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McKinsey: Europa hat billionenschwere Investitionslücke

Der Kontinent droht gegenüber den USA und China zurückzufallen, warnt die Unternehmensberatung. Sie hat konkrete Empfehlungen, wie Europa zurück auf den Wachstumspfad kommen kann.

Europa muss nach Einschätzung von McKinsey viel investieren, um in Sachen Wettbewerbsfähigkeit zu den USA aufzuholen
Foto: Virginia Mayo/AP/dpa

Laut der Unternehmensberatung McKinsey sind massive Investitionen in Billionenhöhe und eine größere Anzahl herausragender Unternehmen erforderlich, um das Wirtschaftswachstum in Europa zu steigern. Eine neue Analyse von McKinsey, die heute auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos präsentiert werden soll, belegt dies.

Laut einem Bericht von McKinsey basierend auf aktuellen Schätzungen, wird nun anstelle der von dem ehemaligen EZB-Präsidenten Mario Draghi im Jahr 2024 genannten 800 Milliarden Euro, eine jährliche Investitionssumme von 1,2 Billionen Euro sowohl aus öffentlichen als auch privaten Quellen über die nächsten fünf Jahre benötigt. Dieser Anstieg wird durch steigende Rüstungsausgaben verursacht.

McKinsey: Nur wenige Unternehmen treiben das Wachstum

Laut Untersuchungen des McKinsey Global Institute stammt das nationale Produktivitätswachstum hauptsächlich von einigen ehrgeizigen Unternehmen. Eine Stichprobe ergab, dass mehr als zwei Drittel des Produktivitätswachstums in den USA zwischen 2011 und 2019 von 44 herausragenden Unternehmen getragen wurden. In Deutschland waren demnach 13 herausragende Firmen für zwei Drittel des Produktivitätswachstums verantwortlich.

Um die Wirtschaft anzukurbeln und gegenüber den USA und China aufzuholen, muss Europa nicht nur ambitionierte Unternehmen – darunter potenzielle Zukunftsfirmen in der Wachstumsphase – stärker fördern. In den letzten fünf Jahren haben US-Unternehmen 2 Billionen Euro mehr in digitale Technologien investiert als die europäische Konkurrenz. Und in traditionelle Fertigungsindustrien investiert China dreimal so viel wie Europa.

Europa droht lange Flaute

McKinsey zählt zehn Handlungsfelder für den öffentlichen Sektor auf, darunter ein radikal vereinfachter Rechtsrahmen in der EU für innovative Firmen («28th Regime») und eine investitionsfreundliche Haltung bei Übernahmen in Europa. Auch könnten Regierungen als Großkunden neue Märkte und Einnahmequellen erschließen.

Unternehmen sollten mutig sein und fünf strategische Schritte unternehmen, darunter die Erweiterung der produktivsten Geschäftsmodelle oder Technologien, die Verschiebung der Portfolios in Richtung der produktivsten und wachstumsstärksten Geschäftsbereiche und der Aufbau von Größenvorteilen.

McKinsey warnt davor, dass Europa in den nächsten zehn Jahren mit einem schwachen Wirtschaftswachstum von etwa einem Prozent konfrontiert sein könnte. Dies sei jedoch nicht unvermeidlich. Durch das deutliche Anziehen ausländischer Direktinvestitionen in Europa und Milliardeninvestitionen von Finanzinvestoren gebe es Hoffnung. Wenn Unternehmen vom öffentlichen Sektor unterstützt würden und bei Investitionen mit ihren US-Pendants gleichzögen, bestehe die Möglichkeit, das Wachstum in Europa zu verdoppeln.

dpa