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Keine neuen Streiks bei Lufthansa über Ostern und danach

Die jüngste Einigung mit Verdi für das Bodenpersonal beruhigt, aber weitere Konflikte im Konzern könnten den Flugbetrieb weiterhin stören.

Die Einigung beim Lufthansa-Bodenpersonal hatte eine Schlichtung hinter verschlossenen Türen gebracht.
Foto: Andreas Arnold/dpa

Gestresste Lufthansa-Passagiere können aufatmen. Zumindest für Ostern und die Tage danach sind bei der Hauptgesellschaft des größten Luftverkehrskonzerns Europas keine neuen Streiks geplant, und auch die deutschen Flughäfen werden mindestens bis zum 7. April von weiteren Arbeitskämpfen verschont bleiben.

Die Einigung, die die Schlichter mit Verdi für das Bodenpersonal erzielt haben, ändert nichts daran, dass im Konzern mit seinen vielen Tarifpartnern noch weitere Konflikte ungelöst sind, die jederzeit den Flugbetrieb beeinträchtigen könnten.

Die Crews der österreichischen Tochtergesellschaft Austrian haben mit einem Streik bis Freitagmittag rund 400 Flüge gestrichen, was rund 50.000 Passagiere betrifft. Den Betroffenen werden kostenlose Umbuchungen oder Stornierungen angeboten. Die Piloten und Flugbegleiter streben danach, mit den Gehältern der Kollegen der Lufthansa gleichzuziehen und schätzen die Lücke auf 40 Prozent.

Es ist die Vielzahl der Flugbetriebe und Gewerkschaften, die das Tarifleben bei der streikempfindlichen Lufthansa so schwer macht. Die Schlichter Bodo Ramelow und Frank-Jürgen Weise hatten am Mittwoch noch die Hoffnung geäußert, der mühsam erreichte Kompromiss für das Bodenpersonal möge Ausgangspunkt für eine «neue Lufthansa» sein, die einig gegen die teils unfair subventionierte Konkurrenz anfliege. Auch Verdi-Verhandlungsführer Marvin Reschinsky versprach, nun «gemeinsam Hand in Hand» für eine gute Lufthansa und ein gutes Produkt zu kämpfen.

Gut zuhören, Differenzen aufzeigen

Laut eigenen Angaben haben die Schlichter vor allem gut zugehört, Unterschiede aufgezeigt und dann die Sozialpartner dazu gebracht, selbst Lösungen zu finden. „Wir haben keinen Ehrgeiz entwickelt, eigene Vorschläge zu machen“, sagte Thüringens Ministerpräsident Ramelow, der sich auch als Lufthansa-Kunde einen reibungslosen Betrieb wünscht. Viele Elemente, die letztlich zur Lösung beigetragen haben, waren bereits in den Tarifverhandlungen enthalten.

Reschinsky und Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann waren zuversichtlich, dass ihre Gremien den Vorschlägen der Schlichter folgen würden und noch am Donnerstag ein Eckpunktepapier verabschieden würden. Der neue Vertrag für die rund 25.000 Bodenbeschäftigten soll eine Laufzeit von zwei Jahren haben. Dadurch werden unbefristete Streiks dieser Beschäftigtengruppe vermieden. In einer Urabstimmung hatten bereits über 90 Prozent der Beschäftigten für unbefristete Streiks gestimmt. Sie müssen nun erneut befragt werden.

Eine Urabstimmung und eine erste Streikrunde haben die rund 19.000 Flugbegleiterinnen und -begleiter der Lufthansa und der Regionaltochter Lufthansa Cityline bereits hinter sich. Die Verhandlungen laufen seitdem weiter. Für die Feiertage gibt die Kabinengewerkschaft Ufo Entwarnung. Ihr Tarifexperte Harry Jaeger sagte: «Wir werden niemandem das Osterfest verhageln. Stattdessen werden wir unmittelbar nach den Feiertagen die Gespräche wieder aufnehmen und um eine Lösung am Verhandlungstisch ringen.»

Es ist im Moment unklar, wie das Ergebnis aussehen wird. Ufo hat gefordert, dass 15 Prozent mehr Geld bei einer Vertragslaufzeit von eineinhalb Jahren gezahlt wird. Die Gewerkschaft strebt außerdem eine Inflationsausgleichsprämie von 3000 Euro sowie höhere Zulagen an.

Streit auch bei Discover

Der Konflikt um die Ferienflugtochter Discover Airlines, die noch keine Tarifverträge für ihre rund 2000 Beschäftigten hat, birgt noch mehr Sprengstoff. Piloten der Vereinigung Cockpit und das Kabinenpersonal der Ufo haben bereits Streiks unternommen, um Tarifverträge zu erzwingen. Bisher erfolglos, da die Lufthansa auch mit Verdi über mögliche Tarifverträge bei der Tochter verhandelt. Wenn Verdi den Zuschlag erhält, würde das Verhältnis zu den anderen Gewerkschaften, die vor allem bei der Kern-Airline stark vertreten sind, erheblich belastet.

Die Lufthansa hat keinen Einfluss auf die Tarifverhandlungen für die rund 25.000 Beschäftigten der privaten Luftsicherheitsunternehmen, die an den Flughäfen außerhalb Bayerns Passagiere und Gepäck kontrollieren. Verdi hat bereits mehrere Warnstreikwellen organisiert und Flughäfen lahmgelegt. Eine Schlichtung unter Leitung des Bremer Finanzstaatsrats Hans-Henning Lühr soll am 5. April eine Lösung bringen.

dpa