Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Lufthansa sieht Chancen vor allem außerhalb Deutschlands

Trotz Rekordumsatzes muss die Lufthansa einen Gewinneinbruch verkraften. Bessere Geschäfte will der Konzern künftig noch mehr im Ausland machen, denn auf dem Heimatmarkt stapeln sich die Probleme.

Unter dem Strich blieb konzernweit ein Überschuss von knapp 1,4 Milliarden Euro und damit 18 Prozent weniger als im Vorjahr. (Archivbild)
Foto: Andreas Arnold/dpa

Die Lufthansa verlagert ihr Geschäft zunehmend ins Ausland. Im laufenden Jahr werde der Konzern auf dem deutschen Heimatmarkt weniger als 20 Prozent seines Umsatzes erzielen, sagt Vorstandschef Carsten Spohr. Die Erlöse des größten Luftverkehrskonzerns Europas sollen 2025 einschließlich der neuen italienischen Beteiligung Ita um rund 14 Prozent auf rund 43 Milliarden Euro wachsen.

Der Heimatmarkt, der derzeit noch ein Viertel des Umsatzes ausmacht, wird weiterhin durch hohe staatlich verursachte Kosten und streikfreudige Gewerkschaften erschwert.

Der Lufthansa-Chef kritisiert die jüngsten Verdi-Streiks im Öffentlichen Dienst, die auf die Flughäfen in Köln, Düsseldorf und München ausgeweitet wurden. Der Luftverkehr habe damit eigentlich nichts zu tun. «Unsere Branche wird für Arbeitskämpfe instrumentalisiert.» Ein überarbeitetes Streikrecht sei ebenso überfällig wie konkrete Entlastungen bei Steuern und Gebühren. 

Lufthansa kann in anderen Regionen wachsen

«Wenn nichts passiert, wird Deutschland im europäischen Vergleich abgehängt», sagt Spohr. Das gelte zuerst für wirtschaftlich wichtige Regionen wie Paderborn oder Friedrichshafen, die zunehmend schlechter international angebunden seien. 

Als Exportnation könne sich Deutschland das nicht leisten und müsse sich wieder auf seine Stärken besinnen. «Für Lufthansa ist das verkraftbar, wir wachsen dann woanders.» Aber natürlich bleibe der deutsche Markt relevant. 

Ita schnell in der Gewinnzone

Zusätzlichen Schub verspricht sich der Vorstand von der Übernahme der italienischen Staatsfluglinie Ita. «Es ist die größte Airline-Übernahme in unserer Geschichte.» Die Lufthansa war erst vor wenigen Wochen nach langem Ringen mit einem Minderheitsanteil von 41 Prozent bei Ita eingestiegen und will die Nachfolgerin der früheren Alitalia in den kommenden Jahren komplett schlucken. Ita soll schon im laufenden Jahr zum Konzernergebnis beitragen. 

Bereit zu weiteren Übernahmen

Spohr sieht sein Unternehmen gut positioniert für zukünftige Übernahmen. Der frühere Nachteil einer fehlenden Metropole hat sich längst in einen Vorteil verwandelt, da der Konzern andere Gesellschaften leichter integrieren kann als die Konkurrenz.

Der MDax-Konzern betreibt Airlines in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Belgien und ist seit der Ita-Übernahme auch in Italien stark vertreten. Das werde auch in Lissabon und Madrid genau beobachtet, meint Spohr. Dort suchen die Airlines TAP und Air Europa Anschluss an größere Airline-Gruppen. Die EU-Kommission müsse die Übernahmen kleinerer Gesellschaften erleichtern, forderte der Manager.

Die Lufthansa verzeichnete 2024 aufgrund von Streiks, steigenden Kosten und gesunkenen Ticketpreisen einen deutlichen Gewinnrückgang. Während die Kernmarke Lufthansa Airlines sogar Verluste verzeichnete, erzielten alle anderen Tochtergesellschaften einschließlich der Technik und der Frachttochter Lufthansa Cargo Gewinne.

Konzernweit brach der operative Gewinn vor Sonderposten deshalb um über eine Milliarde auf rund 1,65 Milliarden Euro ein. Im gut angelaufenen Jahr 2025 strebt der Vorstand eine «deutliche» Verbesserung an.

Sanierung der Kernmarke 

Insbesondere bei der flügellahmen Kernmarke Lufthansa soll es wieder aufwärts gehen. Schon im vergangenen Jahr hatte Spohr ein Sanierungsprogramm vorgestellt, das den operativen Gewinn bis zum Jahr 2028 um 2,5 Milliarden Euro steigern soll. Erste Auswirkungen soll es schon 2025 geben. Im kommenden Jahr strebt er dann eine Verbesserung um 1,5 Milliarden an.

Schädliche Zölle

Mit Blick auf die Handelsstrategie der USA unter Präsident Donald Trump sieht der Lufthansa-Chef Risiken für die Branche. Flugzeuge und Teile könnten sich verteuern, das Frachtgeschäft zurückgehen. «Zölle sind für den Welthandel abträglich», sagt er. Umso wichtiger seien Begegnungen über den Atlantik hinweg, die der Luftverkehr ermögliche. 

Seiner Einschätzung nach werden die bestehenden Probleme im Asienverkehr erst gelöst, wenn europäische Airlines wieder den russischen Luftraum nutzen dürfen. Im Moment profitieren die Konkurrenten aus China und dem arabischen Raum davon, dass sie kürzere Routen fliegen können.

Angebot geringer als vor Corona

Im letzten Jahr haben die Konzern-Airlines wie Lufthansa, Swiss, Austrian und Eurowings 131 Millionen Passagiere befördert, was einem Anstieg von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Trotzdem verzeichnete der Konzern insgesamt einen Gewinn von knapp 1,4 Milliarden Euro, was einem Rückgang von 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die Aktionäre sollen dennoch eine unveränderte Dividende von 30 Cent je Aktie erhalten.

Die Lufthansa ist noch weit von ihrem Flugangebot vor der Corona-Pandemie entfernt. Im Jahr 2024 lag die angebotene Kapazität immer noch etwa neun Prozent niedriger als 2019. In diesem Jahr plant Spohr, das Sitzplatzangebot um etwa vier Prozent zu erhöhen – was etwa 95 Prozent des Niveaus vor der Krise entsprechen würde.

dpa