Unstimmigkeiten bei der Auslegung eines frisch vereinbarten Abkommens entfachen eine Hängepartie zwischen Berlin und Dubai: Die angestrebte Langstreckenanbindung der Fluggesellschaft Emirates am Flughafen Berlin Brandenburg ist vorerst blockiert.
Konflikt um Luftfahrtrechte: Emirates verschiebt Start am Hauptstadtflughafen BER

Unstimmigkeiten bei der Auslegung eines frisch vereinbarten Abkommens entfachen eine Hängepartie zwischen Berlin und Dubai: Die angestrebte Langstreckenanbindung der Fluggesellschaft Emirates am Flughafen Berlin Brandenburg ist vorerst blockiert. Obwohl die Bundesregierung und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) erst im September eine diplomatische Grundsatzeinigung vermeldet hatten, verweigert das Management des staatlichen Anbieters die Aufnahme des Flugbetriebs am BER. Der Konflikt dreht sich um signifikante Diskrepanzen im Textverständnis und regulatorische Einschränkungen, die den prestigeträchtigen Ausbau der Verbindungen auf unbestimmte Zeit ausbremsen.
Fronten verhärten sich auf Branchenkonferenz
Auf der Fachkonferenz World Routes 2026 in Frankfurt am Main bezog der Vorstandsvorsitzende von Emirates, Tim Clark, öffentlich Stellung und dämpfte die Erwartungen an einen zeitnahen Start. Clark erklärte unmissverständlich, dass sein Haus den Flugbetrieb in die deutsche Bundeshauptstadt gegenwärtig aussetzen werde:
„Wir werden im Moment nicht nach Berlin fliegen.“
Als Begründung führte der Airline-Chef gravierende Missverständnisse bei der Interpretation der Abmachungen an. Beide Seiten würden das Vertragswerk unterschiedlich deuten. Nach Angaben von Clark bedürfe es zwingend einer präzisen Klärung des Inhalts:
„Wir müssen sicherstellen, dass der Geist und die Art, wie es übersetzt wurde, richtig waren.“
Solange diese Transparenz fehle, bleibe die geplante Verbindung zwischen Dubai und Berlin gestrichen.
Regierungsvorgaben stoßen auf Widerstand von Airlines
Demgegenüber pocht die Bundespolitik auf den ausgehandelten Rechtsrahmen. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) verteidigte die strikten Bedingungen, die an die Zusage geknüpft wurden, mit dem Schutz heimischer Marktteilnehmer. Vor allem der deutsche Branchenprimus Lufthansa protestiert seit Jahren vehement gegen eine Marktöffnung zugunsten von Konkurrenten aus dem Nahen Osten. Das Frankfurter Unternehmen befürchtet erhebliche Verzerrungen auf innerdeutschen Zubringerstrecken, über welche Passagiere bislang zu den etablierten Knotenpunkten transportiert werden.
Im regionalen Lager sorgt die Verzögerung hingegen für Ernüchterung. Der Berliner Senat sowie regionale Wirtschaftsverbände werben seit langer Zeit intensiv um internationale Direktverbindungen ab dem BER, um Wirtschaftsimpulse zu generieren und die globale Erreichbarkeit der Metropolregion zu verbessern. Noch im Februar hatte das Bundesverkehrsministerium signalisiert, man stehe neuen Start- und Landerechten für Emirates prinzipiell offen gegenüber.
Faktenlage des bilateralen Luftverkehrsabkommens
Die vertragliche Vereinbarung aus dem September sah vor, dass der Golf-Fluglinie oder einem der beiden anderen großen Träger aus den VAE ein fünfter deutscher Flughafen neben den bestehenden Zielen Frankfurt am Main, München, Düsseldorf und Hamburg zugestanden wird. Allerdings formulierte das Bundesverkehrsministerium ein enges Regelkorsett:
- Begrenztes Flugkontingent: Für den fünften Standort wurden höchstens sieben Flüge pro Woche genehmigt.
- Keine Drittland-Rechte: Ein Weiterflug ab Deutschland in Drittstaaten wurde kategorisch untersagt; zulässig ist ausschließlich der Pendelverkehr zwischen Deutschland und den VAE.
- Frequenzeinfrierung: Bei Aufnahme des BER-Dienstes werden die Flugkapazitäten an den vier bestehenden Drehkreuzen eingefroren, wodurch zusätzliche Frequenzen dort ausgeschlossen sind.
Insbesondere diese Deckelung schränkt den strategischen Handlungsspielraum von Emirates bei der Flotten- und Netzplanung massiv ein.
Mögliche Auswege aus der Blockade
Ein Ausweg aus der aktuellen Blockade erfordert nun zähe juristische und diplomatische Nachverhandlungen zwischen den beteiligten Regierungen. Emirates fordert eine lückenlose Deckungsgleichheit zwischen den sprachlichen Fassungen und der eigentlichen Absicht der Vereinbarung. Erst wenn sich das Bundesverkehrsministerium und die Verantwortlichen aus Dubai auf eine verbindliche Textauslegung verständigen oder regulatorische Anpassungen bei den Frequenzen vornehmen, kann die Anbindung an den BER neu bewertet werden. Bis zu einem belastbaren Konsens müssen Passagiere auf eine Nonstop-Verbindung mit der Airline nach Dubai verzichten.
Quellen: n-tv, tagesschau
Bildquelle: Jeffry Surianto auf Pexels
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