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Zucker in Babynahrung: Nestlé in der Kritik

Nestlé setzt in Ländern wie Südamerika, Afrika und Asien Zucker zu. Public Eye fordert weltweiten Verzicht auf Zucker in Produkten für Kleinkinder.

Nestlé: «Überall dort, wo wir tätig sind, entspricht unser Portfolio den lokalen Vorschriften oder internationalen Standards».
Foto: Laurent Gillieron/KEYSTONE/dpa

Laut einer Analyse der Schweizer Organisation Public Eye steht der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé wegen der Zugabe von Zucker zu Babynahrung in einigen Ländern in der Kritik.

In Untersuchungen der von Nestlé verkauften Folgemilchprodukte wurde in Ländern wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien kein Zuckerzusatz festgestellt, jedoch in Ländern in Südamerika, Afrika und Asien.

«Nestlé macht Babys und Kleinkinder in einkommensärmeren Ländern zuckersüchtig», heißt es in dem Bericht, der am Mittwoch einen Tag vor dem jährlichen Nestlé-Aktionärstreffen veröffentlicht wurde. Public Eye rief zu Unterschriften unter einem Protestbrief an den Konzern auf. Darin wird gefordert, sofort und weltweit auf die Beigabe von Zucker und Süßungsmitteln in Produkten für Kinder unter drei Jahren zu verzichten.

Nestlé erklärte: «Überall dort, wo wir tätig sind, entspricht unser Portfolio den lokalen Vorschriften oder internationalen Standards, einschließlich der Kennzeichnungsanforderungen und der Grenzwerte für den Kohlenhydratgehalt, der Zucker umfasst.»

Analysen zeigen Zuckerzusatz in einigen Ländern

Nach den Untersuchungen von Public Eye und dem Internationalen Aktionsnetzwerk zur Säuglingsnahrung (Ibfan) enthielten Proben bestimmter Folgemilchprodukte für Kleinkinder aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien keinen Zuckerzusatz. In Proben aus Ländern wie Bangladesch, Indien, Pakistan, Südafrika, Äthiopien oder Thailand wurde hingegen zwischen 1,6 und 6 Gramm Zucker pro Portion zugesetzt. Im schlimmsten Fall entspricht dies mehr als einem Stück Würfelzucker, das 4 Gramm wiegt.

Laut Analyse wurde in Nestlé-Weizenbrei für Babys ab sechs Monaten in Deutschland und Großbritannien kein Zuckerzusatz gefunden. In Südafrika wurden jedoch 4 Gramm, in Äthiopien mehr als 5 Gramm und in Thailand 6 Gramm in den gleichen Produkten entdeckt.

Nestlé: Sortiment mit und ohne Zuckerzusatz in verschiedenen Märkten

Dazu erklärte Nestlé: «Unser Sortiment an Säuglings- und Kleinkind-Getreideprodukten in Europa enthält Varianten mit und ohne zugesetzten Zucker. Gleiches gilt für mehrere Märkte in Asien, Lateinamerika und Nordamerika.» Und weiter: «Wir entwickeln und reformulieren unsere Getreideprodukte für Säuglinge weiter, um den Gehalt an zugesetzten Zuckern weiter zu reduzieren, ohne Kompromisse bei Qualität, Sicherheit und Geschmack einzugehen.»

Ernährungsexperten argumentieren, wenn Kinder früh an den Zuckergeschmack gewöhnt werden, greifen sie meist auch später vermehrt zu zuckerhaltigen Produkten. Das könne zu Fettleibigkeit führen oder Krankheiten wie Diabetes begünstigen. Nestlé war in den 70er Jahren schon in der Kritik, weil es in Entwicklungsländern für Babymilchpulver warb. Viele Mütter dachten, dies sei gesünder als ihre eigene Muttermilch. Weil vielerorts kein sauberes Wasser zur Verfügung stand, brachte es Babys aber in Gefahr. Seit langem betont das Unternehmen aber: «Wir unterstützen die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), für die ersten sechs Lebensmonate eines Babys ausschließlich zu stillen.»

dpa