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KaDeWe-Gruppe meldet Insolvenz an

Sie gehören zu den besten Adressen der drei größten deutschen Städte: das KaDeWe, das Oberpollinger und das Alsterhaus. Nun haben die Betreiber Insolvenz angemeldet.

Das berühmte Kaufhaus des Westens in Berlin.
Foto: Fabian Sommer/dpa

Die KaDeWe-Gruppe, die die Luxus-Kaufhäuser KaDeWe (Berlin), Oberpollinger (München) und Alsterhaus (Hamburg) besitzt, hat Insolvenz angemeldet.

Der Betrieb der Häuser gehe aber weiter, teilte das Unternehmen der Deutschen Presse-Agentur mit. Beantragt wurde demnach ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Das Handelsunternehmen betonte, dass vor allem die Mieten an den drei Standorten das Geschäft belasten. Sie machten «ein nachhaltiges, ertragreiches Wirtschaften nahezu unmöglich», hieß es.

Die Insolvenz der Handelsfirma The KaDeWe Group GmbH erfolgt kurz nachdem das Signa-Firmengeflecht des österreichischen Investors René Benko in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist. Signa hat eine Beteiligung an der KaDeWe-Gruppe.

Die Central Group der thailändischen Familie Chirathivat besitzt 50,1 Prozent der KaDeWe Group, während die Signa Retail, zu der auch Galeria Karstadt Kaufhof gehört, 49,9 Prozent besitzt. Ende November kündigte die Signa Retail an, ihr Geschäft geordnet abzuwickeln. Vor drei Wochen beantragte Galeria Karstadt Kaufhof ein Insolvenzverfahren.

Indexmieten der Kaufhäuser «unverhältnismäßig hoch»

KaDeWe-Geschäftsführer Michael Peterseim hatte sich noch Ende November zuversichtlich gezeigt, dass die Gruppe nicht in den Sog der Signa-Krise geraten würde. «Operativ machen wir einen herausragenden Job. Alle Häuser verzeichnen auch in volkswirtschaftlich schwierigen Zeiten steigende Umsätze», sagte Peterseim nun laut Mitteilung. «Die Indexmieten jedoch sind unverhältnismäßig hoch, sie sind nicht marktüblich – und sollen weiter ansteigen.» Zahlreiche Gespräche mit dem Vermieter hätten daran nichts geändert.

René Benko ist der Vermieter der traditionsreichen Kaufhäuser in Berlin, Hamburg und München, die von der KaDeWe-Gruppe betrieben werden.

Gemäß der Mitteilung hat die KaDeWe-Gruppe im Geschäftsjahr 2022/2023 einen Umsatz von knapp 728 Millionen Euro erwirtschaftet. Dies entspricht einem Plus von fast 24 Prozent im Vergleich zum Vor-Corona-Geschäftsjahr 2018/2019. Laut eigenen Angaben beschäftigt die Gruppe ungefähr 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im KaDeWe in Berlin. Zusätzlich arbeiten etwa 200 Beschäftigte im Alsterhaus, etwa 300 Beschäftigte im Oberpollinger und weitere rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Berliner Unternehmenszentrale.

Berater: Luxus funktioniert weiter

Der Chef der Handelsberatung BBE, Johannes Berentzen, schätzt die Mietbelastung der KaDeWe-Gruppe je nach Standort auf 13 bis 20 Prozent des Umsatzes. «Für den Mehrheitseigner Central könnte sich eine Insolvenz lohnen, um aus den teuren Mietverträgen auszusteigen.» Berentzen betonte: «Ich bin mir sicher, dass es in allen drei Häusern weitergeht.» Luxus funktioniere trotz der Wirtschaftslage gut.

Die Türen des KaDeWe blieben am 28. Januar in Berlin zum verkaufsoffenen Sonntag jedoch anders als geplant geschlossen. Kunden erhielten keine Informationen über die Gründe.

Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsleitung im Amt, jedoch wird ihr ein externer Sachwalter zur Seite gestellt. Die bisherige Geschäftsführung behält somit einen Großteil der Kontrolle über das Unternehmen. Gleichzeitig ist das Unternehmen vor Vollstreckungen und Zwangsmaßnahmen von Gläubigern geschützt.

dpa