Die geplanten Subventionskürzungen beim Agrardiesel treiben Bauern mit ihren Traktoren auf die Straße. Zugleich wird schon lange an alternativen Antrieben in der Landtechnik gearbeitet. Doch es ist kompliziert.
Landwirtschaft ohne Diesel? Die Suche nach Alternativen

Autos, Busse und Lastwagen: Viele Fahrzeuge sind bereits mit Elektroantrieb unterwegs. In der Landtechnik gestaltet sich dies jedoch komplizierter – nicht zuletzt aufgrund des hohen Energiebedarfs der großen Landmaschinen.
Die geplante Kürzung der Subventionen für Agrardiesel wirft die Frage auf, wann Traktoren, Mähdrescher und andere Maschinen nicht mehr auf Diesel angewiesen sind.
Strom – für den Hoflader und kleinere Traktoren
Zunächst einmal: Experten sind der Meinung, dass eine umfassende elektrische Lösung in der Landtechnik nicht möglich sein wird. Allerdings wird der Übergang zum Elektroantrieb in bestimmten Arbeitsbereichen schnell gelingen, wie Edgar Remmele, Leiter der Abteilung für erneuerbare Kraftstoffe und Materialien am Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe in Straubing, sagt.
Arbeiten in der Tierhaltung wie etwa Fütterung werden nach seiner Einschätzung bald «fast komplett batterieelektrisch» erledigt. «Ich gehe fest davon aus, dass das ein Selbstläufer werden wird, weil Landwirte dann mit selbst erzeugtem Photovoltaik-Strom äußerst günstig ihre Maschinen wie zum Beispiel den Hoflader oder den Futtermischwagen betreiben können.» Derzeit seien Gerätschaften mit E-Antrieb noch vergleichsweise teuer in der Anschaffung. Würden sie günstiger, dürften sie rasch die Höfe erobern.
In naher Zukunft könnten auch kleinere Traktoren mit elektrischem Antrieb vermehrt im Einsatz sein, beispielsweise bei Gemüse- und Obstbauern oder in Kommunen. Der Hersteller Fendt aus dem Allgäu hat auf der Agritechnica im November angekündigt, ab dem vierten Quartal 2024 einen E-Traktor herzustellen. Ebenfalls auf der Agritechnica wurde von New Holland ein batteriebetriebener Kommunaltraktor vorgestellt.
Elektroantriebe sind für große Traktoren, die schwere Güllefässer oder tonnenweise Getreide ziehen, oder gar für Mähdrescher und Feldhäcksler höchstens in weiter Ferne. Die Akkus wären viel zu groß und zu schwer und könnten bei weitem nicht die Leistung eines Dieselantriebs liefern.
Biodiesel und Co. «praxisreif»
Flüssige wie gasförmige Energieträger seien auch in Zukunft nicht ersetzbar, sagt Tobias Ehrhard, Landtechnik-Geschäftsführer beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). «Schließlich ist der Leistungsbedarf entlang der gesamten landwirtschaftlichen Produktionskette immens. Elektrische Antriebe sind in der Breite auf absehbare Zeit keine Alternative.»
Viele Experten setzen also auf Pflanzenölkraftstoff, Biodiesel oder hydrierte Pflanzenöle (HVO). «Diese Kraftstoffe sind praxisreif und könnten in Landmaschinen eingesetzt werden, sofern entsprechende Freigaben der Hersteller vorliegen», sagte Remmele. «Die Kraftstoffe wurden aber bisher kaum nachgefragt, weil sie gegenüber Dieselkraftstoff nicht wirtschaftlich waren.»
Das könnte sich in naher Zukunft möglicherweise ändern. Allerdings gibt es immer noch ein Hindernis: Die Bundesregierung beabsichtigte eigentlich, aufgrund des Ukraine-Kriegs von der Gewinnung von Kraftstoff aus Ackerpflanzen abzurücken.
Dazu sagt Remmele: «Biokraftstoffe sind immer in der Kritik, weil sie natürlich Fläche verbrauchen. Ich bin aber schon der Meinung, dass insbesondere die Landwirtschaft diese ölbasierten Kraftstoffe aus ihren selbst erzeugten Rohstoffen durchaus nutzen darf und kann und soll.» Denn: «Bei der Herstellung von pflanzenölbasierten Biokraftstoffen wird ein eiweißreiches Futtermittel als Koppelprodukt gewonnen. Dieses Futtermittel ersetzt Sojaimporte aus Südamerika. Somit würden letztlich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.»
Des Weiteren, laut Remmele, wird durch die steigende Elektrifizierung von Pkw und Kleintransportern weniger Diesel verbraucht und somit weniger Biokraftstoff für die Beimischung benötigt. Diese Mengen könnten an Orten eingesetzt werden, wo eine Elektrifizierung nicht möglich ist.
Der VDMA preist vor allem biogene Kraftstoffe aus hydrierten Pflanzenölen (HVO) an. «Sie sorgen dafür, die CO2-Emissionen im Vergleich zu fossilem Diesel um bis zu 90 Prozent zu reduzieren. Ein besserer und schnellerer Beitrag zum Klimaschutz ist kaum zu haben», sagt Ehrhard. Denn natürlich läuft die intensive Debatte um die Landtechnik-Antriebe der Zukunft schon länger. Schließlich hat die EU auch der Landwirtschaft Klimaziele zur Senkung des Emissionsausstoßes gesetzt.
Fragezeichen und Hindernisse bei Wasserstoff und Methan
Dieselsparen sei für die Mehrheit der europäischen Landwirte wichtig, betonten die Veranstalter der Landtechnik-Messe Agritechnica im November. Neben Pflanzenkraftstoffen und E-Antrieben wurden auch Wasserstoff und Methan auf der Messe als Alternative präsentiert – doch es gibt Fragezeichen und Hindernisse: «Der Platzbedarf für die Druckbehälter für den komprimierten Wasserstoff ist groß», hieß es. Ein ähnliches Problem ergibt sich beim Methan: Die Energiedichte ist geringer als beim Diesel. «Das erfordert große Tanks beziehungsweise Zusatztanks und hat aufgrund begrenzter Speicherkapazitäten eine geringere Reichweite zur Folge.»
Es ist derzeit unklar, ob die Landwirtschaft staatliche Hilfe in Anspruch nehmen kann, um auf alternative Antriebe umzusteigen. Das Bundesprogramm Energieeffizienz der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), das dazu gedacht war, die Branche bei der Reduzierung des CO2-Ausstoßes zu unterstützen, ist derzeit ausgesetzt – aufgrund des Karlsruher Urteils zum Klima- und Transformationsfonds (KTF).








