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IW-Studie: Milliarden-Schub für deutsche Industrie durch KI

Klassische Industriejobs werden sich durch Künstliche Intelligenz kaum ändern. Akademiker und Büroangestellte im verarbeitenden Gewerbe dagegen könnten sich häufig von KI helfen lassen, so eine Studie.

Mit generativer KI können neue, originelle Inhalte geschaffen werden.
Foto: Peter Steffen/dpa

Laut einer Studie des Forschungsinstituts IW Consult im Auftrag von Google könnte der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) der deutschen Industrie einen Schub in Milliardenhöhe verleihen. Die Bruttowertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe könnte durch generative KI um bis zu 7,8 Prozent erhöht werden, was einer Gesamtsteigerung von 56 Milliarden Euro entspricht. Die Bruttowertschöpfung bezeichnet den Gesamtwert der Waren und Dienstleistungen abzüglich der Vorleistungen, also den im Produktionsprozess geschaffenen Mehrwert.

Generative KI ist eine Form der Künstlichen Intelligenz, mit der es möglich ist, neue und originelle Inhalte zu erstellen («generieren»). Durch den Einsatz von Algorithmen und sogenannten Sprachmodellen können Inhalte wie Texte, Bilder und Videos, sowie Musik oder Programmcode generiert werden. Die Vorgaben für das KI-System müssen nicht programmiert, sondern können in natürlicher Sprache übermittelt werden. Ein wichtiger Meilenstein für generative KI war die Veröffentlichung des Chatbots ChatGPT durch das Start-up OpenAI im November 2022. Google bietet unter anderem mit Gemini ein eigenes Dialogsystem für generative KI an, das mit ChatGPT konkurriert.

Vor allem Jobs von Akademikern und Büroangestellten betroffen

Laut einer Studie der Tochtergesellschaft des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln müssen vor allem Akademiker und Büroangestellte sich auf erhebliche Veränderungen ihrer Arbeit durch KI einstellen. Im verarbeitenden Gewerbe betrifft dies etwa 0,6 Millionen Beschäftigte, bei denen eine starke Auswirkung von KI auf die Arbeit erwartet wird. Bei weiteren 4,1 Millionen Beschäftigten kann generative KI die eigene Arbeit unterstützen, beispielsweise bei der Optimierung von Programmcodes oder als Ideengeber beim Produktdesign.

Bei klassischen Industriejobs wie Reparatur- oder Wartungsarbeiten wird KI laut der Studie deutlich seltener eingesetzt. Etwa 3,3 Millionen Stellen im verarbeitenden Gewerbe sind nicht oder nur schwer durch KI automatisierbar, was etwa 41 Prozent aller Arbeitsplätze entspricht.

Produktivität blieb zuletzt teilweise fast unverändert

Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, Michael Hüther, erklärte, seit 2018 sei die reale Arbeitsproduktivität im Maschinenbau und anderen Bereichen des verarbeitenden Gewerbes mit lediglich 0,4 Prozent Plus pro Jahr nahezu konstant geblieben. «Durch generative künstliche Intelligenz könnte die Branche eine beachtliche KI-Dividende erzielen und damit ihre Produktivitätsvorteile auf den Weltmärkten sichern.» Es sei erfreulich, dass viele Unternehmen diese Chance schon erkannt hätten.

Laut der IW-Studie verwenden mehr als die Hälfte der Industriebetriebe in Deutschland bereits KI. Dies bedeutet, dass die Branche deutlich über dem Durchschnitt der deutschen Wirtschaft (17 Prozent) liegt. In der verarbeitenden Industrie wird Künstliche Intelligenz eingesetzt, um interne Systeme zu automatisieren (42 Prozent), Dokumente zu verfassen (31 Prozent) und Daten zu analysieren (24 Prozent).

Das verarbeitende Gewerbe ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige in Deutschland. Gemäß IW beläuft sich die Wertschöpfung in diesem Sektor auf 781 Milliarden Euro und es gibt fast acht Millionen Beschäftigte. Im Vergleich zu anderen Industrieländern ist der Anteil des verarbeitenden Gewerbes an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung in Deutschland mit über 20 Prozent deutlich höher und fast doppelt so hoch wie in Großbritannien oder den USA. Die potenzielle Wertschöpfung für die gesamte Wirtschaft durch KI wird auf 330 Milliarden Euro geschätzt.

dpa