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Kerosinversorgung in Europa: Drohende Engpässe und ihre Folgen für Reisende

Die Warnung der IEA vor einem Kerosinengpass in Europa innerhalb von sechs Wochen hat bereits Auswirkungen auf Airlines. Steigende Ticketpreise und reduzierte Flugverbindungen könnten Urlauber in der kommenden Saison vor Herausforderungen stellen.

Kerosin reicht
Oscar Chan auf Pexels

Die Situation auf dem europäischen Kerosinmarkt wird zunehmend kritisch. Fatih Birol, der Direktor der Internationalen Energieagentur (IEA), warnt, dass Europa möglicherweise nur noch für „vielleicht sechs Wochen“ über Flugzeugtreibstoff verfügt. Diese Entwicklung wirft für Reisende eine zentrale Frage auf: Welche Auswirkungen hat dies auf Flüge und Ticketpreise?

Erste Reaktionen der Airlines

Die Fluggesellschaften reagieren bereits auf die angespannte Lage:

  • Flugpläne werden reduziert.
  • Verbindungen werden zusammengelegt.
  • Die Ticketpreise steigen spürbar.

Zusätzlich prüfen große Airlines, ob sie ihre Kapazitäten verringern können. Das Szenario, das sich abzeichnet, ist ein Rückgang der Flüge bei gleichzeitig hoher Nachfrage.

Preiserhöhungen bei Flugbuchungen

Bei einer Einzelbuchung kommt ein Vertrag zustande, und der vereinbarte Preis ist in der Regel bindend. Eine nachträgliche Preiserhöhung ist normalerweise nicht zulässig. Es gibt jedoch Ausnahmen: „Airlines können den Preis für einen Flug nach der Buchung erhöhen, wenn sie sich dieses Recht vertraglich vorbehalten haben und solche Klauseln in den Allgemeinen Beförderungsbedingungen (ABB) der Fluggesellschaften zu finden sind“, erklärt ein Ratgeberportal.

„Gerichte haben allerdings entsprechende Klauseln in der Vergangenheit mehrfach kassiert, wenn sie nicht klar und transparent geregelt waren.“

Falls die ABB keine Preisanpassungsklausel enthalten und die Fluggesellschaft den Ticketpreis ohne Zustimmung der Passagiere erhöht hat, haben diese das Recht, vom Vertrag zurückzutreten und eine Rückerstattung sowie Schadensersatz für Mehrkosten zu verlangen. Verbraucher sollten sich schriftlich an die Fluggesellschaft wenden und ihren Widerspruch gegen die Preiserhöhung mitteilen.

Regelungen für Pauschalreisen

Für Reisende, die ein Gesamtpaket aus Flug und Unterkunft gebucht haben, gilt das Pauschalreiserecht. Steigen die Kosten für Kerosin, Flughafensteuern oder Tourismusabgaben, kann dies zu einer nachträglichen Erhöhung des Ticketpreises führen. Auch hier gilt: „Veranstalter und Airlines dürfen den Preis für eine Pauschalreise nur erhöhen, wenn sie sich dieses Recht vertraglich vorbehalten haben“, so die Verbraucherzentrale.

„Die Experten betonen, dass die Preisänderungsklauseln häufig unwirksam sind.“

Waren die Mehrkosten zur Zeit der Buchung vorhersehbar, kann die Zahlung verweigert werden.

Gründe für Preiserhöhungen

  • Steuern, Abgaben und Gebühren (z. B. Flughafengebühren)
  • Treibstoff- oder Energiekosten (wenn im Vertrag vorgesehen und Erhöhung nachvollziehbar begründet)
  • Wechselkurse

Die Preise dürfen jedoch maximal um acht Prozent und nur bis 20 Tage vor dem Abreisedatum erhöht werden. Steigt der Preis um mehr als acht Prozent, können Veranstalter den Kunden eine Frist setzen: Entweder akzeptieren sie den neuen Preis oder treten vom Vertrag zurück.

„Nach Ablauf der gesetzten Frist gilt das Angebot als angenommen.“

Das bedeutet, dass Reisende unbedingt innerhalb der Frist kündigen müssen, wenn sie die Preiserhöhung nicht akzeptieren möchten.

Rechte der Reisenden bei Preisaufschlägen

  • Frist abgelaufen → Nachforderung ablehnen
  • Aufpreis erzwungen → nur unter Vorbehalt zahlen
  • Plus 8 Prozent oder mehr → kostenlose Stornierung möglich

Wenn die maßgeblichen Kosten, wie beispielsweise die Kerosinpreise, hingegen gesenkt werden, haben Kunden das Recht auf eine Preissenkung.

Risiken von Flugausfällen

Wenn Airlines aufgrund knapper Ressourcen Flüge streichen oder zusammenlegen müssen, greifen EU-Regeln:

  • Passagiere haben Anspruch auf eine Ersatzbeförderung.
  • Oder auf vollständige Erstattung des Ticketpreises.

Ein Aufpreis für einen gleichwertigen Ersatzflug darf dabei nicht verlangt werden.

Ursachen der angespannten Lage

Ein erheblicher Teil des europäischen Kerosins wird über internationale Handelsrouten transportiert, die derzeit unter Druck stehen. Besonders kritisch ist die Situation rund um die Straße von Hormus, einer der wichtigsten Energierouten weltweit. Fällt dort ein signifikanter Teil der Lieferungen aus, entsteht ein strukturelles Problem: Europa erhält zwar weiterhin Treibstoff, jedoch in geringeren Mengen, zu höheren Preisen und unregelmäßiger.

Für Reisende bedeutet dies, dass es ungewiss bleibt, ob alle Flüge wie geplant stattfinden oder ob Airlines ihr Angebot weiter reduzieren. Die Branche sieht sich somit einer Situation gegenüber, die sie zuletzt während der Corona-Pandemie erlebt hat – jedoch mit einem anderen Auslöser. Damals fehlten die Passagiere, jetzt könnte es an Treibstoff mangeln.

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Bildquelle: Oscar Chan auf Pexels

Ronny Winkler