Beim Schnitzel aus dem Supermarkt können Kunden häufig schon erkennen, wie gut die Tiere einmal lebten. Eine Kennzeichnung des Handels baut ihren Vorsprung in den Kühltheken aus.
Mehr Fleisch aus besseren Ställen – Staatliches Logo später

Beim Kauf von Koteletts oder Kassler schauen die meisten wohl zuerst auf den Preis. Auf vielen Packungen mit Fleisch und Wurst gibt es jedoch bereits Etiketten zu den Haltungsbedingungen der Tiere. Und in den Kühlregalen tut sich etwas: Auch bei Rindfleisch, das zuletzt zu drei Vierteln aus Ställen nur mit den gesetzlichen Mindestanforderungen stammte, gibt es laut Branchenangaben nun eine Bewegung hin zu mehr Produkten mit höheren Standards. Der Start eines staatlichen Logos soll nun erst später, nämlich 2027, erfolgen.
Nach Angaben der Trägergesellschaft zur Agrarmesse Grüne Woche stammten im Jahr 2024 nach einer bereits im Handel eingeführten Kennzeichnung 62,4 Prozent des Rindfleisches aus dem SB-Regal aus der Stufe 1 – im Vergleich zu 75,6 Prozent im Vorjahr. Gleichzeitig stieg der Anteil der Stufe 3 mit mehr Platz und höheren Anforderungen von 5,6 auf 16,7 Prozent. Diese Entwicklung zeigt, dass Landwirte und Händler bereit sind, Maßnahmen für das Tierwohl zu ergreifen, wenn die Nachfrage der Verbraucher dies rechtfertigt.
Kennzeichnungen mit fünf Haltungsstufen
Die seit 2019 bestehende freiwillige Kennzeichnung der Supermarktketten mit dem Aufdruck «Haltungsform» gilt für Fleisch und verarbeitete Produkte von Rind, Schwein und Geflügel. Nach einer Angleichung an das künftige staatliche Logo hat es auf den Etiketten in Rot, Blau, Orange, Hellgrün und Dunkelgrün die Zahlen 1 bis 5 für fünf Stufen mit wachsenden Anforderungen an die Haltung – von der Stufe «Stall» mit den gesetzlichen Mindestanforderungen bis zu «Bio».
In den SB-Regalen ist praktisch kein Geflügelfleisch der untersten Stufe 1 mehr verfügbar. Stufe 2 dominiert mit 88,6 Prozent bei Hähnchen und 78,0 Prozent bei Putenfleisch, während der Anteil der Stufe 3 bei Putenfleisch von 5,3 Prozent auf 18,6 Prozent gestiegen ist. Auch bei Schweinefleisch stammt der Großteil aus Stufe 2 mit 86,3 Prozent. Der Anteil der Stufe 1 ist von 1,5 auf 3,7 Prozent angewachsen. Die Marktschwankungen, die durch Änderungen bei den Haltungsvorgaben verstärkt wurden, sind der Hintergrund, wie erklärt wurde.
Neue Anreize für Landwirte
Angesichts der zunehmenden Bedeutung der Stufe 3 kommen für Bauern auch neue Anreize in Sicht. Die von Landwirtschaft, Fleischwirtschaft, Handel und Firmen der Gastronomie getragene «Initiative Tierwohl» kündigte für 2026 zwei neue Programme mit Preisaufschlägen für zusätzliche Tierwohlanforderungen der Stufen 3 und 4 an. Am jetzigen Programm für Stufe 2 nehmen rund 13.000 Betriebe teil. Abgedeckt werden damit den Angaben zufolge bei Rindern 20 Prozent des Marktes, bei Schweinen 60 Prozent und bei Geflügel 90 Prozent.
Die private Kennzeichnung baut somit ihren Vorsprung aus. Die schwarz-rote Koalition verschiebt das bereits per Gesetz beschlossene staatliche Logo in eine längere Warteschleife. Zur Grünen Woche sollte der Bundestag am Donnerstag beschließen, dass der bereits auf den 1. März 2026 verschobene Start der Pflichtkennzeichnung für Schweinefleisch erst am 1. Januar 2027 erfolgt. Union und SPD planen, das System bis dahin wesentlich zu verbessern und es Mitte 2027 auch auf Restaurants und Kantinen auszudehnen.
Staatliches Logo soll auch in Gastronomie kommen
Bundesagrarminister Alois Rainer dringt dabei auf unkomplizierte Lösungen. «Eine Ausweitung darf nicht zu ausufernder Bürokratie für die Gastronomie führen», sagte der CSU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. «Viele kleine Logos in Speisekarten bei allen Gerichten – das ist nicht praktikabel.» Regeln wollen Union und SPD nun zudem, dass die Kennzeichnungspflicht nicht nur für inländische Ware gilt, sondern auch für importierte. Wegen europarechtlicher Zweifel wurde darauf bisher verzichtet – die geplatzte Pkw-Maut lässt grüßen.
Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten warnte, bei den Nachbesserungen die «ohnehin mangelhafte Kennzeichnung weiter auszuhöhlen». Auf keinen Fall dürfe es unter dem Deckmantel der Praxistauglichkeit zu Abschwächungen kommen. Der Deutsche Tierschutzbund monierte, das Logo bilde anhand weniger grober Eckwerte nur den Status quo der Haltung ab. Verbindliche Anreize für bessere Bedingungen der Tiere würden damit aber nicht gesetzt.








