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Kunden naschen trotz Krisen gern

Die Preise für Süßigkeiten sind zuletzt stark gestiegen, die Branche leidet unter erheblichen Preissteigerungen. Bei der Internationalen Süßwarenmesse in Köln zeigen die Aussteller ausgefallene Neuheiten.

Model Christin hält auf der Internationalen Süßwarenmesse ein Glas Wodka in der Hand, das mit Sweet Shots-Bonbonmasse versetzt wurde.
Foto: Federico Gambarini/dpa

Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage haben die Konsumenten ihre Lust am Naschen und Knabbern nicht verloren, wie aus einer Studie des Marktforschungsunternehmens NielsenIQ hervorgeht. Die Studie wurde am Dienstag anlässlich der bevorstehenden Internationalen Snack- und Süßwarenmesse (ISM) in Köln veröffentlicht. Sie wurde im Auftrag des Branchenverbandes Sweets Global Network erstellt.

Gemäß der Untersuchung haben die Verbraucher in Europa zwischen November 2022 und November 2023 einen Rekordbetrag für Süßwaren und Snacks ausgegeben. Mit 99 Milliarden Euro waren es 13,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Dies entspricht einem Anteil von über zehn Prozent aller Konsumgüter.

Die Unterschiede zwischen den EU-Ländern sind beträchtlich. In Polen stiegen die Preise im Laufe des Jahres um 19 Prozent, in Deutschland um 12,9 Prozent und in Russland um 9,9 Prozent. Trotz der deutlichen Preissteigerungen ist der Absatz nicht gesunken. Laut NielsenIQ ist das Verkaufsvolumen um 0,7 Prozent auf 10,1 Millionen Tonnen gestiegen. Während andere Branchen für Konsumgüter aufgrund der Zurückhaltung vieler Verbraucher erhebliche Einbußen erlitten haben, waren Süßwaren laut der Studie stark gefragt und erwiesen sich als krisenresistent.

Drastisch gestiegene Rohstoffpreise

Trotzdem bemerkt die deutsche Süßwarenindustrie die Auswirkungen der wirtschaftlichen Entwicklung und der Inflation. Laut dem Vorsitzenden des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI), Bastian Fassin, war das vergangene Jahr für die Branche schwierig. Die über 200 Süßwarenunternehmen, die etwa 60.000 Mitarbeiter beschäftigen, verzeichneten inflationsbedingt zwar einen Umsatzanstieg im Jahr 2023.

Drastische Kostensteigerungen bei Rohstoffen, Energie, Personal und Logistik sowie bürokratischen Anforderungen nähmen der Branche aber «die Luft zum Atmen», so Bassin. Er forderte die Bundesregierung auf, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu verbessern. Andernfalls drohe eine Marktbereinigung und eine Abwanderung von Produktionsstätten. Erstmals seit Jahren verzeichnete der BDSI 2023 ein Minus (-1 Prozent) bei der Menge der exportierten Süßwaren.

Der Branche machen vor allem die zuletzt weiter gestiegenen Kosten zu schaffen. EU-Zucker war im vergangenen Jahr 72 Prozent teurer als 2022, Kakaobutter legte um 52 Prozent zu, Kakao um 43 Prozent, Stärke um 42 Prozent. Auch 2024 erwartet die Branche deshalb kein leichtes Jahr. Immerhin ein wenig Hoffnung macht jedoch das veränderte Konsumverhalten. «Die Verbraucher setzen sich mit Ernährung und Nachhaltigkeit viel intensiver auseinander als vor 20 oder 30 Jahren. Das ermöglicht uns ein neues Feld an Produkten», so Fassin.

Der Trend geht in Richtung gesundem und nachhaltigem Snacken mit natürlichen Zutaten, ohne Zusatzstoffe und mit wenig oder ohne Zucker. Die Hersteller legen vermehrt Wert auf Frucht- und Gemüsesnacks, Energieriegel und andere Produkte, die als Ersatz für vollständige Mahlzeiten dienen sollen. Fachbesucher haben ab Sonntag die Möglichkeit, sich auf der Internationalen Süßwarenmesse in Köln davon zu überzeugen.

Etwa 1400 Aussteller aus 70 Ländern zeigen auf einer Fläche von 100.000 Quadratmetern ihre Produkte und viele ungewöhnliche Neuheiten wie Pilz-Fruchtgummis, Süßkartoffelpopcorn, Kichererbsen- und Schokoladen-Quinoa-Waffeln, Marshmallow-Pommes sowie Schokolade, die aus Hafer- und Sonnenblumenkernen hergestellt wird und ohne Kakao auskommt. Die Fachmesse in Köln geht bis zum 31. Januar.

dpa