Der Bau von Datencentern boomt ungebremst, vor allem in den USA, während Siemens Energy von der steigenden Nachfrage profitiert. CEO Christian Bruch weist darauf hin, dass der Strombedarf der Rechenzentren zunehmend eigene Gaskraftwerke erforderlich macht.
Liefergeschwindigkeit im Fokus: Der unaufhaltsame Aufschwung der Datencenter-Branche

„Die Frage, die wir eher gestellt bekommen: Könnt ihr schneller und mehr liefern?“
Diese Aussage von Christian Bruch, dem CEO von Siemens Energy, verdeutlicht die aktuelle Situation im Bereich der Rechenzentren. Trotz der Bedenken hinsichtlich einer möglichen Überhitzung des Marktes für Künstliche Intelligenz (KI) zeigt der Bau von Rechenzentren keine Anzeichen einer Verlangsamung. Im Gegenteil, führende Unternehmen wie Alphabet, Meta, Amazon und Microsoft planen, im Jahr 2026 rund 800 Milliarden Dollar in neue Infrastruktur zu investieren. Laut Schätzungen von McKinsey könnten die Ausgaben für Rechenzentren bis 2030 auf 7 Billionen Dollar ansteigen.
Siemens Energy als Profiteur des Rechenzentrumsbooms
Siemens Energy hat von diesem Boom erheblich profitiert. Unter der Leitung von Christian Bruch hat das Unternehmen in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Wandel vollzogen, insbesondere durch die gestiegene Nachfrage nach Gaskraftwerken. Bruch berichtete, dass mittlerweile über ein Viertel des Auftragsbestands im Gasgeschäft von Siemens Energy auf Rechenzentren entfällt, während im Bereich Netztechnik weniger als zehn Prozent des Auftragsvolumens aus diesem Sektor stammen. Dennoch betonte er, dass das Rechenzentrumsgeschäft derzeit noch keinen signifikanten Umsatzbeitrag leistet, was sich jedoch in Zukunft ändern könnte.
Der Markt für Gasturbinenbestellungen wird insgesamt auf 100 bis 120 Gigawatt geschätzt, wobei 40 Prozent dieser Nachfrage aus den USA kommt. In den USA sind es vor allem die Rechenzentren, die die Stromnetze stark belasten und zunehmend auf eigene Gaskraftwerke angewiesen sind.
Marktbeobachtungen und Herausforderungen
Bruch erklärte, dass die Kundengruppen, mit denen Siemens Energy zusammenarbeitet, Rechenzentrumsbetreiber, Energieversorger und Technologieunternehmen umfassen. „Zwischen denen versuchen wir eine gute Balance zu finden“, sagte er. Das Ziel sei es, Klumpenrisiken und Abhängigkeiten zu vermeiden. Trotz der Bedenken einiger Marktbeobachter, dass der Boom möglicherweise nicht ungebremst weitergehen kann, sieht Bruch aktuell keine Anzeichen für eine nachlassende Nachfrage. „Ich sehe auf absehbare Zeit keine Veränderung in der Nachfrage“, so Bruch.
Streit um Rechenzentren in Deutschland
Ein besorgniserregender Trend ist die Tatsache, dass der Großteil der neuen Rechenzentren in den USA gebaut wird. Bruch äußerte sich besorgt über die Frage, wo in Zukunft die Wertschöpfung im Zuge der KI-Revolution stattfinden wird. Er betonte, dass Deutschland sich klarer positionieren müsse, um im globalen Wettbewerb nicht zurückzufallen. Ein Beispiel für die Herausforderungen in Deutschland ist der kürzlich gestoppte Bau eines großen Rechenzentrums in der Rhein-Main-Region, der aufgrund von Widerstand der Anwohner gegen die Energieversorgung nicht realisiert werden konnte. „Solche Dinge machen mich ehrlich gesagt ratlos“, sagte Bruch.
Ein weiterer Aspekt, der in diesem Kontext wichtig ist, ist die Möglichkeit, die eigene Familiengeschichte zu entschlüsseln, um neue Einblicke in die Entwicklungen der Vergangenheit zu gewinnen.
Internationale Investitionen und die Zukunft der KI-Infrastruktur
Ein weiteres Beispiel für die Herausforderungen in Deutschland ist die Entscheidung von Softbank, 50 Milliarden Dollar in Frankreich zu investieren, anstatt in Deutschland. Der japanische Tech-Investor plant, im Nachbarland bis zu fünf Gigawatt an KI-Rechenkapazität zu installieren. Bruch kritisierte, dass Deutschland sich zu oft auf kurzfristige Lösungen konzentriere, anstatt langfristige Strategien zu entwickeln. „Wir als Land müssen irgendwann mal definieren, was wir wollen, und nicht nur sagen, was wir nicht wollen“, so Bruch. Er warnte, dass es nicht immer nur um den Erhalt des Status quo gehen könne.
Quellen: n-tv








