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Inflation frisst Plus beim Einkommen

Die durchschnittlichen Einkommen sind in Deutschland zuletzt deutlich gestiegen. Die Preise allerdings noch schneller, wie aus Daten des Statistischen Bundesamts hervorgeht.

Die Teuerung lag von 2021 bis 2023 bei insgesamt 13,2 Prozent.
Foto: Patrick Pleul/dpa

Die Inflation hat die jüngste Steigerung der Einkommen in Deutschland aufgefressen. Zwar wuchs das mittlere Einkommen nach Angaben des Statistischen Bundesamts von 2022 auf 2023 um 5,1 Prozent – die Teuerungsrate lag aber bei 5,9 Prozent. Die Daten hat das Bündnis Sahra Wagenknecht bei der Behörde abgefragt. Vergleicht man die Jahre 2021 und 2023, ist die Lücke noch größer. «Die Deutschen sind deutlich ärmer geworden», schließt die BSW-Vorsitzende Sahra Wagenknecht aus den Zahlen.

Die Inflation beschleunigte sich nach dem russischen Angriff auf die Ukraine Anfang 2022, da Energie und infolgedessen auch Produktion und importierte Waren deutlich teurer wurden. Die Europäische Union hatte die Ölimporte aus Russland reduziert und zusätzliche Sanktionen verhängt. Moskau stoppte den Gasexport nach Deutschland über die Nord-Stream-Pipelines, bevor die Leitungen bei einem Anschlag zerstört wurden.

Unterm Strich ein Minus 

Gewerkschaften versuchten, die Preissprünge mit hohen Tarifabschlüssen auszugleichen, und auch die Renten wurden deutlich erhöht. Unterm Strich bleibt jedoch in den Haushaltskassen im Durchschnitt ein Minus. Besonders deutlich wird dies, wenn man sich die Zahlen vor der Ukraine-Krise ansieht: Die Inflation betrug von 2021 bis 2023 insgesamt 13,2 Prozent. Die verfügbaren mittleren Einkommen stiegen in derselben Zeit nur um gut 5,8 Prozent von 33.558 auf 35.510 Euro.

Das «mittlere Einkommen» – in der Regel Medianeinkommen genannt – ist eine statistische Größe, die sehr hohe und sehr niedrige Einkommen weniger stark gewichtet als das «Durchschnittseinkommen». Die Tendenz ist aber bei beiden Rechengrößen ähnlich: Das Durchschnitts-Nettoeinkommen je Haushalt legte von 2021 bis 2023 von bundesweit 41 887 Euro auf 43 795 Euro zu. Gemeint sind nicht nur Löhne, sondern auch andere Einkommensarten wie Mieteinnahmen oder Transferleistungen.

Wagenknecht lastet die Entwicklung der Regierung an. «Sieben Prozent weniger Kaufkraft seit 2021 für die Mittelschicht sind ein historischer Wohlstandsverlust, für den die Ampel hauptverantwortlich ist», kommentierte die Parteigründerin. «Die Ampel war und ist Inflationstreiber und Einkommensbremse zugleich.» Sie kritisierte erneut die Wirtschaftssanktionen gegen Russland sowie eine aus ihrer Sicht «ideologiegetriebene Energiepolitik mit Sonderabgaben». Bei Renten und Mindestlohn habe die Regierung die Inflation nicht annähernd ausgeglichen.

Der Mindestlohn erhöhte sich zu Beginn des Jahres um 41 Cent auf 12,41 Euro, im nächsten Jahr kommen weitere 41 Cent hinzu. Die Renten steigen im Juli um 4,57 Prozent. Vor einem Jahr stiegen sie im Westen um 4,39 Prozent und im Osten um 5,86 Prozent.

dpa