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Mitarbeitende auf vier Beinen – mehr Bürohunde seit Corona

Klärchen ist als Kollegin sehr beliebt. Kein Wunder, als Bürohund ist sie auch für die Wohlfühlatmosphäre verantwortlich. Das Beispiel aus Nürnberg ist längst kein Einzelfall mehr – auch wegen Corona.

Die Französische Bulldogge Klärchen vom Münchhof im Büro der Werbeagentur media4nature auf dem Schoß einer Mitarbeiterin.
Foto: Daniel Karmann/dpa

Wer die Werbeagentur von Magnus Hetz in Nürnberg betritt, muss erstmal durch die Kontrolle. Sobald sich die Tür öffnet, kommt die Französische Bulldogge Klärchen aufgeregt angeschossen, beschnuppert den Besuch und ganz besonders dessen Taschen – es könnte sich schließlich etwas Leckeres darin verstecken. Dadurch sei das Eis meist schnell gebrochen, erzählt Hetz. «Da hat man sofort ein Gesprächsthema.»

Seit sieben Jahren ist Klärchen als Bürohund in der Agentur und nicht nur deren Aushängeschild in den sozialen Medien. «Sie ist sowohl Entspannungs- als auch Sicherheitsmanagerin», sagt Hetz lachend. Neben den Taschenkontrollen hilft sie den Mitarbeitenden auch bei der Arbeit – zumindest indirekt. «Wenn mir keine Idee kommt, schnappe ich mir Klärchen und gehe mit ihr eine Runde an der frischen Luft», erzählt Mitarbeiterin Anette Rehm. Und wenn sie im Winter am Schreibtisch sitze, klettere Klärchen auf ihren Schoß und wärme sie.

Der aktuelle Stand

Natürlich ist die Agentur von Hetz eher klein und Klärchen seine Hündin – was aber Zufall sei und nicht Chefprivileg, betont Hetz. Doch Beispiele wie diese gibt es dem Bundesverband Bürohund zufolge inzwischen etliche in Deutschland und das auch in großen Firmen. «Es ist nicht mehr ganz so exotisch, Hunde am Arbeitsplatz anzutreffen wie es früher einmal war, aber sie sind auch keine Selbstverständlichkeit in den Büros», sagt Nadia Wattad vom Deutschen Tierschutzbund. Dieser wirbt jedes Jahr mit dem Aktionstag «Kollege Hund» für ein Miteinander von Mensch und Vierbeiner bei der Arbeit.

Haustier-Boom hat auch Folgen für die Arbeitgeber

Während der Corona-Zeit haben sich viele Menschen einen Hund angeschafft, weil sie im Homeoffice mehr Zeit für ein Haustier hatten. Und das hat nun Folgen für die Unternehmen. «Nach der Pandemie hatten wir eine Verdreifachung der Kontaktaufnahmen vor allem von Unternehmen, darunter auch viele weltweit tätige Konzerne», sagt Markus Beyer, Vorsitzender des Bürohunde-Verbands. Auch der Arbeitskräftemangel führt seiner Ansicht nach zu einem Umdenken bei den Unternehmen. «Die Personalabteilungen haben registriert, dass die Genehmigung, den eigenen Hund mitzubringen, hilfreich bei der Mitarbeiterbindung und beim Recruiting sein kann.»

So prüft Siemens das Thema gerade an verschiedenen Standorten deutschlandweit. «Grundsätzlich sehen wir in Bezug auf Hunde im Büro einen erhöhten Bedarf, weil unsere Mitarbeitende dies vermehrt nachfragen», teilte eine Sprecherin mit. Möglich wäre zum Beispiel ein Hunde-Büro, in dem die Angestellten Arbeitsplätze für sich und ihren Hund buchen könnten. Auch über die Einrichtung einer Tagesstätte für Hunde werde parallel nachgedacht.

Betriebsvereinbarung und Chief Dog Officer

Es besteht kein Recht darauf, den Hund mit ins Büro zu nehmen. Wenn Vorgesetzte und das Team zustimmen, sollten wir eine Betriebsvereinbarung treffen, in der die Rechte und Pflichten aller Beteiligten festgehalten sind, empfiehlt Beyer. Es ist auch wichtig, eine hundefreie Zone für Mitarbeiter einzurichten, die Angst vor Hunden haben oder an Allergien leiden. Idealerweise sollte das Unternehmen einen Chief Dog Officer ernennen, also eine hauptamtliche Hundebeauftragte wie Kerstin Drobniewski.

Eigentlich ist Drobniewski Sachbearbeiterin beim Medienkonzern Axel Springer in Berlin, seit zwölf Jahren kümmert sie sich aber zusätzlich um die Bürohunde. Etwa 250 seien es aktuell, sagt Drobniewski. «Die Nachfrage hat etwas nachgelassen. Der Hype war vor zwei Jahren.» Trotzdem seien täglich 50 bis 80 Hunde im Haus.

Hausausweis für Hunde

Nur diejenigen, die einen Hausausweis besitzen, erhalten Einlass – und dafür müssen Frauchen oder Herrchen einen Antrag bei Kerstin Drobniewski stellen, bei dem unter anderem Impfpass, Haftpflichtversicherung und die Zustimmung des Teams Voraussetzung sind. Drobniewski erläutert, dass sie den Hund nach dem Antrag genauer betrachtet und verschiedene Tests durchführt. Die Halterin oder der Halter müssen beispielsweise ein Leckerli aus dem Maul des Hundes holen oder ihn zu sich rufen, während die Chief Dog Officer ihn mit einem Plüschtier ablenkt.

Die Vorteile

«Studien belegen, dass Hunde am Arbeitsplatz die Zufriedenheit der Mitarbeitenden, deren Motivation und das Arbeitsklima fördern», sagt Tierschutzbund-Sprecherin Wattad. Das gilt aber nicht nur für die Besitzerinnen und Besitzer der Hunde. «Auch Mitarbeitende ohne Hund profitieren von der Anwesenheit, weil sie den Hund streicheln können oder sich bei Spaziergängen anschließen», sagt Beyer. Das reduziere Stress und unterbreche das ständige Gedankenkarussell. «Man kommt runter», bestätigt Drobniewski.

Auch die Hunde profitieren

Laut dem Deutschen Tierschutzbund möchten Hunde so viel Zeit wie möglich mit ihren Bezugspersonen verbringen. Es wäre also ideal, wenn sie ihre Bezugspersonen ins Büro begleiten könnten, solange dabei auf ihre Bedürfnisse geachtet wird, sagt Expertin Wattad. Wenn ein Hund vor dem Büro und in der Mittagspause genug Bewegung bekommt, verbringt er den Rest des Tages mit Ruhen und Schlafen.

Aber: «Nicht jeder Hund ist als Bürohund geeignet», meint Beyer vom Bürohunde-Bundesverband. Das sei vor allem abhängig von der Persönlichkeit des Hundes und seinem Verhältnis zum Menschen.

Probleme mit Hunden hat es bei Axel Springer jedenfalls bisher nicht gegeben. «Wir haben hier noch nie Ärger gehabt und noch nie eine Beschwerde», sagt Drobniewski. Sie selbst beobachte regelmäßig Hunde, die kurz vor dem Bürogebäude an der Leine zerrten, weil sie schnell hineinwollten. «Die fühlen sich wohl hier», meint sie.

dpa