15 Prozent der Unternehmen wollen ihre Lieferketten in Richtung Indien ausweiten, da das Land als interessantestes außereuropäisches Land für die Neuausrichtung gilt.
Deutsche Mittelständler entdecken Indien als neuen Standort,USA verliert an Beliebtheit

Mehr deutsche Mittelständler interessieren sich für Indien, während die Beliebtheit der USA im Wahljahr abnimmt. Dies zeigt eine Sonderumfrage der DZ Bank unter über 1000 Geschäftsführern und Entscheidern, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.
Demnach möchten 15 Prozent der Unternehmen ihre Lieferketten in den nächsten fünf Jahren verstärkt in Richtung Indien ausweiten. Bei einer vorherigen Erhebung im Herbst 2022 gaben das nur gut 10 Prozent an. Damit sei Indien für den Mittelstand das «interessanteste außereuropäische Land für die Neuausrichtung der Lieferketten geworden», so die DZ Bank. Viele Firmen hätten die starke Wachstumsdynamik im bevölkerungsreichsten Land der Welt erkannt. Auch China gewinne wieder an Beliebtheit – trotz Spannungen mit Taiwan, hieß in der repräsentativen Umfrage, die zwischen 5. März und 2. April stattfand.
Eine Krise nach der anderen – Firmen sichern sich ab
Nach den vorangegangenen Krisen – darunter Corona, Ukraine-Krieg und Energiepreisanstieg – planten fast 40 Prozent der Mittelständler, ihre Lieferketten umzustrukturieren, so wurde berichtet. Insbesondere große Mittelständler mit einem Jahresumsatz von mindestens 50 Millionen Euro zieht es nach Indien: Fast jeder Vierte plant, die Handelsbeziehungen zu erweitern.
«Dass Indien und beispielsweise auch Südostasien zunehmend wichtiger werden, liegt vor allem daran, dass die Firmen ihre Lieferketten angesichts zunehmender politischer Unsicherheiten weiter diversifizieren wollen», sagt DZ-Bank-Analyst Claus Niegsch.
Angst vor Trump: USA verlieren an Beliebtheit
Im Hinblick auf die USA scheint die Euphorie im Mittelstand hingegen abzunehmen, so wurde berichtet. Insbesondere niedrige Energiekosten und gewaltige Subventionen der US-Regierung haben in den letzten Jahren deutsche Unternehmen angezogen. Doch laut Umfrage planen nur noch zwölf Prozent der Befragten, sich künftig verstärkt auf den US-Markt zu konzentrieren (Herbst 2022: 15 Prozent). Neun Prozent möchten sich von dort zurückziehen. Insbesondere die Chemieindustrie hat das Interesse verloren – möglicherweise auch, weil sich die Energiepreise in Deutschland normalisiert haben.
Doch auch Sorge um einen möglichen Präsidenten Donald Trump sowie höhere Zölle und eine europäische Gegenreaktion könnten eine Rolle beim Umfrageergebnis gespielt haben, vermutet die DZ Bank. «Eine solche Entwicklung würde die USA als Teil der Lieferketten deutlich unattraktiver machen.»
Risiken und Chancen: Mittelstand kann nicht ohne China
17 Prozent der Befragten haben auch angegeben, dass China in den nächsten fünf Jahren wichtiger für ihr eigenes Geschäft wird. Aufgrund der niedrigen Produktionskosten und der engen Verflechtung bleibt China unverzichtbar, sagt Niegsch. Gleichzeitig plant etwa jeder zehnte Mittelständler, die Handelsbeziehungen zu dem Land abzubauen.
Die wichtigste Handelsregion bleibt indes Europa. 21 Prozent der Firmen wollen laut Studie den Ausbau der Lieferketten in Westeuropa forcieren und 24 Prozent in Mittel- und Osteuropa. Zugleich will gut jeder Zehnte seine Lieferketten aus Europa weg verlagern, so die DZ Bank. «Der Mittelstand wagt sich damit zunehmend wieder aus den sicheren Häfen heraus.»
„Es tut mir leid, aber ich kann Ihnen nicht helfen“, sagte der Angestellte höflich.








