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CDU will Recht auf Teilzeit einschränken. Kritik an Vorstoß aus der Union lautet.

Debatte um Teilzeit und Arbeitsmoral in Deutschland entfacht. Opposition und Koalitionspartner äußern Bedenken.

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Gitta Connemann gibt sich bei ihrem Ruf nach weniger Teilzeit kämpferisch. (Archivbild)
Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Seit Monaten zielen Forderungen aus der Union bis hin zum Kanzler auf mehr Arbeitsmoral in Deutschland ab. «Generell in der Lebenszeit» soll nach Ansicht von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mehr gearbeitet werden. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kritisierte die «fast drei Wochen», auf die die Deutschen im Schnitt bei den Krankentagen im Jahr kommen. Nun tobt eine Debatte um die immer weiter steigende Teilzeit. Um was geht es? Was könnte auf die Beschäftigten in Deutschland zukommen?

Wer fordert welche Änderung – und warum?

«Wer mehr arbeiten kann, sollte mehr arbeiten», sagte die CDU-Politikerin Gitta Connemann dem «Stern». Wegen Deutschlands Fachkräftemangel solle «freiwillige Teilzeit aus Gründen der individuellen Lebensgestaltung» nicht dauerhaft «durch den Sozialstaat abgesichert» werden dürfen, so die Juristin und gelernte Schuhverkäuferin.

Seit gut vier Jahren ist die 61-Jährige Chefin der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT), einer einflussreichen Wirtschaftsinteressen-Vertretung bei CDU/CSU, seit 2025 Staatssekretärin bei Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Die CDU soll nach dem Willen der MIT auf ihrem Parteitag in drei Wochen in Stuttgart beschließen, dass es keinen Rechtsanspruch «auf Lifestyle-Teilzeit» mehr geben soll. «Es geht uns um anlasslose Teilzeit», so Connemann bei RTL und ntv.

Wie hat sich die Bedeutung der Teilzeit entwickelt?

Sie ist stark gewachsen. Schon bis Mitte der 1990er ging die Arbeitszeit laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zurück – damals jedoch noch aufgrund von kürzeren tariflichen Wochenarbeitszeiten, mehr Urlaub und weniger Überstunden. Seitdem geschieht dies fast ausschließlich durch mehr Teilzeit. Laut Statistischem Bundesamt haben 2024 29 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland in Teilzeit gearbeitet – fast jede zweite Frau (49 Prozent) und 12 Prozent der Männer. Laut IAB erreichte die Teilzeitquote im dritten Quartal 2025 mit 40,1 Prozent den höchsten Wert in einem solchen Quartal.

Warum ist der Teilzeit-Boom noch einmal größer geworden?

Unter anderem aufgrund eines Anstiegs der Beschäftigung in Branchen mit einem hohen Anteil an Teilzeitbeschäftigten – wie dem Gesundheits- und Sozialwesen, der Erziehung und Schule. Hingegen nahm die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe mit seinen zahlreichen Vollzeitstellen ab. Insgesamt waren 46 Millionen Menschen erwerbstätig – ähnlich wie im Vorjahresquartal, ebenso das Arbeitsvolumen von 15,7 Milliarden Stunden. Das jüngste Fazit des IAB lautet: Der Arbeitsmarkt befindet sich weiterhin in einer Flaute – nur bei Nebenjobs und der Teilzeitquote gibt es einen Aufwärtstrend.

Arbeiten die Menschen immer freiwillig in Teilzeit?

„Nein. Insbesondere viele Mütter würden nach eigenen Angaben gerne länger arbeiten. Gemäß dem Statistischen Bundesamt strebte jede siebzehnte Teilzeitkraft im Jahr 2024 eine Vollzeitarbeit an. Viele konnten jedoch keine Vollzeitstelle finden, insbesondere junge und ältere Arbeitnehmer. Früher war die Anzahl jedoch noch höher. Die Hälfte der Teilzeitbeschäftigten gibt an, entweder Teilzeit arbeiten zu wollen oder andere persönliche Gründe zu haben.“

Familiäre Pflichten als Grund nannten 33 Prozent der Frauen – und 9 Prozent der Männer. «Insbesondere mit Blick auf die Betreuung von Kindern und Angehörigen, ist davon auszugehen, dass Veränderungen bei Angeboten für Kinderbetreuung und Pflege die Wünsche nach Vollzeit- oder Teilzeitarbeit beeinflussen», schreiben die Statistiker. 

Wie kommen Beschäftigte zu Teilzeitarbeit?

Ein Antrag auf verringerte Arbeitszeit muss laut DGB schriftlich mit bevorzugter Stundenzahl und dem Beginn der Arbeitszeitverkürzung beim Arbeitgeber gestellt werden. Der Anspruch besteht nach mehr als sechsmonatigem Arbeitsverhältnis und mehr als 15 Mitarbeitern. «Jede Vereinbarung zu Teilzeit ist unterschiedlich», stellt der DGB fest. Die Arbeitszeit steht im Arbeitsvertrag. Auch Minijobs sind immer Teilzeitbeschäftigungen. Betriebliche Gründe, die gegen die Verringerung der Arbeitszeit sprechen, dürfen nicht bestehen.

Was könnte der MIT-Vorstoß für die Beschäftigten ändern?

Direkt wohl nichts. Nicht nur von der Opposition, sondern auch von den Koalitionspartnern SPD und dem CDU-Sozialflügel gibt es teils heftige Kritik am MIT-Vorstoß – und die Warnung vor weniger Arbeitnehmerrechten. Eine Einschränkung des Teilzeitanspruchs würde jedoch die Zustimmung in der Koalition erfordern.

Immerhin Wirtschaftsministerin Reiche (CDU) reagierte aber mit der Forderung nach «mehr Vollzeitarbeit» – kombiniert mit Betreuungsmöglichkeiten. Connemann gab sich kämpferisch. Kritik wies sie als mutwiliges Missverstehen zurück. «Es geht uns ausschließlich darum, kein einseitiges Recht gegenüber Arbeitgebern zu haben, wenn es darum geht, sein Freizeitinteresse leben zu können», sagte sie RTL und ntv. «Teilzeit ist richtig und gut, wenn ein Grund besteht.»

dpa