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Apple-Auto-Projekt vor dem Aus

Nach jahrelangen Spekulationen hat Apple das Elektrofahrzeug-Projekt offenbar endgültig eingestellt, überraschend für die rund 2000 Mitarbeiter des Teams.

In den vergangenen Jahren ließen auch häufige Personalwechsel die Unruhe rings um Apples Projekt erkennen.
Foto: Andrej Sokolow/dpa

Ist das Ende des Apple-Auto-Traums gekommen? Für Jahre haben ständige Berichte und Spekulationen die Automobilindustrie und die Fans des iPhone-Herstellers beschäftigt. Nun soll Apple das Elektrofahrzeug-Projekt eingestellt haben.

Im Laufe der Jahre hat es viele Spekulationen gegeben: Apple hat Zulieferern Prototypen gezeigt, Apple könnte den Sportwagenhersteller McLaren kaufen, Apple plane zunächst die Entwicklung von Software für autonomes Fahren. Erst vor einem Monat berichtete der Finanzdienst Bloomberg, dass Apple seine Ambitionen zurückgefahren habe und nun den Markteintritt eines Elektroautos ohne autonome Funktionen für das Jahr 2028 anstrebe.

Jetzt hieß es ebenfalls bei Bloomberg und dem «Wall Street Journal», die zuletzt rund 2000 Mitarbeiter des Projekts seien von der Ankündigung überrascht worden, dass es damit nun ganz vorbei sei.

Verwaltungsrat forderte Klarheit von Tim Cook

Laut Bloomberg sei die Entscheidung in den letzten Wochen in der Chefetage von Apple gefallen. Bereits zuvor habe der Verwaltungsrat von Apple von CEO Tim Cook und dem aktuellen Projektleiter Kevin Lynch Klarheit über die Pläne nach den Kurswechseln und Milliarden-Ausgaben in der Vergangenheit gefordert.

Apple kommentierte den Bericht nicht. Der iPhone-Konzern hält sich bei potenziellen künftigen Produkten traditionell bedeckt. So liefen auch jahrelange Spekulationen über einen Apple-Fernseher ins Nichts – ohne dass sich der Konzern jemals dazu geäußert hätte. Bei den Auto-Fantasien spielte zugleich die Frage mit, was «das nächste große Ding» für Apple nach dem überaus erfolgreichen iPhone sein könnte.

Apple-Auto sollte wohl 100.000 Dollar kosten

Es war definitiv bekannt, dass Apple bis zuletzt selbstfahrende Testwagen im Silicon Valley auf die Straße schickte. Medienberichte deuteten jedoch darauf hin, dass Apple auch den Innenraum von Fahrzeugen und verschiedene Bauteile entwickelt hat. Ein möglicher Preis für ein Apple-Auto wurde mit 100.000 Dollar angegeben – ein Betrag, der bei Top-Elektromodellen nicht ungewöhnlich ist.

Jedoch verschlechterte sich die Aussichten für den Verkauf von Elektroautos insbesondere auf dem Heimatmarkt von Apple, den USA. Der Vorreiter Tesla, der in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist, hat bisher keine Verkaufsprognose für dieses Jahr abgegeben. Große Autohersteller wie Ford, die in der Corona-Pandemie Ressourcen mobilisiert haben, um Tesla mit elektrischen Versionen ihrer großen Pickups und SUVs zu folgen, haben zuletzt ihre verlustreiche Produktion von Elektrofahrzeugen gebremst. Ihre US-Kunden kaufen derzeit lieber Benzin- und Hybridmodelle – zumindest füllt dies wieder die Kassen der Platzhirsche. Im Gegensatz dazu haben rein auf Elektroautos ausgerichtete Tesla-Herausforderer wie Rivian und Lucid keine zusätzliche Geldquelle, um ihre Verluste auszugleichen.

Künstliche Intelligenz statt Auto?

Ein Teil der Entwickler aus Apples Auto-Team solle künftig an Software mit Künstlicher Intelligenz arbeiten, schrieben Bloomberg und das «Wall Street Journal» unter Berufung auf informierte Personen. Sie sollen sich demnach auf das heiße Thema generative KI fokussieren: Programme wie der Chatbot ChatGPT, die neue Inhalte auf Basis einer gewaltigen Menge erfasster Informationen erzeugen kann. Apples Aktivitäten in dem Bereich sind bisher weniger sichtbar als etwa bei Microsoft, das einen Pakt mit dem ChatGPT-Entwickler OpenAI schloss. Zu Apples Auto-Team gehören aber auch mehrere hundert Hardware-Entwickler, wie Bloomberg berichtete. Sie könnten in anderen Abteilungen unterkommen. Es werde aber auch Entlassungen geben.

In den vergangenen Jahren ließen auch häufige Personalwechsel die Unruhe rings um Apples Projekt erkennen, das laut Medienberichten den Codenamen «Titan» trug. So ging der einst als Leiter eingesetzte ehemalige Tesla-Manager Doug Field 2021 zu Ford, wo er nun das Elektroauto- und Digital-Geschäft verantwortet.

Branchenexperten waren stets skeptisch

Auch wenn in den letzten Jahren viel Spekulationen über ein mögliches Apple-Auto aufgekommen sind, waren einige Branchenexperten skeptisch, ob der Konzern tatsächlich damit vorankommen würde. Sie argumentierten, dass das Geschäft der Autoindustrie zu unterschiedlich sei. Anstatt kompakter Elektronikpakete müssten Fahrzeuge weltweit verschifft und über Jahre gewartet werden. Die Entwicklungszyklen dauern aufgrund von Regulierungsvorschriften Jahre anstatt Monate – und auch die Margen sind viel niedriger als im Kerngeschäft von Apple. Manager aus der Autoindustrie betonten immer wieder, dass es gar nicht so einfach sei, ein Fahrzeug zu entwickeln.

Vielleicht aus diesem Grund gab es immer wieder Spekulationen, dass Apple eine Abkürzung nehmen könnte, indem es einen Autohersteller wie McLaren oder einen Autozulieferer kauft. Vor ein paar Jahren behauptete Tesla-Chef Elon Musk, dass er inmitten der existenziellen Probleme von Tesla beim Produktionsstart des Volumenfahrzeugs Model 3 Apple ein Kaufangebot gemacht habe. Allerdings zeigte Apple-Chef Cook kein Interesse an einem Treffen.

Auch Sony und Xiaomi bringen Elektroauto auf den Markt

Mit einem Start im Jahr 2028 wäre Apple nicht der erste Elektronik-Konzern mit einem eigenen Auto gewesen: Sony plant, sein Elektrofahrzeug, das in Zusammenarbeit mit Honda entwickelt wurde, unter dem Markennamen Afeela im Jahr 2026 auf den Markt zu bringen und präsentiert das Fahrzeug bereits vor der Annahme von Vorbestellungen im kommenden Jahr in den USA. Auch Xiaomi, ein Anbieter von Smartphones und anderen Elektronikprodukten aus China, plant den Verkaufsstart seines Elektroautos SU7 im Heimatmarkt. Google hatte früher einen kleinen selbstfahrenden Zweisitzer entwickelt, mittlerweile integriert die Schwesterfirma Waymo ihre Robotaxi-Technologie jedoch in Elektroautos von Jaguar.

Und Apple wird weiterhin in vielen Autos vertreten sein: Zum Beispiel über die Software Carplay, die es ermöglicht, das iPhone mit dem Bildschirm des Infotainmentsystems zu verbinden. Einige Experten aus der Branche sind der Meinung, dass Apple – sowie Google mit dem ähnlichen Dienst Android Auto – den etablierten Herstellern in Zukunft Konkurrenz im digitalen Geschäft machen könnten. Diese reagieren mit eigenen digitalen Angeboten – und bei General Motors sollen Carplay und Android Auto sogar in zukünftigen Elektromodellen vollständig fehlen.

dpa