Die Inflationsrate in Deutschland stieg im November auf 2,2 Prozent, Experten erwarten auch 2025 Werte über zwei Prozent. Ein potenzieller Handelskonflikt mit den USA könnte die Teuerung weiter anheizen.
Inflationsrate steigt im Herbst wieder an,Was bringt das Jahr 2025 für die Verbraucherpreise?

Die hohe Inflationswelle ist vorbei, aber im Herbst stieg die Inflationsrate wieder an. Heute (14.00 Uhr) veröffentlicht das Statistische Bundesamt erste Daten für den Dezember. Wie entwickeln sich die Verbraucherpreise im Jahr 2025 weiter?
Wie hat sich die Teuerung in Deutschland zuletzt entwickelt?
Im Oktober stieg die jährliche Inflationsrate nach zwei Monaten mit sinkenden Werten auf 2,0 Prozent. Der November brachte mit 2,2 Prozent dann erstmals seit Juli 2024 wieder einen Wert über der Zwei-Prozent-Marke. Trotzdem liegt die Teuerung in Europas größter Volkswirtschaft weit entfernt vom Höchststand im Herbst 2022 mit damals 8,8 Prozent.
Wie geht es weiter mit der Inflation?
Ökonomen gehen davon aus, dass die Teuerungsrate auch im Jahr 2025 zunächst über der Zwei-Prozent-Marke bleiben wird. Der Anstieg des CO2-Preises für Benzin, Heizöl und Gas sowie die Verteuerung des Deutschlandtickets werden voraussichtlich die Inflation vorantreiben. Auf Jahresbasis wird für Deutschland eine durchschnittliche Inflationsrate von etwas über zwei Prozent erwartet, ähnlich wie im Jahr 2024.
Welche Risiken gibt es?
Ein Handelskonflikt mit den USA könnte nach Einschätzung von Volkswirten die Teuerung anheizen. Der designierte US-Präsident Donald Trump hat hohe Zölle auf Einfuhren aus Europa angekündigt. Die Europäische Union könnte mit Gegenmaßnahmen reagieren. Besonders betroffen von einem solchen Handelskonflikt wäre voraussichtlich die Exportnation Deutschland. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hatte gewarnt: «Mit Zollerhöhungen machen wir Konsum teurer und fachen die Inflation an.»
Der Chefökonom der VP Bank, Thomas Gitzel, sieht als Risiko für die Inflationsentwicklung im laufenden Jahr zudem hohe Lohnforderungen, insbesondere in der Dienstleistungsbranche: «Der Wegfall der Inflationsausgleichsprämie soll jetzt durch ein entsprechend hohes Lohnwachstum ausgeglichen werden, so die Strategie der Gewerkschaften.»
Welche Zielmarke gilt bei der Inflationsrate und warum?
Die Europäische Zentralbank (EZB) betrachtet es als erreicht, ihr Hauptziel der Preisstabilität und somit einer stabilen Währung, wenn die Inflation im Euroraum mittelfristig bei 2,0 Prozent liegt.
Dieser Wert liegt weit genug von der Nullmarke entfernt. Denn dauerhaft niedrige Preise werden als Risiko für die Wirtschaft angesehen: Unternehmen und Verbraucher könnten Investitionen verschieben, in der Hoffnung, dass es bald noch günstiger wird. Und wenn die Preise zu stark steigen, ist das schädlich für die Wirtschaft: Verbraucher verlieren Kaufkraft, da sie sich für einen Euro immer weniger leisten können und daher ihr Geld lieber sparen.
Die Bundesbank erwartet, dass sich die Teuerungsrate in Deutschland allmählich in Richtung der Zielmarke von zwei Prozent bewegen wird. Teure Nahrungsmittel und Dienstleistungen verhindern jedoch einen schnelleren Rückgang. Die Bundesbank rechnet hierzulande für 2025 mit einer nach europäischer Methode (HVPI) berechneten Inflationsrate von 2,4 Prozent. «Ab dem Jahr 2026 erreicht die Inflationsrate in Deutschland aber allmählich wieder zwei Prozent», prognostizierte Bundesbank-Präsident Nagel Mitte Dezember.
Niedrigere Inflationsraten sind also gut für die Konjunktur?
Grundsätzlich ja. Wenn die täglichen Ausgaben der Menschen für Nahrungsmittel, Tanken und Heizen im Rahmen bleiben, haben Verbraucher mehr Geld für andere Anschaffungen. Das kann den Konsum ankurbeln und somit die Wirtschaft insgesamt antreiben.
Die deutsche Wirtschaft hat bisher kein Glück mit dieser Rechnung: Der private Konsum ist nicht der Treiber für den erwarteten Aufschwung, sondern die zunehmend angespannte Situation auf dem heimischen Arbeitsmarkt und die zahlreichen Konflikte weltweit bremsen. Nach zwei aufeinanderfolgenden Jahren mit negativem Wachstum erwarten Volkswirte für die deutsche Wirtschaft auch im Jahr 2025 nur ein Mini-Wachstum von 0,2 bis 0,4 Prozent.
Wie wird die Inflationsrate überhaupt berechnet?
Mitarbeiter der Statistischen Landesämter und des Bundesamtes in Wiesbaden notieren Monat für Monat bundesweit in Geschäften die Preise für Obst und Gemüse, Bücher und Zeitschriften, Schuhe und Möbel. Es wird erfasst, wie hoch die Miete ist und was der Sprit an der Tankstelle kostet. Tausende von Einzelpreisen für Waren und Dienstleistungen werden nach einem festgelegten Schema repräsentativ erfasst. Einige Preise werden auch online erhoben.
Die Preise für etwa 700 Güterarten werden zusammengefasst, um den sogenannten Warenkorb zu bilden. Basierend auf diesem wird die Inflationsentwicklung von den Statistikern berechnet. Aufgrund der unterschiedlichen Ausgaben der Verbraucher für beispielsweise Kleidung im Vergleich zur Miete werden die einzelnen Posten unterschiedlich gewichtet. Der Bereich Wohnen, der Mieten, Ausgaben für selbst genutztes Wohnen und Haushaltsenergie umfasst, hat das größte Gewicht.








