Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Mehr Schlichtungsfälle wegen Ärger um Flüge und Bahn

Annullierte Flüge, verspätete Züge, verlorenes Gepäck: Mit dem wachsenden Reiseaufkommen nehmen auch die Probleme im Verkehrsalltag wieder zu. Die Schlichtungsstelle hat es 2023 bemerkt.

Auf einer Info-Tafel am Flughafen BER werden Flugausfälle angezeigt. Ein Großteil der Anträge bei der SÖP bezog sich 2023 wie üblich auf den Luftverkehr.
Foto: Paul Zinken/dpa

Passagiere und Fahrgäste, die eine Erstattung streitig machen, können sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) wenden. Im vergangenen Jahr haben dies rund 39.700 Betroffene getan, wie die SÖP bekannt gab. Damit stieg die Anzahl der Anträge um knapp ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr an und erreichte fast das Niveau des bisherigen Rekordjahres 2020 mit damals über 41.000 Beschwerden. Es ist möglich, dass sich die Anzahl der Fälle in diesem Jahr auf einem hohen Niveau einpendelt.

Die meisten Anträge betrafen den Flugverkehr

Ein Großteil der Anträge, rund 84 Prozent, bezog sich wie üblich auf den Luftverkehr. Hier ging es laut SÖP vor allem um annullierte oder nicht angetretene Reisen, um Flugverspätungen oder um verlorene, verspätete oder beschädigte Gepäckstücke. Rund 14 Prozent aller Schlichtungsanträge bezogen sich wiederum auf die Bahn. Hier drehten sich die Konflikte vor allem um Zugausfälle und Verspätungen. «Neu hinzu kamen Schlichtungsanträge im Kontext des Deutschlandtickets», teilte die SÖP weiter mit.

Laut SÖP waren die chaotischen Zustände an deutschen Flughäfen im Jahr 2022 ausschlaggebend für den deutlichen Anstieg im vergangenen Jahr. Insbesondere personelle Engpässe führten im damaligen Sommer aufgrund des wieder anziehenden Passagierverkehrs zu zahlreichen Flugausfällen und Verspätungen.

Diese Probleme wurden auch im ersten Halbjahr 2023 von der Schlichtungsstelle festgestellt, da es in der Regel einige Wochen dauert, bis sich betroffene Reisende mit einem Antrag melden. Vor allem in den Monaten bis einschließlich Juli gingen bei der SÖP in der Regel doppelt so viele Schlichtungsanträge ein wie im Vorjahr. Auch in der zweiten Jahreshälfte blieben die Zahlen hoch, erreichten jedoch nicht mehr das Niveau des Vorjahreszeitraums.

Jede dritte Forderung sofort anerkannt

In rund 85 Prozent der Fälle konnte eine Einigung im Sinne der Reisenden erzielt werden. «Viele Unternehmen zeigten sich im vergangenen Jahr besonders kulant», hieß es. «Mehr als jede dritte Forderung wurde sofort anerkannt, so dass die Streitigkeiten häufig binnen weniger Wochen beigelegt werden konnten.»

Auch im letzten Jahr lief es bei der Bahn nicht alles reibungslos. Auffällig ist, dass sich der Anteil der Anträge mit Bezug zur Bahn bei der SÖP von 12 Prozent im Jahr 2022 auf 14 Prozent im letzten Jahr erhöht hat. Die Anzahl der Streitfälle im Zusammenhang mit der Bahn hat sich somit von rund 3600 auf über 5500 erhöht. Die SÖP verweist auf neue Fälle aufgrund des Deutschlandtickets. Detailliertere Analysen dazu will sie im Jahresbericht Ende März veröffentlichen.

Schlechte Aussichten für 2024

Es gab viele Probleme nicht nur im Regional-, sondern auch im Fernverkehr. Im November kam fast die Hälfte der Fernzüge zu spät ans Ziel. Fast jeder dritte Fahrgast war von Verspätungen betroffen. Der schlechte Zustand der Infrastruktur ist der Hauptgrund für die hohe Unzuverlässigkeit auf der Schiene. Im Jahr 2023 gab es insgesamt vier Warnstreiks aufgrund verschiedener Tarifauseinandersetzungen bei der Bahn.

Es wird erwartet, dass sich dies auch in diesem Jahr fortsetzt. Einerseits wird der Tarifstreit mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer fortgesetzt. Andererseits wird es noch Jahre dauern, bis die Probleme mit der Infrastruktur behoben sind. Die Bahn plant, ab diesem Sommer Dutzende stark befahrene Korridore zu sanieren. Der erste Abschnitt wird auf der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim durchgeführt. Die Strecken werden für mehrere Monate vollständig gesperrt und dann umfassend erneuert. Für die Fahrgäste wird es vorerst stressiger, bevor es möglicherweise besser wird.

Erstattungen bei der Bahn

Seit ein paar Jahren besteht die Möglichkeit für Reisende, auch online eine Erstattung eines Teils des Fahrpreises bei Verspätungen zu beantragen. Wenn eine Stunde Verspätung vorliegt, erstattet die Bahn ein Viertel des Preises und bei zwei Stunden Verspätung die Hälfte.

Immer wieder gibt es Forderungen, die Erstattungssumme zu erhöhen oder schon bei kürzeren Verspätungen die Fahrgäste zu entschädigen. «Es braucht jetzt eine Entschädigung, die für die Betroffenen auch wirklich einen gewissen Ausgleich darstellt und zugleich auch der Bahn wehtut und zu Besserem anspornt», sagte der CDU-Verkehrspolitiker Thomas Bareiß der «Rheinischen Post». Die Bahn wiederum verteidigt die eigenen Regelungen als die großzügigsten aller Verkehrsmittel.

Viele Beschwerden auch in diesem Jahr

Die SÖP rechnet auch für dieses Jahr mit einem hohen Antragsaufkommen. «Wir gehen davon aus, 2024 mehr oder weniger so viele neue Schlichtungsanträge zu erhalten wie 2023», teilte die Stelle mit. Immer mehr Reisende nutzten die SÖP und der Fachkräftemangel sowie die Infrastrukturprobleme insbesondere bei der Bahn blieben eine Herausforderung.

Seit 2010 ist die SÖP für Probleme im Zusammenhang mit Flug-, Bus-, Bahn- und Schiffsreisen zuständig. Hauptsächlich geht es um Entschädigungen bei Flug- und Bahnverspätungen oder -ausfällen. Etwa 400 Verkehrsunternehmen beteiligen sich an dem Schlichtungsverfahren, das sie selbst finanzieren.

dpa