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Mercedes: So viel Rüstung steckt schon im Autokonzern

Mercedes-Benz erweitert seine Aktivitäten im militärischen Sektor und sieht große Chancen in der Rüstungsindustrie. Mit Aufträgen für Geländewagen und Lkw von Ländern wie Frankreich und Deutschland positioniert sich der Autobauer strategisch in einem wachsenden Markt.

Mercedes: So viel Rüstung steckt schon im Autokonzern
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Stuttgart – Der Traum vieler Autofans weltweit wird für eine wachsende Zahl von Soldaten bald Realität: Sie werden in Mercedes-Fahrzeugen unterwegs sein. Die renommierte deutsche Automarke verstärkt ihre Aktivitäten im Rüstungsbereich. Während das Pkw-Geschäft mit Herausforderungen konfrontiert ist, boomt die Rüstungsindustrie. Die Lkw-Sparte von Mercedes, die auch militärische Fahrzeuge produziert, verzeichnet einen Anstieg der Aufträge.

So hat Frankreich kürzlich 7000 Zetros-Lkw (Allradantrieb, 6 Tonnen) bestellt und eine Kooperation mit dem deutschen Drohnenhersteller „Quantum Systems“ eingegangen. Auch die Bundeswehr hat bereits Hunderte „Arocs 6×6“-Lkw für logistische Zwecke bei Daimler Trucks, an dem Mercedes mit 30 Prozent beteiligt ist, geordert. Litauen hat ebenfalls Interesse gezeigt.

Strategische Pläne für den Militärsektor

Mercedes plant eine gezielte Expansion im militärischen Bereich, wobei der Fokus auf Großaufträgen liegt. Besonders gefragt sind die Geländewagen der Mercedes-G-Klasse, die in der Bundeswehr als „Wolf“ bekannt sind. Darüber hinaus sind der „Unimog“ und der Lieferwagen „Sprinter“ bis hin zu schweren Lkw Teil des Angebots. Die Aussicht auf Großserienbestellungen von mehreren Tausend Fahrzeugen ist für das Unternehmen besonders attraktiv. Mercedes-Chef Ola Källenius äußerte sich in einem Interview mit dem „Wall Street Journal“:

„Wir wären dazu bereit.“

Innovationen im Fahrzeugdesign

Der Sprinter wird als Truppentransporter konzipiert: Was für Logistikunternehmen, Handwerker und Wohnmobilbauer von Nutzen ist, soll auch den Streitkräften zugutekommen. Diese flexiblen Transporter sind für den schnellen und zuverlässigen Personentransport hinter den Frontlinien ausgelegt und können auf Wunsch gepanzert oder militärisch ausgestattet werden. Das Chassis könnte künftig auch als Basis für den Rüstungskonzern Rheinmetall dienen.

Die G-Klasse wird weiterentwickelt: Ursprünglich auf Wunsch des Schahs von Persien in den 70er Jahren als Militärfahrzeug konzipiert, wird der „Wolf“ nun für moderne Kriegsführung angepasst. Mercedes arbeitet mit Quantum an einer Vernetzung von Lkw und Drohnenschwärmen.

Positionierung im Rüstungsmarkt

Ein Sprecher von Mercedes erklärte:

„Grundsätzlich entwickelt und produziert Mercedes-Benz zivile Fahrzeuge. Unsere Aktivitäten im Sicherheits- und Verteidigungsbereich sind ein strategisches Entwicklungsfeld, das wir aktiv und in Kooperation mit Partnern weiter gestalten werden.“

Es wird jedoch betont, dass Mercedes kein Rüstungskonzern werden will. In den eigenen Werken werden keine Panzer, Geschütze oder Munition hergestellt; die Aufrüstung der Fahrzeuge erfolgt in Zusammenarbeit mit Partnern. Derzeit sind bereits mehr als 20 Länder im Besitz von Mercedes-Militärtrucks.

Kooperationen in der Automobil- und Rüstungsindustrie

Die Suche nach Kooperationen ist nicht auf Mercedes beschränkt: Rüstungsunternehmen suchen aktiv den Kontakt zur kriselnden deutschen Automobilindustrie. Beispiele hierfür sind:

  • Der israelische Konzern Rafael sucht nach Produktionsstätten in Deutschland für Raketenabwehrsysteme (Iron Dome) und den Bau seiner Laserkanone.
  • Der Panzerbauer KNDS (Leopard, Boxer) hat so viele Aufträge, dass er über die Übernahme oder Teilnutzung des Mercedes-Werkes in Ludwigsfelde bei Berlin verhandelt.
  • Das VW-Werk in Osnabrück, das 2027 schließen soll, steht ebenfalls auf der Liste von KNDS für den Boxer.
  • BMW, das im militärischen Bereich weniger aktiv ist, verhandelt Berichten zufolge über Lösungen für autonomes Fahren im Militärsektor.

Diese Entwicklungen bieten den deutschen Automobilherstellern die Möglichkeit, von Kleinserien auf Großserienproduktion umzusteigen. Im Gegensatz zum zivilen Markt gibt es im Militärbereich keine Rabattschlachten, keine Leasingrückläufer und eine verlässliche Kalkulation. Zudem gibt es in Europa keine Konkurrenz aus China.

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Quellen: Bild, Handelsblatt

Bildquelle: depositphotos

TS