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Chipkonzern Intel stoppt Werkbau in Magdeburg

Verzögerung um 2 Jahre. Sparprogramm eingeleitet. Milliardenverluste. Abbau von 15.000 Arbeitsplätzen. Investitionen in USA und Cloud-Chips.

Intel kämpft mit Verlusten. (Archivbild)
Foto: Andrej Sokolow/dpa

Der angeschlagene Chipkonzern Intel setzt den Bau eines Werks in Magdeburg vorübergehend aus. „Das Projekt wird voraussichtlich um zwei Jahre verzögert“, sagte Firmenchef Pat Gelsinger. Intel kämpft mit Verlusten und hat ein Sparprogramm gestartet.

3000 Arbeitsplätze in Magdeburg geplant

Intel hatte in Sachsen-Anhalt den Bau von zunächst zwei Chip-Fabriken angekündigt. Der erste Spatenstich war für dieses Jahr geplant. Dabei sollten etwa 3000 Arbeitsplätze entstehen. Die Investition wurde auf etwa 30 Milliarden Euro geschätzt. Die Bundesregierung hatte im vergangenen Jahr staatliche Hilfen von 9,9 Milliarden Euro für die Ansiedlung in Aussicht gestellt.

Vor kurzem hatte Gelsinger erklärt, dass in Magdeburg die modernsten Produktionsverfahren eingesetzt werden sollten, um mit Intel’s erfolgreicher Konkurrenz aufzuschließen. Der Produktionsstart war für 2027 oder 2028 geplant.

Massives Sparprogramm

Intel ist in Schwierigkeiten. Im letzten Quartal verzeichnete das Unternehmen einen Milliardenverlust, und Analysten prognostizieren weitere Verluste. CEO Pat Gelsinger reagiert darauf und kündigte Anfang August an, etwa 15.000 Arbeitsplätze abzubauen. Das entspricht ungefähr 15 Prozent der Belegschaft. Insgesamt plant er, bis zum nächsten Jahr mehr als zehn Milliarden Dollar einzusparen.

Die Pläne in Polen werden ebenfalls vorübergehend gestoppt. Gleichzeitig bestätigte Intel Investitionen in neue Fabriken in den USA und arbeitet an der Entwicklung neuer Chips mit der Cloud-Sparte von Amazon.

Vor einigen Wochen wurde bereits eine erste Baugenehmigung für die Fabriken in Magdeburg erteilt. Zuvor hatte eine mehrmonatige Prüfung eines rund 2000-seitigen Bauantrages und eines Anhörungsverfahrens von Verbänden und Kommunen stattgefunden.

Die Zustimmung der EU-Kommission war noch erforderlich, um die Förderung der Bundesregierung zu genehmigen. Vertreter der Landesregierung von Sachsen-Anhalt waren zuversichtlich, dass die staatlichen Hilfen bis Ende des Jahres von der EU freigegeben und anschließend mit dem Bau begonnen werden würde.

Intel dominierte einst die Branche

Gemäß Gelsingers Strategie soll Intel vermehrt als Auftragsfertiger für andere Chip-Entwickler agieren. Dabei ist es das Ziel des Unternehmens, modernste Produktionsverfahren zu beherrschen, um im Wettbewerb mit etablierten Herstellern wie TSMC aus Taiwan bestehen zu können. Ein Bestandteil dieser Pläne war der Bau des Werks in Magdeburg.

Intel war früher führend in der Chipbranche, aber dann fiel es zurück. Ein entscheidender Moment war der verlorene Kampf um den Platz in Smartphones. Intel hoffte, die Stärke im PC-Geschäft auf die Mobilgeräte zu übertragen – doch bei den Computer-Handys setzten sich sparsamere Prozessoren durch. Smartphone-Chips stammen daher nicht von Intel, sondern von Wettbewerbern wie Qualcomm oder TSMC.

dpa