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Neue Trends auf der Eurobike: E-Bikes im Fokus

Technische Innovationen und wirtschaftliche Herausforderungen prägen die Fahrradmesse in Frankfurt. Die Branche steht vor schwierigen Zeiten.

BMX-Profi Sergio Layos aus Spanien zeigt beim freien Training für den Eurobike Skyline BMX Contest auf dem Frankfurter Messegelände sein Können.
Foto: Arne Dedert/dpa

Wenn am kommenden Mittwoch die Eurobike, die führende Fahrradmesse in Frankfurt, beginnt, steht mehr als nur Freizeitspaß im Vordergrund. Die Experten, die sich zum Begleitkongress versammeln, sind sich einig, dass das Fahrrad einen bedeutenden Beitrag zur Lösung der Verkehrsprobleme in den Städten leisten und die CO2-Probleme des Verkehrssektors reduzieren kann.

Eine Reihe technischer Innovationen werden vom 3. bis 7. Juli zunächst Fachleuten und dann am Wochenende auch der breiten Öffentlichkeit präsentiert. In schwierigen wirtschaftlichen Zeiten können unter anderem verbesserte Elektroantriebe und erweiterte Teststrecken für agile Neukonstruktionen von Lastenfahrrädern oder digitale Lösungen für die alltäglichen Probleme von Radfahrern erlebt werden.

Die Frankfurter Messe steht vor einer herausfordernden Zeit für die Branche. Nach dem Ende des Corona-Booms war der deutsche Markt bereits 2023 von einem deutlichen Überangebot an Fahrrädern geprägt, das in Zeiten einer schwachen Konjunktur nicht auf ausreichende Nachfrage stieß. Laut Sprecher Frank Gauß hat die Eurobike im Vergleich zum Vorjahr knapp 100 Aussteller verloren, aber gleichzeitig neue große Marken wie Giant oder Kalkhoff gewonnen. Das gesamte westliche Messegelände wird erneut mit 150.000 Quadratmetern belegt.

Bio-Bikes bringen wenig Umsatz

4 Millionen Fahrräder und damit 600.000 weniger als im Vorjahr wurden 2023 in Deutschland verkauft, von denen erstmals die Mehrheit (2,1 Millionen Stück) einen elektrischen Antrieb hatte. Mit einem erneut gestiegenen Durchschnittspreis von knapp 3000 Euro sind die E-Bikes für Hersteller und Handel das weit lukrativere Geschäft als die herkömmlichen, mit Muskelkraft getriebenen «Bio-Bikes», die über alle Vertriebskanäle im Schnitt nur 470 Euro brutto erlösten, wie der Industrieverband ZIV berichtet. Einzige Ausnahme sind hochwertige Rennräder, die einer bestimmten Klientel durchaus auch als Prestige-Objekt taugen. 

Bei der Eurobike konzentrieren sich die meisten Blicke daher auf die weiteren Entwicklungen im Bereich der E-Bikes. Große Autozulieferer wie Bosch, Mahle oder ZF verfeinern technisch die wesentlichen Komponenten wie Motoren, Batterien und Steuerungen unter anderem mit Anwendungen künstlicher Intelligenz. Ein Highlight für Technik-Freaks ist zum Beispiel die kompakte Motor-Getriebe-Einheit von Pinion, die in diesem Jahr auch als Automatik präsentiert wird. Der Experte Gunnar Fehlau vom Pressedienst Fahrrad hat zudem das Thema Gewicht als Mega-Trend identifiziert. Kaum jemand braucht im Alltag oder bei der Feierabendrunde immer stärkere Motoren und größere Akkus. Stattdessen sollten Pendler-Bikes und Lastenräder leicht und damit handhabbar sein.

Frühe Rabattschlacht

Auch in diesem Jahr hatte die wetterfühlige Branche Pech mit der Witterung im durchwachsenen Frühjahr. Die Rabattschlacht hat früher begonnen als üblich. Schon im Frühsommer sind renommierte Marken wie Koga oder Specialized mit offen beworbenen Preisnachlässen im Markt. Auch einige Fachhändler werben bereits mit Preisnachlässen. «Auch 2024 wird noch einmal ein sehr schwieriges Jahr», sagt Wasilis von Rauch von der Initiative Zukunft Fahrrad, der erst für 2025 ein neues Normal-Level erwartet.

Diensträder stützen Geschäft 

Eine Stütze bleibt das populäre Dienstrad-Leasing, das von den Beschäftigten vor allem zur Anschaffung sehr hochwertiger und entsprechend teurer Bikes genutzt wird. Nachdem 2023 noch einmal rund 790.000 Diensträder an die Kundschaft gebracht wurden, sind inzwischen rund 2 Millionen auf den Straßen unterwegs. «Wir wären viel schlimmer in der Krise, wenn es kein Leasing gäbe», sagt der Branchenexperte und Jobrad-Aufsichtsrat Ralf Kindermann. 

Eine zunehmende Sorge bereitet jedoch die steigende Anzahl von Leasing-Rückläufern, die nach drei Jahren nicht von ihren Mietern übernommen werden. „Sie erzielen derzeit nicht die erwarteten Wiederverkaufswerte“, gibt Kindermann zu. Daher wächst das Angebot an preisgünstigen und generalüberholten E-Bikes bei spezialisierten Gebrauchthändlern, es entstehen neue Schnäppchenmärkte für nicht mehr brandneue E-Bikes.

Schirmherren sollen unterstützen

Der Fahrradboom der Corona-Jahre ist erst einmal vorbei, so viel ist bereits vor der Eurobike sicher. Ein Bündnis aus mehreren Verkehrsverbänden hat eine stärkere Förderung nachhaltiger Mobilität durch den Bund gefordert. «Es braucht gleichwertige Voraussetzungen auf den Straßen für alle Verkehrsmittel», heißt es in einem Forderungspapier, das die Verbände Allianz pro Schiene, Bundesverband Carsharing, Zukunft Fahrrad und der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen am Montag in Berlin vorstellten. «Dafür braucht es unter anderem eine Milliarde Euro pro Jahr für attraktive und sichere Fahrradinfrastruktur.» Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) ist gemeinsam mit dem hessischen Amtskollegen Kaweh Mansoori und Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef (beide SPD) Schirmherr der Eurobike. 

dpa