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Karsten Wildberger: Rückblick auf die Amtszeit als erster Digitalminister Deutschlands

Karsten Wildberger zieht eine erste Bilanz als Digitalminister und präsentiert Fortschritte bei der Digitalisierung der Verwaltung. Trotz eines hohen Budgets bleibt die Umsetzung in vielen Regionen hinter den Erwartungen zurück. Der Deutschland-Stack und die EUDI-Wallet sollen neue Impulse setzen…

Karsten Wildberger: Bilanz des ersten deutschen Digitalministers
Shutterstock / Zakharchuk

Karsten Wildberger hat sich ambitionierte Ziele gesetzt, um die Digitalisierung und Modernisierung des Staates in Deutschland voranzutreiben. Der Etat seines Ministeriums beträgt rund 4,5 Milliarden Euro, was eine solide finanzielle Basis für seine Vorhaben darstellt.

Fortschritte bei digitalen Behördengängen

Die Möglichkeit, Verwaltungsangelegenheiten wie die Abmeldung eines Autos oder die Beantragung von Elterngeld online zu erledigen, sollte seit 2022 in ganz Deutschland gegeben sein. Das Onlinezugangsgesetz von 2017 verpflichtet Bund, Länder und Kommunen dazu, alle Verwaltungsleistungen digital anzubieten. Dennoch ist in vielen Landkreisen ein erheblicher Teil der Onlinedienste nach wie vor nicht verfügbar.

Ein Grund dafür ist, dass in den Bundesländern Online-Systeme für Ämter oft unabhängig voneinander entwickelt wurden. So existieren bundesweit acht verschiedene Online-Bezahlsysteme für Verwaltungsdienstleistungen.

Der Deutschland-Stack als Lösung

Um diese Probleme zu beheben, plant Digitalminister Wildberger die Einführung des sogenannten Deutschland-Stacks. Diese einheitliche Digitalinfrastruktur für die Verwaltung soll als Baukasten mit IT-Lösungen dienen, aus dem sich Bund, Länder und Kommunen bedienen können. Ziel ist es, Verwaltungsprozesse schneller zu digitalisieren und Kosten zu senken.

Florian Theißing von der Berliner Denkfabrik Agora Digitale Transformation äußerte sich optimistisch über den Deutschland-Stack: „Das ist wirklich ein Ansatz, der mich hoffnungsvoll stimmt, dass wir mit der digitalen Verwaltung ein gutes Stück weiterkommen.“

Der Deutschland-Stack soll schrittweise bis 2028 implementiert werden.

EUDI-Wallet: Digitale Identität auf dem Smartphone

Ein weiteres bedeutendes Projekt ist die EUDI-Wallet, die als digitale Brieftasche fungieren soll. In dieser Smartphone-App können Bürger ihren Personalausweis, Führerschein oder Bibliotheksausweis digital speichern. Die Idee stammt von der EU-Kommission, und Wildberger betrachtet das Vorhaben als Prestigeprojekt, das in wenigen Monaten in einer ersten Ausbaustufe starten soll.

Florian Theißing bezeichnet die EUDI-Wallet als potenziellen „Gamechanger“ und erhofft sich ein „alltagstaugliches Instrument“ für zahlreiche Anwendungsfälle.

Allerdings gibt es auch kritische Stimmen. Marielle Findorff vom Bundesverband der Verbraucherzentralen äußerte Bedenken hinsichtlich der Altersverifikation, die ohne Preisgabe der Identität nicht möglich sei. Sie warnt vor einer möglichen Klarnamenpflicht für die Nutzung von Onlinediensten.

Modernisierung der digitalen Infrastruktur

Ein zentrales Anliegen von Wildberger ist die Modernisierung der digitalen Infrastruktur in Deutschland, insbesondere der Ausbau des Glasfasernetzes. Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland hinterher, da nur gut die Hälfte der Haushalte an das Netz angeschlossen ist.

Die Geschwindigkeit des Ausbaus hat sich jedoch zuletzt verbessert: Millionen Haushalte erhielten 2025 über Glasfaser oder moderne TV-Kabelnetze Gigabitanschlüsse. Das Ministerium unterstützt Kommunen mit erheblichen finanziellen Mitteln bei der Netzmodernisierung.

Wirtschaftsförderung und digitale Souveränität

Ein weiteres Hauptziel von Wildberger ist die Stärkung der deutschen Wirtschaft. Er betont, dass Wohlstand heute auch in „Fabriken aus Daten und Algorithmen“ entsteht. Daher sollen die Kapazitäten der Rechenzentren in Deutschland bis 2030 mindestens verdoppelt werden, um die digitale Souveränität zu erhöhen und die Abhängigkeit von US-Konzernen wie Microsoft und Google zu verringern.

Aktuell entsteht ein Cluster von Rechenzentren im Rheinischen Revier in Nordrhein-Westfalen, wobei der Bau von Microsoft geleitet wird. Dies verdeutlicht die anhaltende Abhängigkeit von US-Technologieanbietern, da zwei Drittel des weltweiten Cloud-Marktes von Microsoft, Amazon und Google kontrolliert werden.

Die Herausforderung der digitalen Souveränität

Die digitale Infrastruktur Europas ist stark von den USA und China abhängig, wobei EU-Länder 80 Prozent ihrer Technologien und Anwendungen importieren. Um diese Abhängigkeit zu verringern, fordert die EuroStack-Initiative Investitionen in Höhe von 300 Milliarden Euro.

Die Abhängigkeit von US-Software ist in der Verwaltung besonders ausgeprägt. Allein der Bund zahlte 2025 fast eine halbe Milliarde Euro an Lizenzgebühren für Produkte wie Windows und Office. Mit der zunehmenden Bedeutung von Künstlicher Intelligenz wächst zudem die Abhängigkeit von US-Firmen wie OpenAI und Nvidia.

Um die Abhängigkeit zu reduzieren, setzt Deutschland verstärkt auf Open-Source-Software. Einige Bundesländer, wie Schleswig-Holstein, haben bereits begonnen, Open-Source-Lösungen anstelle von Microsoft-Produkten zu implementieren.


Quellen: deutschlandfunk, Der Spiegel, Handelsblatt

Bildquelle: Shutterstock / Zakharchuk

Dieser Text wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in Zusammenarbeit mit unserer Redaktion erstellt.

TS