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Kleine Firmen stecken mehr Zeit und Geld in Weiterbildung

Mitarbeiter von Großunternehmen lassen sich 18 Stunden im Jahr weiterbilden. Bei kleineren Betrieben ist es laut einer Studie deutlich mehr – dabei fällt es diesen schwerer, Beschäftigte zu begeistern.

Große Unternehmen investieren pro Mitarbeiter weniger in die Weiterbildung als kleine Unternehmen, dabei können Großunternehmen eher von Kostenvorteilen profitieren.
Foto: Daniel Naupold/dpa

In kleinen Unternehmen in Deutschland wird Weiterbildung oft höher geschätzt als in mittelgroßen und großen Unternehmen. Dies ergibt sich aus einer Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa) des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft. Mitarbeiter in kleinen Betrieben absolvieren im Durchschnitt 23,9 Stunden pro Jahr Weiterbildung und damit länger als Mitarbeiter von mittelgroßen (19,1) und großen Unternehmen (18,1).

Für die Untersuchung wurden Personalverantwortliche aus über 950 Unternehmen befragt. Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern gelten als klein, solche mit 50 bis 249 als mittelgroß und solche mit 250 oder mehr als groß. Kleine Unternehmen investieren pro Mitarbeiter jährlich 1492 Euro in Weiterbildung, mittelgroße 1288 Euro und große 1267 Euro. Allerdings profitieren große Unternehmen oft von Kostenvorteilen, so die Autorin der Studie, Susanne Seyda. Aufgrund der höheren Anmeldezahlen können sie Weiterbildungsmaßnahmen häufig günstiger erwerben.

Der Sozialverband Deutschland sieht es kritisch, dass größere Firmen weniger Zeit und Geld in Weiterbildung stecken: «Es ist ein alarmierender Trend», sagte die Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier. Gerade vor dem Hintergrund, dass die Menschen immer länger arbeiten sollen, sei es wichtig, sie frühzeitig zu qualifizieren oder umzuschulen. So könnten sie gegebenenfalls von stark belastenden Tätigkeiten zu leichteren Tätigkeiten wechseln. Dies sei «die beste Prävention vor Arbeitslosigkeit», so Engelmeier.

Geringeres Interesse in kleinen Unternehmen

Die Bedeutung von Weiterbildung hat zuletzt stark zugenommen. Im Jahr 2016 investierten die Unternehmen laut Kofa 33,5 Milliarden Euro, um Beschäftigte weiterzubilden, 2022 waren es mehr als 46 Milliarden Euro. «In Zeiten des Fachkräftemangels wird es immer wichtiger, dass Mitarbeiter bereit sind, zusätzliche Kompetenzen aufzubauen», betonte Seyda. 

Laut Umfrage sind die größten Hindernisse für Weiterbildung fehlende Zeit und mangelnde interne Kapazitäten für Organisation und Planung. Zudem haben kleine und mittelgroße Betriebe Schwierigkeiten, Mitarbeiter für Weiterbildungsangebote zu begeistern. Gut die Hälfte klagt über mangelndes Interesse, während dies in großen Unternehmen weniger häufig vorkommt (36,4 Prozent). In kleineren Betrieben fehlt Mitarbeitern oft ein wichtiger Anreiz, da Weiterbildungen seltener mit beruflichem Aufstieg verbunden sind.

Expertin: Mitarbeitergespräche sinnvoll

Die Einschätzung der Notwendigkeit von Weiterbildungen variiert in Unternehmen. Fast die Hälfte der kleinen oder mittelgroßen Betriebe sieht keinen Bedarf, während dies bei größeren Unternehmen deutlich seltener der Fall ist. Kleinere Unternehmen gehen das Thema Weiterbildung oft weniger strukturiert an, da es häufig kein Personal oder spezielle Abteilungen gibt, um Angebote zu planen und zu organisieren.

«Das kann negative Auswirkungen haben, weil vorhandener Weiterbildungsbedarf dann möglicherweise nicht gesehen wird, Mitarbeitende schwerer zu motivieren sind oder Angebote schwerer zu finden sind, wenn nicht klar ist, welchem Zweck die Weiterbildung dienen soll», sagte Kofa-Expertin Seyda.

Sie schlägt vor, regelmäßige Mitarbeitergespräche zu führen, um das Interesse zu wecken und die Begeisterung im Team zu steigern. In diesen Gesprächen könnten Entwicklungspläne erstellt und Ziele vereinbart werden. Dies hilft dabei, den Nutzen von Weiterbildungsmaßnahmen deutlich zu machen und eine entsprechende Kultur zu festigen.

dpa