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Rekordjahr für Autokonzerne – Umsatz und Gewinn auf Höchststand

Die größten Autokonzerne erzielten 13,7% mehr Umsatz und 15% höheren Gewinn, jedoch mit Bremsspuren im Schlussquartal.

Mercedes-Benz war im vergangenen Jahr der profitabelste unter den weltweit größten Autokonzernen.
Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Laut einer Analyse haben die weltweit größten Automobilkonzerne im vergangenen Jahr Rekorde bei Umsatz und Gewinn erzielt. Im Schlussquartal wurden jedoch in der Branche Bremsspuren festgestellt, wie aus der Untersuchung der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY hervorgeht. EY hat für die aktuelle Analyse die Finanzkennzahlen der 16 größten Automobilkonzerne ausgewertet.

Dank der hohen Neuwagenpreise und einem Absatzplus von sieben Prozent erzielten die Konzerne insgesamt einen Umsatz von über zwei Billionen Euro – das sind 13,7 Prozent mehr als 2022. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg um etwa 15 Prozent auf rund 176 Milliarden Euro. Ein wichtiger Grund für diese Zuwächse war jedoch ein Sondereffekt: Der schwache Yen führte dazu, dass japanische Autokonzerne einen Gewinnanstieg von etwa zwei Dritteln und ein Umsatzwachstum von 22 Prozent verzeichneten. Der Rest war weniger dynamisch: Die deutschen Hersteller verzeichneten zusammen ein Gewinnwachstum von sieben Prozent, während die US-Konzerne einen Ertragsrückgang von fast 30 Prozent verzeichneten.

Die Profitabilität stieg leicht: Die durchschnittliche Ebit-Marge, die den operativen Gewinn ins Verhältnis zum Umsatz setzt, betrug 8,6 Prozent. Sie bleibt somit das dritte Jahr in Folge über acht Prozent. Im Vergleich: Vor Ausbruch der Corona-Pandemie lag die Gewinnmarge in den fünf Jahren durchschnittlich bei 5,5 Prozent.

Mercedes-Benz ist profitabelster Autokonzern 

Im vergangenen Jahr war Mercedes-Benz mit 12,8 Prozent der profitabelste Autokonzern. Die Stuttgarter führen die Rangliste vor der Opel-Mutter Stellantis (12,1 Prozent) und BMW (11,9 Prozent) an. Im Vergleich zum Vorjahr sank jedoch die Marge der Stuttgarter, während die Marge der Zweit- und Drittplatzierten zurückging. Den stärksten Rückgang verzeichnete jedoch Tesla im Jahr 2023: Die Marge des Elektroautoherstellers sank von 16,8 auf 9,2 Prozent, womit sich das Unternehmen im Mittelfeld platzierte. Der Volkswagen-Konzern belegte den zehnten Platz. Schlusslicht war der US-Autobauer Ford.

Im vierten Quartal trübte sich das Bild im Vergleich zum ganzen Jahr aber ein: Der Umsatz stieg unterdurchschnittlich um neun Prozent, der Gewinn schrumpfte um fünf Prozent. EY-Marktbeobachter Constantin Gall teilte mit: «Im vergangenen Jahr konnte die Branche noch von hohen Neuwagenpreisen und der wiederhergestellten Lieferfähigkeit profitieren. Allerdings wurden auch die Probleme, vor denen die Branche steht, immer deutlicher».

EY-Experte sieht Branche mit mehreren Problemen konfrontiert

Als ein Problem der Branche machte Gall die schwächelnde Konjunktur aus. Der Absatz von Neuwagen liegt demnach weit unter dem Vor-Corona-Niveau: Im vergangenen Jahr haben die Hersteller etwa 66 Millionen Autos verkauft, im Jahr 2019 waren es knapp 76 Millionen Fahrzeuge. Die Folge: «Überkapazitäten sind aktuell ein echtes Problem für die Hersteller, aber auch für die Zulieferer. Und von einer Konjunkturaufhellung, die zu einem echten Nachfrageschub führen könnte, ist derzeit nichts zu sehen», sagte Gall. 

Auch der stockende Hochlauf der E-Mobilität belaste das Geschäft: «Im Vertrauen auf einen rasanten Anstieg der Nachfrage nach Elektroautos wurden Milliardeninvestitionen getätigt, und nun wachsen die Zweifel – in der Politik, in der Branche und bei den Kunden», sagte Gall. Die aktuellen Milliardengewinne seien fast ausschließlich Verbrennermodellen zu verdanken. Bis die Branche mit Elektroautos echtes Geld verdiene, werde es noch lange dauern. 

Zudem verlangsamte sich der Verkauf in China: Laut Untersuchungen haben bis auf Volkswagen und BMW alle Hersteller im Jahr 2023 weniger Autos auf dem chinesischen Markt abgesetzt. Im Schnitt ging der Verkauf dort um 5,4 Prozent zurück. Chinesische Elektroautohersteller würden auch immer mehr die etablierten Hersteller auf ihren Heimatmärkten herausfordern, so Gall. Diese Herausforderung werde in den kommenden Jahren noch zunehmen.

Dudenhöffer: Autobauer und Händler umwerben Käufer

Für Verbraucher könnte etwa die Überkapazitäten in der Branche auch zum Vorteil werden: Immer mehr Hersteller versuchen EY zufolge, Kundinnen und Kunden mit Preissenkungen, günstigen Finanzierungsangeboten und Sondermodellen zurück in die Autohäuser zu locken. «Der Wettbewerb wird wieder stark über den Preis ausgetragen», sagte Gall.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer beobachtet dies ebenfalls. „Aktuell gibt es gute Angebote, jedoch vor allem bei Verbrennern“, sagte Dudenhöffer. Im April wurden im Schnitt 16,9 Prozent Rabatt auf diese Modelle auf dem deutschen Markt bei Internetvermittlern gewährt. Dies ist deutlich mehr als im Vorjahr, als es noch Lieferengpässe gab. Bei vergleichbaren E-Modellen hingegen gab es nur 12,6 Prozent Nachlass.

Steigerungen um ein bis zwei Prozentpunkte sind Dudenhöffer zufolge bei Verbrennern noch denkbar. «Aber die Bäume werden nicht in den Himmel wachsen. Die Autobauer und Händler umwerben die Autokäufer – aber nicht zu jedem Preis.» Für die Studie hatte der Experte die Rabatte ermittelt, die unabhängige Neuwagenvermittler im Internet auf ausgewählte Modelle gewähren. Untersucht wurden je 15 Verbrenner- und Elektromodelle von elf Herstellern.

dpa