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Möbelgeschäft schwächelt: Es droht ein 15-Jahres-Tiefstwert

Die Möbelbranche ist unter Druck, die Geschäftseinbußen im vergangenen Jahr waren heftig. Wie geht es dieses Jahr weiter? Aktuelle Zahlen geben wenig Anlass zur Hoffnung.

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Möbel bei der Einrichtungsmesse IMM im Jahr 2024. Für 2025 wurde die Messe abgesagt. (Archivbild)
Foto: Henning Kaiser/dpa

Deutschlands Möbelhersteller verlieren an Boden, weil die Menschen weniger Geld für Sofas, Tische, Stühle, Betten und Matratzen ausgeben. Nachdem die Branche schon im vergangenen Jahr ein Umsatzminus von 7,8 Prozent hinnehmen musste, schwächelte das Geschäft auch 2025. In der ersten Jahreshälfte sanken die Erlöse um 5,1 Prozent auf 7,9 Milliarden Euro, wie der Verband der deutschen Möbelindustrie in Köln mitteilte.

Die Prognose für das Gesamtjahr sieht ein Minus von drei Prozent vor – somit würden es nur knapp 15,9 Milliarden Euro sein, was so wenig ist wie schon lange nicht mehr. Im Jahr 2010 lagen die Erlöse bei rund 15,8 Milliarden Euro – möglicherweise wird sogar dieser Wert unterschritten.

«Die Erholung der Verbraucherstimmung lässt weiter auf sich warten», sagte der Verbandsgeschäftsführer Jan Kurth. Als weiteren Grund für die Entwicklung nannte er die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, zu denen die Folgen der US-Zollpolitik gehörten. 

Er meinte, dass deutsche Möbelexporteure in den USA aufgrund gestiegener Zölle Preiserhöhungen vornehmen müssen, was ihre Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt. Früher wurden Möbel aus Deutschland in den USA mit einem durchschnittlichen Zollsatz von 2,5 Prozent belegt, im April stieg dieser auf pauschal 10 Prozent und seit diesem Monat sind es 15 Prozent.

Schwerer Stand in den USA

Die Vereinigten Staaten belegen im Ranking der wichtigsten Exportländer für deutsche Möbelunternehmen zwar nur den 10. Platz. Dennoch haben die indirekten Auswirkungen der US-Zollerhöhung negative Folgen: Asiatische Hersteller verlagern ihre Ausrichtung und konzentrieren sich nicht mehr auf Nordamerika, sondern auf Europa – was zu einem Anstieg des Preisdrucks für deutsche Hersteller im Inland führt.

Im ersten Halbjahr stieg der Wert chinesischer Möbelimporte in Deutschland um ein Viertel auf 1,7 Milliarden Euro. Kurth sagte, dass der reine Preiskampf gegen solche Konkurrenz aussichtslos sei. «Wir werden nicht mit China konkurrenzfähig, wenn es darum geht, einen Stuhl für 25 Euro herzustellen.» Man könne aber mit Argumenten zur Qualität, Sicherheit und Herkunft der Materialien überzeugen.

Die Möbelbereiche entwickelten sich unterschiedlich. Der Absatz von Matratzen und Büromöbeln sank im ersten Halbjahr besonders stark, und auch das Geschäft mit Polstermöbeln lief überdurchschnittlich schlecht. Das Minus bei Küchenmöbeln war vergleichsweise gering.

Im Februar hatte der Verband noch erwartet, dass der Umsatz in diesem Jahr leicht steigen würde. Nun hat der Verband seine Prognose geändert und geht für das Gesamtjahr 2025 von einem Minus von drei Prozent aus. Verbandschef Kurth erklärte dies unter anderem damit, dass die erhoffte Aufbruchstimmung mit der neuen Bundesregierung bisher ausgeblieben ist.

Herbstwetter könnte Möbelverkäufe anschieben

Im Herbst soll es immerhin etwas bergauf gehen. Dann ist die Urlaubszeit zu Ende, das Wetter wird schlechter und die Menschen verbringen mehr Zeit in ihren eigenen vier Wänden, wodurch sie verstärkt über die Anschaffung neuer Möbel nachdenken, so die Erfahrungen der Möbelindustrie.

Der Fokus der deutschen Möbelindustrie liegt in Ostwestfalen. Die Branche steht schon seit einiger Zeit unter Druck, einige Unternehmen sind in die Insolvenz geraten: Der Betten- und Schrankhersteller Loddenkemper aus Oelde sowie der Küchenfabrikant RWK & Kuhlmann haben in diesem Jahr die Produktion eingestellt.

dpa