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Nach 50 Jahren ist Schluss: Kein Kohle mehr aus Jänschwalde

Dieses Mal bekam das Steigerlied für die Bergleute eine besondere Bedeutung: Der Tagebau nahe Cottbus fördert keine Kohle mehr. Die Flächen sollen in Zukunft aber weiter zur Stromversorgung beitragen.

Das letzte Stück Braunkohle aus dem Tagebau Jänschwalde Nach fast 50 Jahren endet der reguläre Betrieb des Braunkohletagebaus nordöstlich von Cottbus in Brandenburg.
Foto: Patrick Pleul/dpa

Der reguläre Betrieb zur Förderung von Braunkohle wurde im Tagebau Jänschwalde eingestellt. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) erhielt ein letztes Stück Kohle. Für die Bergleute war dies ein emotionaler Augenblick, da in Jänschwalde fast 50 Jahre lang Braunkohle gefördert wurde.

Weitere Tagebaue des Energieunternehmens Leags in der Lausitz bleiben in Betrieb. Der Kohleausstieg ist für das Jahr 2038 vereinbart. Die Leag plant eine Umstellung auf erneuerbare Energien.

«Jetzt kommt die letzte und ebenso wichtige Phase im Leben eines Tagebaus: Die Rekultivierung der Kippenflächen, die Sicherung von Böschungen, die Herstellung von Seen und der Grundwasseranstieg», sagte Ministerpräsident Woidke, der nicht weit vom Tagebau aufwuchs. «Das Ende der Kohleförderung im Tagebau Jänschwalde ist aber nicht das Ende der Industrie- und Energieregion Lausitz.» Neue Ansiedlungen und neue Industriearbeitsplätze entstünden.

«Den Frauen und Männern gilt unser Respekt und unsere Achtung, die im Tagebau bei Wind und Wetter hart gearbeitet haben, damit wir zuverlässig unseren Strom aus der Steckdose ziehen können», hatte Regierungschef Woidke bereits vor dem feierlichen «Schichtwechsel» am Freitag gesagt.

Wechsel zu Solarstrom

Mit dem Abschied von der Kohleförderung in Jänschwalde nordöstlich von Cottbus treibt das Unternehmen den Aufbau einer Solaranlage auf den ehemaligen Tagebauflächen voran. Der Produktionsvorstand bei der Leag, Philipp Nellessen, sagte im RBB-Inforadio, es seien schon rund 2500 Hektar wiederhergestellt. «Auf diesen ersten Flächen werden wir dann auch das erste kleine Teilstück dieser mehrere hundert Megawatt großen Solaranlage errichten.»

Die Arbeiten im Tagebau Jänschwalde werden zum Jahresende jedoch nicht vollständig eingestellt. Laut Leag sind in den ersten Monaten des kommenden Jahres noch geotechnische Sicherungsmaßnahmen geplant.

Benjamin Raschke, der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, hat die fehlende Finanzierung der Rekultivierung kritisiert, obwohl das Unternehmen öffentlich versprochen hat, diese durchzuführen. Die Grünen schlagen vor, eine öffentliche Stiftung für die Auswirkungen der Braunkohleförderung zu gründen. In Zukunft sollen auf den Braunkohleflächen auch Seen entstehen.

dpa