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Lufthansa-Chef: Nehmen unsere Nazi-Geschichte an

Lufthansa stellt sich ihrer Vergangenheit und lässt die Rolle des Konzerns im Nationalsozialismus wissenschaftlich aufarbeiten. Die Historiker kommen zu klaren Urteilen.

Die Ju 52 war Rückgrat der ersten Lufthansa in der NS-Zeit.
Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Der Lufthansa-Konzern hat sich zu seiner Verantwortung im Nationalsozialismus bekannt. «Die Lufthansa war ganz klar Teil des Systems», sagt Vorstandschef Carsten Spohr anlässlich der Gründung der ersten Lufthansa vor 100 Jahren. Dazu gehörten die zunächst geheime Aufrüstung als «heimliche Luftwaffe», die Integration in die Kriegswirtschaft der Nazis wie auch die bedenkenlose Ausbeutung von Zwangsarbeitern in Werkstätten und Rüstungsbetrieben.

«Die Lufthansa war ein Unternehmen des Nationalsozialismus», sagt der Göttinger Historiker Manfred Grieger, Mit-Autor einer neuen Unternehmensgeschichte. Diese Symbiose sei der Lufthansa mit dem Ende des Weltkriegs zum Verhängnis geworden. «Das Unternehmen ist vollständig untergegangen mit dem Regime, an das man sich gekettet hatte.»

Neue Firmengeschichte zum Jubiläum in Auftrag gegeben

Bei den Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen im April bezieht sich der MDax-Konzern direkt auf die 1926 gegründete erste Lufthansa. Das heutige Unternehmen betont explizit die technischen und fliegerischen Traditionen. Obwohl der heutige Konzern rechtlich nichts mit dem Vorgängerunternehmen zu tun hat, sicherte er sich nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Liquidation die Rechte an Namen, Farbgebung und dem ikonischen Kranich-Symbol.

Zum Jubiläum hat Lufthansa eine neue Firmengeschichte in Auftrag gegeben, die auch diesen Abschnitt kritisch beleuchtet. Das Buch der Historiker Hartmut Berghoff, Manfred Grieger und Jörg Lesczenski soll im März erscheinen. Auch eine Ausstellung im neuen Konferenz- und Besucherzentrum befasst sich unter anderem mit der Entwicklung in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland.

Einsatz von Zwangsarbeitern soll weiter erforscht werden

Andrea Schneider-Braunberger von der beteiligten Gesellschaft für Unternehmensgeschichte erklärt, dass es besonders sei, dass die Geschichte nun vollständig in einem Werk dargestellt werde. Bislang hätten nur acht Prozent aller Unternehmen, die schon während der NS-Zeit existierten, ihre Rolle professionell in einer eigenen Studie aufarbeiten lassen.

Lufthansa-Chef Spohr hat sich von früheren Bemühungen distanziert, die Rolle des Unternehmens im Nationalsozialismus zu verschleiern und sich nur auf die Neugründung nach dem Krieg zu konzentrieren. Der offene Umgang und die Transparenz zu diesem Thema werden von den Mitarbeitern sehr unterstützt.

Lufthansa hat angekündigt, weitere Forschungen zur Unterstützung des Einsatzes von Zwangsarbeitern zu unterstützen. Es wurden neue Quellen in polnischen und tschechischen Archiven entdeckt, die es ermöglichen, die Schicksale der Opfer genauer zu betrachten. Grieger soll ebenfalls an der Studie mitarbeiten.

dpa