Corona-Folgen, hohe Energiepreise und gestiegene Zinsen fordern Tribut: Die Zahl der Firmenpleiten steigt. Von einer «Pleitewelle» wollen Experten aber nicht sprechen.
Mehr Firmenpleiten 2024 erwartet

Laut dem Finanzinformationsdienst Crif wird die Anzahl der Unternehmenspleiten in Deutschland im laufenden Jahr voraussichtlich wieder auf das Niveau vor Corona steigen. Nach einem Anstieg um gut ein Fünftel (22,4 Prozent) auf knapp 17.850 Fälle im vergangenen Jahr erwartet Crif für 2024 19.800 Unternehmensinsolvenzen. Das entspricht ungefähr der Anzahl von Pleiten in den Jahren vor der Pandemie (2018: 19.552, 2019: 19.005).
Die offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes für 2023 werden Mitte März erwartet. Laut Angaben der Wiesbadener Behörde stieg die Anzahl der Firmenpleiten von Januar bis November 2023 im Vergleich zum Vorjahr um knapp ein Viertel (23,2 Prozent) auf 16.264 Fälle. Im gesamten Jahr 2022 hatte das Bundesamt 14.590 Firmenpleiten registriert. Zum Vergleich: Während der Wirtschaftskrise im Jahr 2009 gab es hierzulande fast 33.000 Firmenpleiten.
Trotz steigender Zahlen keine «Pleitewelle»
Von einer «Insolvenzwelle» könne daher trotz des Trends nach oben keine Rede sein, ordnete Crif-Geschäftsführer Frank Schlein ein: «Der Großteil der Unternehmen ist weiterhin finanziell gut aufgestellt, auch wenn eine steigende Anzahl an Großinsolvenzen zu weiteren Insolvenzen führen kann.»
Regional betrachtet hätten die Zahlen im vergangenen Jahr mitunter allerdings «alarmierend» angezogen: so etwa in Bremen (plus 53,9 Prozent), wo es den Crif-Berechnungen zufolge auch die höchste Insolvenzdichte mit 113 Pleiten je 10.000 Unternehmen gab. Über dem Bundesschnitt von 59 Pleiten je 10.000 Firmen lagen auch Berlin (100), Hamburg (78), Nordrhein-Westfalen (76), das Saarland (70), Schleswig-Holstein (64) und Hessen (60). Die wenigsten Pleiten je 10.000 Unternehmen gab es im Jahr 2023 demnach in Thüringen (38).
Mehr Insolvenzen in allen Bundesländern
Laut den Crif-Zahlen stiegen in allen Bundesländern die Insolvenzzahlen im Vergleich zum Vorjahr. Besonders betroffen waren Pflegeeinrichtungen, Call-Center, Gastronomie, Fitnessstudios und private Sicherheitsdienste mit mehr Pleiten als im Vorjahr. Nordrhein-Westfalen (4639), Bayern (2492) und Baden-Württemberg (1862) meldeten absolut gesehen die meisten Firmenpleiten nach Angaben von Crif im Jahr 2023.
Auch andere Experten rechnen damit, dass im laufenden Jahr die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland weiter steigt. Geschwächt von den Corona-Jahren, hohen Energiepreisen und gestiegenen Zinsen geraten immer mehr Firmen in Deutschland in Schieflage. Zudem sind Ausnahmeregelungen ausgelaufen, mit denen der Staat versucht hatte, eine Pleitewelle während der Pandemie abzuwenden. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform beispielsweise hatte Anfang Dezember eine Zahl von «um die 20.000» Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2024 als realistisch bezeichnet. Analysten von Allianz Trade erwarten etwa 20.260 Fälle.








