Russland stoppt ab Mai die Öllieferungen aus Kasachstan zur PCK-Raffinerie in Schwedt, was gravierende Auswirkungen auf die Treibstoffversorgung Berlins und Brandenburgs haben könnte. Die Landesregierung prüft alternative Versorgungswege, während die Lage als ernst eingeschätzt wird.
Kein Öl aus Kasachstan: Putin dreht Berlin den Zapfhahn zu

Berlin/Potsdam – Alarmstimmung in der Hauptstadt und in Brandenburg! Ab dem 1. Mai wird Russland kein Öl mehr aus Kasachstan durch seine Pipeline transportieren. Diese Leitung versorgt die PCK-Raffinerie in Schwedt (Uckermark), die für die Treibstoff- und Heizölversorgung in Nordostdeutschland verantwortlich ist.
Die Nachricht über den Lieferstopp sorgte am Montagabend für Besorgnis in den Regierungsgebäuden Berlins und Potsdams. Die Bundesregierung wurde darüber informiert, dass die PCK-Raffinerie, die Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Westpolen mit Sprit beliefert, direkt betroffen ist.
Aufgrund des russischen Angriffskriegs bezieht die PCK kein Öl mehr aus Russland, sondern aus Kasachstan. Allerdings verläuft die Pipeline durch russisches Territorium.
„Das ist eine ernste, ja dramatische Situation für die Raffinerie PCK und die Energieversorgung für große Teile Deutschlands“, äußerte sich Brandenburgs ehemaliger Finanzminister Christian Görke (63, Linke). „Die 2,6 Millionen Tonnen kasachisches Schweröl sind derzeit die Lebensader der Raffinerie und nur schwer zu ersetzen.“
Brandenburgs Wirtschafts- und Energieministerin Martina Klement (45, CSU) erklärte: „20 bis 25 Prozent des PCK-Rohöls kommen aus Kasachstan.“ Der verbleibende Teil wird über Pipelines aus Rostock und dem polnischen Danzig zur Raffinerie in Schwedt transportiert. Fehlt das Öl aus Kasachstan, könnte die PCK-Raffinerie nur mit 60 Prozent ihrer Kapazität betrieben werden, was für einen wirtschaftlichen Betrieb nicht ausreicht.
„Der Betreiber prüft derzeit, ob alternative Versorgungswege gefunden werden können“, so Ministerin Klement. „Ich stehe in ständigem Kontakt mit der PCK und der Bundesnetzagentur. Wir müssen jetzt klären, welche Auswirkungen dies auf die kommenden Tage und Wochen sowie auf die Versorgungssicherheit hat.“
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (64, SPD) plant, noch am Dienstag mit dem Bundeswirtschaftsministerium über den Lieferstopp zu sprechen. „Wir benötigen eine Ministerpräsidenten-Konferenz zur Energiekrise in Deutschland“, forderte Woidke. „Bund und Länder müssen gemeinsam ein klares Zeichen für Energiesicherheit setzen!“
Die Situation ist angespannt. Dennoch hofft die Brandenburger Regierung, dass der Lieferstopp nur vorübergehend ist. Woidke sagte: „Russland hat sich in Bezug auf die Durchleitung kasachischen Öls als zuverlässiger Partner erwiesen. Ich gehe davon aus, dass technische Probleme oder Reparaturarbeiten der Grund für die russische Ankündigung sind.“
Sollte der Lieferstopp jedoch dauerhaft bestehen bleiben, stünde die Raffinerie vor erheblichen Herausforderungen. Die alte Pipeline vom Rostocker Hafen kann nicht mehr Öl nach Schwedt transportieren. Eine Modernisierung der Leitung aus DDR-Zeiten wird von der EU-Kommission bislang abgelehnt, da Putins Ölkonzern Rosneft der Hauptanteilseigner der PCK-Raffinerie ist. Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) hatte den Betrieb erst kürzlich vor dem Aus durch US-Sanktionen bewahrt.
Eine mögliche Lösung könnte darin bestehen, mehr Öl über polnische Häfen zu beziehen. Ministerin Klement stellte fest: „Die Pipeline von Danzig nach Deutschland ist nicht vom russischen Durchleitungs-Stopp betroffen.“
Bildquelle: Dirk Ingo Franke via Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)








