50 Prozent mehr als zuvor.

Wenn Samsung, LG, Bosch, Siemens, Philips und zahlreiche weitere internationale Marken ihre Innovationen in Berlin präsentieren, erscheint der Name der Hauptstadt weltweit in Berichten, Videos, Social-Media-Beiträgen und Livestreams.

Für das Standortmarketing ist diese Aufmerksamkeit enorm wertvoll.

Berlin wird dadurch nicht nur mit Politik, Kultur, Clubs und Tourismus verbunden, sondern auch mit Innovation, Technologie und Zukunftsthemen.

Ein wichtiger Effekt für Berlins Tech-Standort

Dieser Imagefaktor passt zur wirtschaftlichen Entwicklung der Hauptstadt.

Berlin besitzt eine große Start-up-Szene sowie zahlreiche Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Laut visitBerlin umfasst das Berliner Umfeld fast 30 Hochschulen und mehr als 80 Forschungseinrichtungen.

Eine internationale Technologiemesse ergänzt dieses Ökosystem.

Start-ups können etablierte Unternehmen treffen. Entwickler begegnen Investoren. Forschung trifft Industrie. Unternehmen können neue Technologien direkt einem internationalen Publikum präsentieren.

Gerade Themen wie künstliche Intelligenz, Smart Home, Robotik, digitale Gesundheit, Gaming und vernetzte Haushaltsgeräte sorgen dafür, dass die IFA inzwischen weit über die klassische Unterhaltungselektronik hinausgeht.

Für Berlin ist das strategisch interessant: Die Stadt kann sich während der Messe als Standort präsentieren, an dem Technologie nicht nur gezeigt, sondern entwickelt, finanziert und vermarktet wird.

Mehr als 100 Jahre gemeinsame Geschichte

Die Verbindung zwischen Berlin und der IFA ist zudem historisch außergewöhnlich.

Die Messe wurde 1924 in Berlin gegründet. Damit verbindet die IFA inzwischen mehr als ein Jahrhundert Geschichte mit der Hauptstadt.

Das macht sie zu einer Berliner Institution.

Nur wenige internationale Technologiemessen können auf eine vergleichbare Tradition zurückblicken. Gleichzeitig musste sich die IFA immer wieder neu erfinden – vom Radio über Fernsehen und Heimcomputer bis zu Smartphones, Smart Home und künstlicher Intelligenz.

Genau diese Verbindung aus Tradition und Zukunft passt zu Berlin.

IFA bleibt mindestens bis 2034 in Berlin

Wie wichtig die Messe für den Standort ist, zeigt eine wegweisende Entscheidung aus dem vergangenen Jahr.

Im September 2025 wurde der Vertrag für den Verbleib der IFA in Berlin vorzeitig bis mindestens 2034 verlängert. Beteiligt waren unter anderem IFA Management, GFU, Clarion Events, Messe Berlin und das Land Berlin.

Damit erhält der Standort langfristige Planungssicherheit.

Für Berlin bedeutet das: Auch in den kommenden Jahren werden voraussichtlich Hunderttausende Technikfans, Fachbesucher, Unternehmen und Medienvertreter wegen der IFA in die Hauptstadt kommen.

Für Hotels, Gastronomie, Handel, Mobilitätsanbieter und Dienstleister ist diese Planungssicherheit ebenfalls relevant.

Messe Berlin selbst ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor

Die Bedeutung der IFA muss zudem im Zusammenhang mit dem gesamten Berliner Messegeschäft betrachtet werden.

Die Messe Berlin erzielte 2025 einen Konzernumsatz von 376 Millionen Euro und organisierte insgesamt 124 Messen, Kongresse und Veranstaltungen. Rund 1,9 Millionen Menschen besuchten diese Events, rund 28.800 Unternehmen waren als Aussteller beteiligt.

In den kommenden Jahren will die Messe Berlin rund 250 Millionen Euro in den Standort und die Modernisierung investieren.

Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey bezeichnete die Messe Berlin in diesem Zusammenhang als wichtigen Wachstumstreiber für die Berliner Wirtschaft und verwies ausdrücklich auf die positiven Effekte für Hotellerie, Einzelhandel, Gastronomie und Transport.

Die IFA ist innerhalb dieses Systems eine der international bekanntesten Marken.

Berlin und die IFA profitieren voneinander

Die Beziehung funktioniert dabei in beide Richtungen.

Die IFA profitiert von Berlin als international bekannter Metropole mit umfangreicher Hotelinfrastruktur, öffentlichem Nahverkehr, Gastronomie, Kulturangebot und einem großen Technologie- und Start-up-Ökosystem.

Berlin wiederum profitiert davon, dass eine der weltweit bekanntesten Veranstaltungen für Home- und Consumer-Tech jedes Jahr die internationale Technologiebranche in die Hauptstadt holt.

Die IFA füllt Hotels und Restaurants, schafft Aufträge für Dienstleister, bringt zusätzliche Kaufkraft in die Stadt und sorgt gleichzeitig für weltweite mediale Aufmerksamkeit.

Genau diese Kombination macht die Veranstaltung für Berlin so wertvoll.

Denn wirtschaftliche Bedeutung entsteht nicht nur dort, wo Eintrittskarten verkauft und Messestände vermietet werden. Sie entsteht auch im Hotelzimmer, beim Abendessen, im Taxi, beim Standbauer, im Einzelhandel und bei den Geschäftsbeziehungen, die während dieser Tage angebahnt werden.

Die IFA ist deshalb nicht einfach eine Messe, die zufällig in Berlin stattfindet.

Sie ist ein Stück Berliner Wirtschaftsgeschichte – und gleichzeitig eine Investition in die internationale Wahrnehmung Berlins als Wirtschafts-, Messe- und Technologiestandort.

TS