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Autozulieferer und Hersteller in Deutschland: Studie zeigt wachsende Kluft

Trotz Rekordumsatzes vergrößerte sich die Schere zwischen Autozulieferern und Herstellern. Wachstum bei Herstellern übertrifft Zulieferer, Beschäftigungssituation bleibt kritisch.

Die Beschäftigungssituation am Autostandort Deutschland hat sich laut einer Studie 2023 kaum verbessert.
Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Trotz eines Rekordumsatzes hat sich laut einer neuen Studie die Kluft zwischen Autozulieferern und Herstellern in Deutschland weiter vergrößert. Dank überwundener Produktionsengpässe erhöhte die Branche ihre Umsätze im vergangenen Jahr um 10 Prozent auf 558 Milliarden Euro – ein Rekordwert. Dies geht aus einer aktuellen Analyse der Beratungs- und Prüfungsgesellschaft EY hervor.

Die Autohersteller schnitten demzufolge mit einem Wachstum von elf Prozent allerdings erneut besser ab als die Zulieferer, die ein Umsatzplus von neun Prozent verzeichneten. Vor allem der Zehn-Jahres-Vergleich zeige die Kluft zwischen den beiden Gruppen: «Seit 2014 stieg der Umsatz der Zulieferer in Deutschland um 25 Prozent, während die Hersteller mehr als doppelt so stark – um 59 Prozent – zulegten», hieß es in der Studie.

EY-Experte: Zulieferer mit dem Rücken zur Wand

EY-Marktexperte Constantin Gall teilte mit: «Auf den ersten Blick war das vergangene Jahr nicht schlecht für die deutsche Autoindustrie». Die Rekordumsätze seien jedoch auch ein Ergebnis der hohen Inflation und stark gestiegener Einkaufs- und Materialpreise. Unter dem Strich sorgten hohe Energie- und gestiegene Lohnkosten bei vielen Unternehmen für eine rückläufige Marge. «Das gilt vor allem für die Zulieferer, für die die Luft immer dünner wird.»

Viele von ihnen sieht Gall mit dem Rücken zur Wand: «Wer als Zulieferer zukunftsfähig sein möchte, muss massiv in neue Technologien und investieren», sagte er. Der Hochlauf der Elektromobilität komme aber nicht in Fahrt, die erwarteten und benötigten Stückzahlen würden bei weitem nicht erreicht. Das koste die Branche aktuell sehr viel Geld und sorge für Unsicherheit. Gall rechnete daher mit einer weiteren Konsolidierung unter Zulieferern. 

Kluft auch bei Beschäftigung

Die Beschäftigungssituation am Autostandort Deutschland hat sich laut Angaben im Jahr 2023 jedoch kaum verbessert. Der Negativtrend der vorherigen Jahre wurde zwar gestoppt, die Mitarbeiterzahl in der Branche stieg um 0,7 Prozent auf etwa 780.000. Die Beschäftigung lag jedoch weiterhin deutlich unter dem Höchststand von 834.000 aus dem Jahr 2018.

Die Diskrepanz zwischen Herstellern und Zulieferern zeigt sich auch hier: Bei den Zulieferern sank die Beschäftigung im Jahr 2023 erneut um 0,2 Prozent. Die Hersteller verzeichneten hingegen ein Plus von 1,2 Prozent. In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Mitarbeiter bei Zulieferern in Deutschland um 7,5 Prozent gesunken, während sie bei den Herstellern um 4,3 Prozent gestiegen ist.

Prognose: Abbau von Stellen im laufenden Jahr

Angesichts vieler Unsicherheiten rechnet Gall mit einem Beschäftigungsabbau im laufenden Jahr. «Zuletzt ist die Beschäftigung leicht gestiegen, was vor allem auf Aufbau an Software-Kompetenzen zurückzuführen ist», teilte er mit. Der langfristige Trend zeige aber klar nach unten: «Die meisten großen Branchenunternehmen setzen auf Kostensenkungsprogramme». Zudem werde Künstliche Intelligenz dafür sorgen, dass es in indirekten Bereichen wie IT, Personal, Marketing sowie Finanz- und Rechnungswesen weniger Jobs geben werde.  

«Zunehmend setzen die Unternehmen daher auf Einstellungsstopps und den Abbau von Managementebenen», sagte Gall. Unausweichlich zu einer niedrigeren Beschäftigung am Standort Deutschland führen werde der Hochlauf der E-Mobilität. Das liege daran, dass die Herstellung von E-Fahrzeugen weniger personalintensiv sei als die von Verbrennern. 

EY hat die Zahlen des Statistischen Bundesamtes und der Bundesagentur für Arbeit analysiert, um die Entwicklung von Beschäftigung und Umsatz zu untersuchen. Die Betriebe in Deutschland mit mindestens 50 Mitarbeitern standen im Fokus der Untersuchung.

dpa