Brüssel droht, chinesische E-Autos mit Strafzöllen zu belegen. Peking warnt schon länger, nicht tatenlos zuzusehen. Nun reagiert das chinesische Handelsministerium.
Nach Strafzöllen: China ermittelt gegen EU-Schweinefleisch

China hat angekündigt, eine Anti-Dumpinguntersuchung gegen importierte Produkte aus der Europäischen Union durchzuführen. Das Handelsministerium in Peking gab bekannt, dass die Untersuchung Schweinefleisch und Nebenprodukte betrifft. Diese Maßnahme wird voraussichtlich eine Reaktion auf die von der EU angedrohten Strafzölle auf chinesische E-Autos sein. Zuvor hatte die EU-Kommission Untersuchungen zu den Subventionen Chinas für Elektrofahrzeuge eingeleitet, die laut Brüssel den Markt in Europa beeinträchtigen.
Die chinesische Staatszeitung «Global Times» hatte bereits unter Berufung auf einen Insider berichtet, dass die chinesische Industrie Beweise für die Untersuchung gegen bestimmte Milchprodukte und Schweinefleisch aus der EU sammle. Nähere Angaben hatte das Blatt in den Beiträgen auf der Onlineplattform X allerdings nicht gemacht.
Vor allem Fleisch für Verzehr betroffen
Das Handelsministerium gab bekannt, dass betroffene Produkte vor allem für den menschlichen Verzehr bestimmt sind. Als Beispiele nannte die Behörde frisches und gefrorenes Schweinefleisch oder Schlachtnebenerzeugnisse. Im vergangenen Jahr importierte China Schweinefleisch im Wert von 23,2 Milliarden Yuan (knapp drei Milliarden Euro). Laut Daten aus Brüssel exportierte die EU 2023 Schweinefleisch-Erzeugnisse im Wert von rund 2,5 Milliarden Euro nach China.
Dies ist nicht die erste Untersuchung Chinas gegen europäische Produkte. Im Januar hatte das Handelsministerium eine Untersuchung gegen Branntwein (Brandy) aus der EU angekündigt. Hauptsächlich betroffen waren Hersteller aus Frankreich.
Experten rechneten mit Gegenreaktion
Experten hatten nach der Strafzoll-Androhung der EU Gegenreaktionen Chinas erwartet. Peking werde aber keine EU-Produkte mit Zöllen belegen, die es noch brauche, hatte etwa Jacob Gunter vom in Berlin ansässigen Institut Merics gesagt. «Dazu zählen Maschinen, hochwertige Industriegüter, Chemikalien, Medizintechnik und andere Produkte.» Große europäische Automobilhersteller dürften verschont bleiben, weil diese Gunter zufolge stark in China investieren, Arbeitsplätze schaffen, Steuern zahlen und zum Wachstum beitragen.
Gunter zufolge könnten Agrar-, Lebensmittel- und Getränkeprodukte ins Visier geraten, auf die Chinas Verbraucher verzichten können oder die Chinas Produzenten selbst in ausreichender Menge herstellen, wie zum Beispiel Schweinefleisch.








