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Ifo-Institut senkt Wachstumsprognose auf 0,2 Prozent

Die Experten sind sich einig: Die deutsche Wirtschaft wird in diesem Jahr nur minimal wachsen. Privater Konsum und Exporte ziehen zunächst kaum an. In der zweiten Jahreshälfte soll es besser werden.

Konsum-Zurückhaltung, hohe Zinsen und Preissteigerungen tragen laut Ifo-Institut zur schwachen Konjunktur in Deutschland bei.
Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Das Ifo-Institut hat seine Wachstumsprognose für dieses Jahr erneut gesenkt. Nach dem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im vergangenen Jahr erwarten die Münchner Wirtschaftsforscher im laufenden Jahr nur 0,2 Prozent Wirtschaftswachstum. Im Dezember hatten sie noch mit 0,9 Prozent gerechnet, im Januar mit 0,7 Prozent.

«Die Konsum-Zurückhaltung, die hohen Zinsen und Preissteigerungen, die Sparbeschlüsse der Regierung und die schwache Weltkonjunktur dämpfen derzeit die Konjunktur in Deutschland und führen erneut zu einer Winterrezession», sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.

Die Wirtschaftsleistung wird sich zur Jahresmitte jedoch beschleunigen, da die Zinsen sinken, die Inflation geringer wird und die Kaufkraft der Verbraucher steigt. Das Ifo-Institut hat seine Wachstumsprognose für das kommende Jahr um 0,2 Punkte auf 1,5 Prozent erhöht.

Auch IfW pessimistischer

Die Experten des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW) gehen davon aus, dass sich Deutschlands Weg aus dem Konjunkturtief verlängert. Gemäß der neuesten Prognose wird sich erst nach dem Frühjahr eine Erholung abzeichnen. Im Winterhalbjahr wird die Wirtschaftsleistung voraussichtlich weiter schrumpfen und im Gesamtjahr 2024 nur um 0,1 Prozent steigen, was kaum mehr als eine Stagnation bedeutet. Das IfW Kiel hat seine Erwartungen aus der Winterprognose deutlich um 0,8 Prozentpunkte nach unten korrigiert.

Gründe: Der private Konsum und die Exporte erholen sich später beziehungsweise weniger dynamisch, während die Investitionen äußerst schwach sind. Das IfW Kiel belässt seine Prognose für 2025 unverändert und erwartet ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,2 Prozent. Die Inflationsrate wird voraussichtlich unter 2 Prozent liegen, das Finanzierungsdefizit des Staates wird voraussichtlich unter 0,8 Prozent zurückgehen.

Der Jahreswirtschaftsbericht für 2024 wurde kürzlich von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) vorgestellt. Die Bundesregierung erwartet in diesem Jahr ebenfalls nur noch ein Mini-Wachstum von 0,2 Prozent.

Ifo erwartet Rekordbeschäftigung

Laut dem Ifo-Institut werden die Preise in diesem Jahr voraussichtlich um 2,3 Prozent steigen, im nächsten Jahr sogar nur noch um 1,6 Prozent, nach 5,9 Prozent im vergangenen Jahr. Die Wirtschaftsforscher erwarten überwiegend gute Nachrichten auch vom Arbeitsmarkt. Trotz der Flaute wird die Zahl der Beschäftigten von 45,9 auf 46,1 Millionen steigen und im kommenden Jahr die Rekordzahl von 46,2 Millionen erreichen. Allerdings wird die Zahl der Arbeitslosen in diesem Jahr von 2,6 auf 2,7 Millionen steigen; die Arbeitslosenquote wird von 5,7 auf 5,9 Prozent steigen. Im kommenden Jahr soll die Arbeitslosenzahl jedoch unter 2,6 Millionen sinken.

Die deutschen Exporte sollen im Jahr 2024 um 1,5 Prozent zurückgehen, jedoch im kommenden Jahr um 3,4 Prozent wachsen. Das Staatsdefizit wird laut Ifo-Prognose von 87,4 auf 76 Milliarden Euro in diesem Jahr und auf 44,6 Milliarden Euro im nächsten Jahr sinken.

dpa