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Lebensmittelkäufe in Deutschland: Ein Überblick über Trends und Vorlieben

Aktuelle Umfragen zeigen, dass die Lebensmittelpreise in Deutschland stark gestiegen sind. Verbraucher geben im Durchschnitt über 393 Euro pro Monat aus, wobei regionale Unterschiede bestehen. Neue Daten liefern interessante Einblicke in das Einkaufsverhalten der Deutschen.

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Supermarkt: Wie die Menschen in Deutschland Lebensmittel kaufen
Bildquelle: Martijn Baudoin auf Unsplash

Im Alltag spielt der Lebensmitteleinkauf eine zentrale Rolle. Die Verbraucher in Deutschland spüren die Auswirkungen der gestiegenen Preise deutlich in ihrem Geldbeutel. Aktuelle Marktforschungsdaten und Umfragen bieten umfassende Einblicke in das Einkaufsverhalten.

Aufgrund des Iran-Kriegs müssen die Verbraucher in naher Zukunft mit weiter steigenden Lebensmittelpreisen rechnen. Der Wocheneinkauf ist bereits jetzt erheblich teurer als noch vor einigen Jahren.

Wie viel Geld geben die Menschen in Deutschland tatsächlich für Lebensmittel aus? Wie häufig gehen sie einkaufen? Daten des Markt- und Meinungsforschungsunternehmens YouGov geben Aufschluss darüber.

Monatliche Ausgaben für Lebensmittel

Nach Angaben eines YouGov-Shopperpanels gaben die Haushalte in Deutschland im Januar 2026 durchschnittlich 393,32 Euro für Lebensmittel aus. Diese Ausgaben sind in den letzten Jahren aufgrund der hohen Inflation deutlich gestiegen. Im Jahr 2021 lag der Durchschnitt bei 332,26 Euro, 2023 stieg er auf 367,80 Euro und 2025 auf 381,14 Euro. Berücksichtigt sind dabei Lebensmittel, einschließlich Getränke, frische Produkte wie Obst, Gemüse, Fleisch sowie Back- und Süßwaren. Drogerieprodukte wie Kosmetik oder Waschmittel sind nicht enthalten. Die Auswertung basiert auf Daten von 30.000 Haushalten.

Die Ausgaben variieren regional: In Süddeutschland lagen die durchschnittlichen Ausgaben mit 402,22 Euro zuletzt am höchsten, während sie im Osten mit 376,62 Euro am niedrigsten waren. Laut YouGov-Marktforscherin Petra Süptitz hängt dies unter anderem mit der geringeren Kaufkraft und kleineren Haushalten in diesen Regionen zusammen.

Philipp Hennerkes vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels stellt fest, dass im Süden aufgrund höherer Einkommen tendenziell eine größere Zahlungsbereitschaft für Bedientheken, Markenprodukte sowie Regionalität und mehr Tierwohl besteht. Im Westen betrugen die Ausgaben im Januar 398,11 Euro, im Norden 388,26 Euro.

Ausgaben im internationalen Vergleich

YouGov hat mehr als 22.000 Menschen in über 20 Ländern zu ihren Ausgaben befragt. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland im Mittelfeld. In der Schweiz und in Dänemark werden besonders hohe Beträge für Lebensmittel ausgegeben, während Länder wie Thailand, Indonesien und Indien am Ende der Skala rangieren.

YouGov-Marktforscherin Carolin Petrow erklärt: „Der Anteil der Lebensmittelausgaben am verfügbaren Einkommen liegt in Deutschland bei lediglich rund 10 bis 13 Prozent und damit auf einem für entwickelte Volkswirtschaften typischen, eher niedrigen Niveau.“ Trotz der hohen Kaufkraft sei das Ausgabenniveau in Deutschland moderat. In Ländern wie Polen und in Südostasien sei die Belastung der Haushalte größer, da dort ein deutlich höherer Anteil des Einkommens in Lebensmittel fließe.

Prognosen zur Entwicklung der Ausgaben

Experten erwarten, dass die Lebensmittelpreise aufgrund des Iran-Kriegs weiter steigen könnten. Kai Hudetz vom IFH Köln äußert sich dazu: „Es ist davon auszugehen, dass steigende Energie-, Dünger- und Transportkosten mit Verzögerung auch auf die Lebensmittelpreise durchschlagen. Besonders betroffen sind Produktgruppen, bei denen Energie- und Logistikkosten einen hohen Anteil an der Wertschöpfung haben.“ Dazu zählen unter anderem Brot und Backwaren, Getränke, Fertiggerichte, Süßwaren sowie Tiefkühlprodukte.

Auch der Bauernverband und die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie rechnen mit steigenden Lebensmittelpreisen. Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten eine Inflationsrate von 2,8 Prozent in diesem Jahr und 2,9 Prozent im Jahr 2027.

Häufigkeit der Einkäufe

Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland kauft mehrmals pro Woche oder täglich Lebensmittel ein, wobei 7 Prozent dies jeden Tag tun. 36 Prozent gehen einmal pro Woche einkaufen, 5 Prozent zwei- bis dreimal im Monat. In Ländern wie Italien, Spanien oder der Schweiz sind die Einkaufsgewohnheiten relativ ähnlich, während sie in anderen Ländern teilweise ganz anders sind. In Frankreich und den USA wird insgesamt seltener eingekauft, während in Polen laut YouGov 17 Prozent der Menschen täglich einkaufen.

Bevorzugte Einkaufsorte

Laut einer im Januar durchgeführten YouGov-Umfrage bevorzugen 32 Prozent der Menschen in Deutschland Supermärkte wie Rewe und Edeka, während 29 Prozent Discounter wie Aldi und Lidl bevorzugen. 38 Prozent haben keine feste Präferenz. Supermärkte überzeugen laut der Umfrage vor allem durch Erreichbarkeit, Frischeprodukte und Eigenmarken, während Discounter mit Preisen, Erreichbarkeit und Sonderangeboten punkten. Die Umfrage ist repräsentativ.

Preisbewusstsein der Verbraucher

Die gestiegenen Preise haben das Einkaufsverhalten beeinflusst. 47 Prozent der Befragten achten laut YouGov-Umfrage „viel mehr“ auf Preise und Sonderangebote als noch vor einigen Jahren, 33 Prozent „etwas mehr“. Lediglich 18 Prozent geben an, dass sich ihr Verhalten nicht verändert hat.

„Für 67 Prozent der Verbraucher sind die Preiserhöhungen schwer nachvollziehbar und sorgen für deutliche Verärgerung,“ sagt YouGov-Marktforscherin Süptitz. „Nur 25 Prozent der Menschen haben Verständnis für die Preiserhöhungen. Dieser Anteil ist seit 2023 deutlich gesunken.“

Lebensmittel sind laut Statistischem Bundesamt heute im Durchschnitt knapp 38 Prozent teurer als 2020. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 stieg die Inflation auf fast neun Prozent. Energie und zahlreiche Produkte verteuerten sich rasant, was die Verbraucher bis heute spüren. Artikel wie Rindfleisch, Kaffee, Schokolade, Orangensaft und Obstkonserven kosten deutlich mehr als noch vor einigen Jahren.

Nutzung von Lieferdiensten und Wochenmärkten

Anbieter wie Picnic oder Rewe liefern Lebensmittel nach Hause. In Deutschland nutzen 7 Prozent diese Dienste mindestens einmal pro Woche, 9 Prozent ein- oder zweimal pro Monat, 11 Prozent seltener, während 71 Prozent nie darauf zurückgreifen.

Wochen-, Bauern- und Straßenmärkte erfreuen sich ebenfalls bei einigen Verbrauchern in Deutschland nach wie vor großer Beliebtheit. 8 Prozent besuchen diese Märkte einmal pro Woche, 6 Prozent zwei- bis dreimal im Monat, 11 Prozent einmal. 43 Prozent gehen seltener auf Märkte, während 30 Prozent nie einen Markt besuchen.

Im Vergleich dazu ist der Anteil der regelmäßigen Marktbesucher in Ländern wie Frankreich, Italien und Spanien laut YouGov teilweise deutlich größer. Ein Viertel der Menschen in diesen Ländern besucht Märkte mehrmals im Monat. In Großbritannien, Dänemark oder den USA haben die Märkte eine geringere Bedeutung.

Ronny Winkler