In Deutschland spielen Erneuerbare beim Heizen bislang kaum eine Rolle, wie Zensus-Ergebnisse belegen. Diese zeigen auch: Bei den Mieten sind die Unterschiede riesig – und manche Wohnungen unbeliebt.
Gas und Öl dominieren Heizungen in Wohnungen

Drei Viertel aller Wohnungen in Deutschland wurden im Jahr 2022 mit Gas oder Öl beheizt. Dies geht aus den ersten Ergebnissen des Zensus 2022 hervor, die in Berlin präsentiert wurden. Die Daten basieren auf einer Befragung von Gebäude- und Wohnungseigentümern. Das Ziel des zum Jahreswechsel in Kraft getretenen und zuvor umstrittenen Heizungsgesetzes ist es, dass vermehrt umweltfreundlichere Heizmethoden genutzt werden.
Erst ab dem Baujahr 2010 hat der Anteil der Wärmepumpen zugenommen. In Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern und dem Saarland war jeweils mehr als jede vierte Wohnung mit einer Ölheizung ausgestattet, während diese Energiequelle in den östlichen und nördlichen Bundesländern unterdurchschnittlich genutzt wurde.
Erneuerbare spielen bislang untergeordnete Rolle
Fernwärme ist also besonders in Hamburg (35 Prozent) und Berlin (43 Prozent) weit verbreitet. In Schleswig-Holstein und den östlichen Ländern lag der Anteil der mit Fernwärme beheizten Wohnungen im Jahr 2022 zwischen 21 Prozent und 34 Prozent. Erneuerbare Energiequellen spielen laut Statistikern bisher eine untergeordnete Rolle beim Heizen von Wohngebäuden. Vier Prozent der Wohnungen werden mit Holz oder Pellets beheizt. In drei Prozent der Wohnungen wird dafür Solar- oder Geothermie, Umwelt- oder Abluftwärme genutzt.
Laut dem Zensus gibt es auch Informationen darüber, wie viel Mieter in Deutschland für ihre Wohnungen zahlen müssen. Im Jahr 2022 zahlten sie im Durchschnitt 7,28 Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter. Die günstigsten Wohnungen befanden sich in Sachsen-Anhalt mit durchschnittlich 5,38 Euro pro Quadratmeter. Unter den Bundesländern hatte Hamburg mit 9,16 Euro pro Quadratmeter die höchste Nettokaltmiete, gefolgt von Bayern mit 8,74 Euro, Hessen (8,21 Euro) und Baden-Württemberg (8,13 Euro).
Mieterbund fordert Begrenzungen
München war mit 12,89 Euro pro Quadratmeter die teuerste Stadt, gefolgt von Frankfurt am Main (10,58 Euro), Stuttgart (10,39 Euro) und Heidelberg (10,02 Euro).
«Das sind erschreckende Zahlen, die nur eine Konsequenz nach sich ziehen können: Wir brauchen dringend Begrenzungen der Mieterhöhungsmöglichkeiten, und zwar sofort.», sagte der Präsident des Deutschen Mieterbundes (DMB), Lukas Siebenkotten. Die Bundesregierung müsse sich hierzu endlich durchringen. «Was wir brauchen, ist eine echte Wohnungsbauoffensive, begleitet von ambitionierten Mietrechtsreformen», sagte der DMB-Präsident.
Mieten in der Hauptstadt im Schnitt viel günstiger als in München oder Frankfurt
Berlin lag 2022 mit durchschnittlich 7,67 Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter laut Zensus-Daten eher im Mittelfeld. In Potsdam, wo auch zahlreiche in Berlin arbeitende Menschen wohnen, wurde ein Mittelwert von 7,85 Euro ermittelt. Das ist der höchste für eine ostdeutsche Großstadt ermittelte Wert. Die Großstadt mit den günstigsten Mieten bundesweit ist laut den Zensus-Daten Chemnitz, wo Mieter zum Stichtag durchschnittlich 5,26 Euro pro Quadratmeter im Monat bezahlten.
Die Mieten sind laut Angaben im Westen besonders günstig in Gebäuden aus den 1970er Jahren. In den östlichen Ländern sind die niedrigsten Mieten in Wohngebäuden aus den 1980er Jahren zu finden.
Wohnungen in 70er-Jahre-Häusern im Westen besonders unbeliebt
Die Unterschiede sind besonders in Berlin deutlich zu erkennen, wo die durchschnittliche Nettokaltmiete für eine Wohnung in einem Gebäude aus den 1980er Jahren bei 6,42 Euro pro Quadratmeter lag. Im Vergleich dazu zahlten Mieter in Wohngebäuden, die seit 2016 gebaut wurden, durchschnittlich 12,64 Euro pro Monat. In Hamburg bevorzugen Menschen, die es sich leisten können, besonders gerne Altbauten, wie die Statistiker feststellten. Wohnungen mit einem Baujahr vor 1919 kosten in Hamburg durchschnittlich 11,05 Euro pro Quadratmeter, fast genauso viel wie Wohnungen, die ab 2016 gebaut wurden (11,78 Euro).
Die Anzahl der Wohnungen insgesamt betrug zum Stichtag 2022 43,1 Millionen und stieg seit dem Zensus 2011 um 2,5 Millionen. Die durchschnittliche Wohnungsfläche erhöhte sich im gleichen Zeitraum um drei Quadratmeter auf durchschnittlich 94 Quadratmeter. Der größte Anstieg der Wohnungsgröße war in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu verzeichnen. In Berlin und Hamburg war der Anstieg der durchschnittlichen Wohnungsgröße am geringsten.








