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Nach Abmahnung: Shein präzisiert Angaben zu Klimaversprechen

Onlinehändler Shein gerät erneut in die Kritik. Die Deutsche Umwelthilfe ist rechtlich gegen das Unternehmen vorgegangen.

Shein zählt zu den größten Onlineshops in Deutschland.
Foto: Monika Skolimowska/dpa

Nachdem die Deutsche Umwelthilfe (DUH) Shein abgemahnt hat, hat der chinesische Onlinehändler eine Unterlassungserklärung unterzeichnet. Die DUH hatte dem Unternehmen vorgeworfen, irreführende Versprechen zum Klimaschutz zu machen. Shein bestätigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur den Vorgang.

Laut der DUH hatte der Onlinehändler auf seiner Website angekündigt, bis 2050 klimaneutral zu werden. Es wurde jedoch nicht erklärt, wie dieses Ziel erreicht werden soll. Gemäß dem Shein-Nachhaltigkeitsbericht stiegen die Emissionen des Konzerns im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr um etwa 23 Prozent.

Die Umwelthilfe sprach von einer «dreisten Verbrauchertäuschung». Shein habe sich verpflichtet, entsprechende Aussagen künftig zu unterlassen oder mit konkreten Maßnahmen zu belegen. Das Unternehmen habe seine Darstellung inzwischen überarbeitet.

Shein verweist auf konstruktiven Dialog

Ein Sprecher von Shein sagte auf Nachfrage: «Wir haben in den vergangenen Monaten einen konstruktiven Dialog mit der DUH geführt und dabei zusätzliche Klarheit über unseren Nachhaltigkeitsfahrplan, unsere Ziele und über die zugrunde liegenden Daten geschaffen.» Weitere Informationen seien auf der Internetseite veröffentlicht worden. Diese sollen zusätzliche Transparenz über Pläne und Fortschritte bieten, wie Lieferketten dekarbonisiert werden können.

Shein wurde in China gegründet und hat seinen Hauptsitz in Singapur. Das Unternehmen ist sowohl Hersteller als auch Händler und betreibt einen Online-Marktplatz. Neben Kleidung verkauft das Unternehmen auch viele andere Produkte.

DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz sagte: «Diese Geschäftsmodelle dürfen sich nicht länger lohnen.» Ultra-Fast-Fashion, die über den halben Globus geflogen werde, könne grundsätzlich nicht klimafreundlich sein. Der Verein hat weitere rechtliche Schritte gegen Shein eingeleitet, unter anderem wegen Werbeaussagen mit Begriffen wie «umweltfreundlich».

Unternehmen schon längere Zeit in der Kritik

Anbieter wie Shein oder Temu sind bei Verbrauchern sehr beliebt. Laut Handelsverband werden täglich etwa 400.000 Pakete von Shein und Temu nach Deutschland verschickt. Die Unternehmen stehen jedoch schon seit einiger Zeit in der Kritik. Handelsvertreter, Verbraucherschützer und Politiker bemängeln vor allem die niedrige Produktqualität, unzureichende Kontrollen und unfaire Wettbewerbsbedingungen. Sie fordern strengere Regulierungen und einen besseren Schutz beim Online-Einkauf.

Shein wurde kürzlich erneut von der EU-Kommission ins Visier genommen. Im Mai beanstandeten die Brüsseler Behörde und das Netzwerk der europäischen Verbraucherschutzbehörden Verstöße gegen EU-Vorschriften. Der Modehändler leite Kunden angeblich mit unvollständigen oder irreführenden Informationen in die Irre.

Nach einem Skandal um den Verkauf von Sexpuppen und Waffen forderte die Kommission im November Informationen an. In dieser Woche erschien eine Shein-Vertreterin bei einer Anhörung vor den Abgeordneten des EU-Parlaments. Sie erklärte, dass das Unternehmen sofort Maßnahmen ergriffen habe, um die Produkte aus dem Verkehr zu ziehen. Shein verstärke auch seine Bemühungen, um ähnliche Vorfälle zu vermeiden.

Neue Abgabe auf Importe

Die EU stuft Shein als große Plattform ein, für die strengere Digitalregeln gelten. Die Kommission hat bereits mehrmals Informationen von dem Unternehmen angefordert, insbesondere zu Maßnahmen gegen den Verkauf illegaler Produkte.

Die EU hat kürzlich die Importkosten im Kampf gegen Billigimporte erhöht. Ab Juli wird jedes Paket mit einem Warenwert von bis zu 150 Euro mit einer Abgabe von drei Euro belegt. Diese Maßnahme betrifft auch Händler wie Shein, deren Sendungen bisher zollfrei waren. Die Abschaffung der Freigrenze wurde beschlossen, tritt jedoch erst ab 2028 in Kraft.

dpa