Der Mischkonzern Baywa ist seit knapp zwei Jahren ein Krisenfall. Ein Sanierer und ein neuer Vorstandsvorsitzender sollten das Unternehmen auf die richtige Spur setzen – doch sie harmonierten nicht.
Krisenkonzern Baywa trennt sich von neuem Chef

Der hoch verschuldete Münchner Mischkonzern Baywa trennt sich wegen interner Querelen von seinem vor weniger als einem Jahr berufenen Vorstandschef Frank Hiller. Der Manager wird das Unternehmen «einvernehmlich» zum 31. Juli wieder verlassen, wie der Aufsichtsrat mitteilte. Hillers Amt als Vorstandsvorsitzender endet jedoch mit sofortiger Wirkung. Als Grund nannte der Konzern «unterschiedliche Auffassungen über die mittel- bis langfristige Strategie» des Unternehmens. Der Aufsichtsrat berief keinen Nachfolger, Hillers Aufgaben sollen unter den verbliebenen drei Vorständen aufgeteilt werden.
Rettungsplan soll weiter laufen
Am Sanierungsplan, der die finanzielle Gesundung bis Ende 2028 vorsieht, soll sich nichts ändern: «Die eingeleitete Restrukturierung unseres Unternehmens verläuft nach Plan und wird weiter aktiv vorangetrieben», sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Gregor Scheller.
Hiller weniger als ein Jahr auf dem Chefsessel
Hiller hatte seinen Posten am 1. März 2025 angetreten. Er sollte gemeinsam mit dem Sanierungsvorstand Michael Baur den Konzern neu aufstellen, den der Aufsichtsrat von der Unternehmensberatung Alix Partners geholt hatte. Die Arbeitsaufteilung sah vor, dass Bauer die Regie bei der Sanierung führen und Hiller die Neuaufstellung des verbleibenden Geschäfts vorantreiben sollte. Doch das funktionierte offenkundig nicht nach Plan. Dass Hillers Stuhl wackelte, hatte vor einigen Tagen die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» berichtet. Der Aufsichtsrat tagte in den vergangenen Tage mehrfach. Schon Hillers Vorgänger Marcus Pöllinger hatte nach kurzer Amtszeit vorzeitig gehen müssen.
Der Agrarhandel ist der wichtigste Geschäftszweig der Baywa, die insbesondere im Süden und Osten Deutschlands eine bedeutende Rolle für die Landwirte spielt: Die Baywa erwirbt Getreideernten und andere Produkte und versorgt die Bauern gleichzeitig mit Saatgut, Dünger, Landmaschinen und anderen Bedarfsartikeln.
Riesiger Schuldenberg soll abgebaut werden
Im Sommer 2024 geriet der Konzern in Schieflage und ist aktuell einer der größten Sanierungsfälle in Deutschland. Ein Hauptauslöser waren die hohen Zinszahlungen für 5,4 Milliarden Euro Bankkredite. Der Sanierungsplan sieht vor, vier Milliarden Euro Kredite zurückzuzahlen. Dafür sollen etwa zwei Drittel der früheren Baywa-Geschäfte verkauft werden, hauptsächlich die im Ausland, die der Konzern in den 2010er Jahren auf Kredit erworben hatte.
Es wird erwartet, dass die Belegschaft im Zuge der Sanierung ebenfalls um zwei Drittel verkleinert wird: Ende 2023 waren weltweit über 23.000 Mitarbeiter für das Unternehmen tätig, am Ende könnten es noch etwa 8.000 sein. Dann soll die Baywa wieder ein weitgehend auf Deutschland beschränktes Handelsunternehmen sein.








